Bugatti Showcar — Moderne Interpretation des Type 57 SC Atlanic

Bugatti präsentiert auf dem Genfer Autosalon eine Neuinterpretation des legendären Type 57 SC Atlantic aus den 1930er Jahren.

Mit einer schwarz-weißen Zeichnung macht Bugatti Lust auf mehr und fragt via Facebook: „Jean Bugattis 57 SC Atlantic kann nicht neu erschaffen werden? Können wir seine Designsprache ins 21. Jahrhundert übertragen?“ Die Antwort geben die Franzosen auf dem Genfer Autosalon.

Wo ist das vierte Atlantic-Modell?

Aber blicken wir zurück auf das Original. Lediglich vier Modelle das Atlantic (ein S und 3 SC) entstanden zwischen 1936 und 1938. Drei damals handgefertigte Modelle des expressiven Coupés existieren noch, sie gelten als die teuersten Automobile der Welt. Das vierte Modell mit der Fahrgestellnummer 57453 gilt als verschollen. Genau dieses Modell ließ Jean Bugatti für sich herstellen, nur er und ausgewählte Freunde durften das Coupé bewegen. Seine Spur verliert sich 1938 mit dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht ins Elsass. Es ist unklar, ob das Modell an einen sicheren Ort gebracht oder komplett zerstört wurde. Würde Bugattis eigener Atlantic gefunden, so wäre er mehr als 100 Millionen Euro wert.

Der erste Type 57 Atlantic noch ohne Kompressor mit der Nummer 57374 wurde 2010 für 31,2 Millionen Euro bei einer Auktion versteigert. Das Modell lieferte Bugatti am 2. September 1936 an den Londoner Bankier Victor Rothschild aus. In den 70er Jahren erstand Dr. Peter Williamson das Modell, seines Zeichens Präsident des Bugatti-Clubs America. Nach seinem Tod 2008 wurde der „Williamson-Bugatti“ versteigert. Er ist nun im Mullin Automotive Museum in Kalifornien zu sehen.

Holzschuh-Modell kaum noch original

Der dritte Atlantic wurde auch 1936 an den Franzosen Jacques Holzschuh ausgeliefert und erhielt diverse Modifikationen. In den 50er Jahren kam der zweite Besitzer Rene Chatard in diesem Fahrzeug bei einem tragischen Unfall an einem Bahnübergang ums Leben. Das Auto wurde zerstört, der Motor konnte nicht mehr gerettet werde und schließlich landete der Bugatti auf einem Schrottplatz. 1965 wurde er weiterverkauft und aufwändig restauriert. In der Oldtimerszene gilt das Holzschuh-Modell mit seinen vielen Neuteilen als kaum noch original.

Der vierte Atlantic entstand als einziges Modell nach 1936, genauer im Mai 1938. Sein erster Besitzer war der Brite R.B. Pope. Seit über 20 Jahren gehört der Pope-Atlantic mit der Nummer 57591 dem Modeschöpfer Ralph Lauren.

Erste Plattformstrategie

Ettore Bugattis Sohn Jean begann um 1930 die Modellpolitik der Luxusmarke zu modernisieren. Statt mehrerer Modelle entwickelte er ein Grundmodell, aus dem er verschiedene Varianten ableitete. Bugatti konzipierte den Type 57 als Serienauto und als Rennsport-Variante. Dazu zählten unterschiedliche Motorvarianten und Karosserieformen wie Galibier (viertürige Limousine), Stelvio (Cabrio), Ventoux (Zweitürer) und Atalante (Coupé). Vom Type 57 verließen in den verschiedenen Versionen zwischen 1934 und dem Ende der Produktion 1940 etwa 800 Fahrzeuge die Werkshalle – die genaue Zahl ist nicht bekannt. Der Type 57 wurde von allen Bugatti-Modellen am häufigsten gebaut – Abgesehen von der Variante Atlantic.

Dieses Modell zeigt sich mit abgesetzten Rädern, die Motorhaube streckt sich bei nur 3,70 Meter Gesamtlänge weit nach vorne. Das Heck fließt wie ein Oval geformt nach unten, bis kurz über den Boden. Sechs dünne Auspuffendrohre schließen den Heckbereich ab. Als herausragendes Design-Merkmal dient ein aufgerichteter Kamm, der senkrecht vom Scharnier der teilbaren Motorhaube bis zum Heckende verläuft. Wie eine messerscharfe Finne teilt er mittig die Karosserie, Nieten halten die geteilten Bleche fest. Als Antrieb des Coupés diente ein 3,3-Liter-Reihen-Achtzylinder mit bis zu rund 200 PS, die Höchstgeschwindigkeit lag bei über 200 km/h – in einer Zeit, in der auf vielen Straßen noch Kutschen unterwegs waren.

Quelle: https://www.auto-motor-und-sport.de/neuheiten/bugatti-showcar-in-genf-interpretation-des-type-57-sc-atlanic/

Previous ArticleNext Article