Cadillac-Chef Johan de Nysschen tritt zurück — Differenzen bei Neuausrichtung der Traditionsmarke

Seit August 2014 leitete Johan de Nysschen GMs Nobeltochter Cadillac, jetzt schmeißt der gebürtige Südafrikaner hin. Als Grund stehen „strategische Differenzen“ mit anderen Managern im Raum. De Nysschen hatte bereits viele Veränderungen angestoßen.

Er sammelte Erfahrungen bei BMW, als Chef von Audi-Amerika und als Infiniti-Boss: Jetzt verlässt Cadillac-Chef Johan de Nysschen GM. Der 58-Jährige war vor vier Jahren angetreten, frischen Wind in die Premiummarke zu bringen und sie weltweit erfolgreicher zu machen. Aktuell stellt sich Cadillacs Mutter GM neu auf – de Nysschen kommentiert dies gegenüber der Finanznachrichtenagentur Bloomberg mit „Wir sind uns einig, dass wir uns uneinig sind.“ Der Manager führt „philosophische Gegensätze“ ins Feld.

GM-Präsident Dan Ammann sagte zu de Nysschens Weggang: „Wir schätzen die Bemühungen Johans während der letzten vier Jahre, Cadillac auf ein stärkeres Fundament zu stellen.“ Auf dem chinesischen Markt konnte Cadillac ein enormes Wachstum hinlegen, auf dem heimischen US-Markt verlor die Marke aber Boden gegenüber der deutschen Premium-Konkurrenz aus Mercedes, BMW und Audi. Auf dem deutschen Markt ist Cadillac zwar ein Nischenanbieter, aber immerhin die einzige GM-Marke, die eine größere Modellpalette im Programm hat. General Motors ist hierzulande noch mit drei Ausführungen der Corvette (Stingray, Grand Sport und Z06) sowie dem Chevrolet Camaro als Coupé und Cabrio vertreten.

Viele Veränderungen angestoßen

Johan de Nysschen tat viel, um Cadillac wieder in die Spur zu bringen. So verlegte er den Cadillac-Hauptsitz von dem als Stadt seit Jahrzehnten schwer angeschlagenen Detroit ins pulsierende New York, um der Cadillac-Kundschaft näher zu sein. Außerdem erhöhte er die Preise, um den Premiumanspruch der Marke zu unterstreichen. Dies führte allerdings zum einem Rückgang bei den US-Verkaufszahlen. Beim Thema SUV ist Cadillac spät dran: sehr lange hielten die Amerikaner am rasant wegbrechenden Limousinen-Markt fest. Aktuell haben sie mit dem XT5 und dem Escalade nur zwei SUV im Programm – im Herbst diesen Jahres kommt der XT4 als Kompakt-SUV in den USA auf den Markt, außerdem ist ein weiteren großen SUV mit drei Sitzreihen geplant. Die Limousinen-Baureihen ATS und CTS verschmelzen zu einer einzigen Baureihe.

Die Konkurrenz aus Deutschland ist mit ihrem SUV-Angebot in den USA wesentlich besser aufgestellt: Audi hat mit dem A4 allroad einen Crossover und mit Q3, Q5 und Q7 drei SUV im Angebot, der Q8 gesellt sich Mitte diesen Jahres dazu. BMW punktet mit sechs SUV (X1 bis X6) und bringt 2019 den X7. Mercedes hat mit GLA, GLC, GLC Coupé, GLE, GLE Coupé und GLS ebenfalls sechs SUV im US-Programm, hinzu kommt die auch in Amerika beliebte und jetzt in einer neuer Generation antretende G-Klasse.

Neuer V8-Downsizing-Motor entwickelt

De Nysschen setzte auch auf sportlichere Modelle mit modernen Motoren. Die V-Varianten haben aktuell einen kompressorgeladenen 6,2-Liter-V8 mit 649 PS unter der Haube. Damit übertrumpfen Cadillacs V-Versionen leistungsmäßig ihre deutschen Konkurrenten – verfangen hat dies anscheinend nur bei der chinesischen Kundschaft. Als Nachfolger des 6,2-Liter-Motors steht ein Downsizing-V8 mit 4,2 Litern Hubraum kurz vor der Markteinführung. Gekoppelt ist dieses Aggregat an eine Zehngang-Automatik.

Möglicherweise hielt de Nysschen aus GM-Sicht zu lange an Cadillacs Limousinen-Tradition fest. Der bisherige GM-Kanada-Chef Steve Carlisle tritt die Nachfolger von de Nysschen an. Der 56-jährige Kanadier fing 1982 als Student bei General Motors an.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/cadillac-chef-johan-de-nysschen-ruecktritt-2018/

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