Cockpit-Check Audi E-Tron Quattro — Bunt, vernetzt und ein bisschen schlau

Weglassen stand nicht im Pflichtenheft des Audi E-Tron. Der wuchtige Audi bekam von seinen Entwicklern alles ins Gefieder gesteckt, was man in Ingolstadt an Technologie zu fassen bekam. Das ist beeindruckend. Im Alltag aber hin und wieder auch anstrengend.

Heute mal keine Grundsatzdiskussion zum Thema Elektroauto, versprochen! Einfach nur die Frage, wie leicht (oder schwer) man sich im Alltag mit dem großen SUV tut. Weil: Egal woher die Kraft für den Vortrieb auch kommt, die Technologie drumherum muss zu bedienen sein. Von Profis, Fans, Ein- und Umsteigern. Im Fall des E-Tron hilft es sehr, zu den ersten beiden Zielgruppen zu gehören. Warum? Weil das Cockpit sich mehr oder weniger aus den bekannten Oberklasse-Modellen A8 und Q8 zusammensetzt. Heißt: Abgesehen vom Design prägt das Bediensystem „MMI touch response“ die Einrichtung. Zwei übereinander platzierte Touchscreens (10,1 und 8,6 Zoll) auf dem Armaturenbrett, die sich leicht zum Fahrer hin neigen. Wer damit schon mal zu tun hatte, kommt im E-Tron locker klar. Trotz der neuen Handauflage auf der Mittelkonsole, die neben der elektronischen Parkbremse auch den Wählschalter für die Fahrstufen beherbergt.

Fünf Bildschirme plus Head-up-Display

Grundsätzlich darf man in den aktuellen Audi-Oberklasse-Modellen keine Angst vor vielen Bildschirmen haben. Neben den beiden Touch-Response-Screens geht kein E-Tron ohne das 12,3 Zoll große TFT-Kombiinstrument vor dem Lenkrad aus dem Haus, das die klassischen Rundinstrumente in Rente geschickt hat. Bei Audi heißt das Riesending „Virtual Cockpit“. Für 150 Euro extra kommt die Plus-Option dazu, die zusätzliche grafische Darstellungsoptionen bietet. Teuer aber bei Nacht ein beeindruckendes Sicherheitsfeature: Der Nachtassistent, der ein Wärmebild der Umgebung anzeigt und Personen und größere Tiere gelb markiert. Das funktioniert beeindruckend gut, haut mit 2150 Euro aber auch ein echtes Loch ins Budget.

Virtuelle Außenspiegel? Wer’s mag …

Das gilt auch für die Bildschirme vier und fünf im Cockpit, die zu den optionalen virtuellen Außenspiegeln gehören. Kameras in schlanken Fühlern übertragen den Blick nach hinten auf zwei OLED-Touch-Displays in der Türverkleidung. Die Vorteile: Durch den geringeren Luftwiderstand erhöht sich die Reichweite um wenige Kilometer, außerdem verringern sich die Außengeräusche, da es zu weniger Verwirbelungen kommt. Muss man dafür 1540 Euro ausgeben? Nein. Denn im Alltag sind die Außenspiegel 2.0 keine Hilfe. Hauptproblem: die falsche, bzw. fehlende Perspektive. So ein klassischer Außenspiegel hat die wunderbare Eigenschaft, den Sichtbereich zu verändern, wenn man den Kopf neigt. Das hilft zum Beispiel beim Einparken oder an Engstellen. Der Blick aufs Außenspiegel-Display bleibt immer gleich und wirkt damit beschränkt. Zwar lassen sich die Kameras per Touch-Bedienung in alle Richtungen bewegen, das ist aber alles, nur nicht alltagstauglich. Zack, 1540 Euro gespart.

Alexa ist smart, aber ein Fremdkörper

Speziell für den e-tron gibt es neue Zierhölzer und Sitznähte, die elektrische Leiterbahnen imitieren. In Kombination mit der LED-Innenraumbeleuchtung (inklusive beleuchteten Gurtschlössern) glimmt und blinkt der E-Tron vor dem Start wie ein liebestolles XXL-Glühwürmchen. Das kann man gut finden, oder im Optionsmenue abschalten. Immerhin. Dorthin muss auch, wer seinen Amazon-Alexa-Account mit dem E-Tron verweben will. Globaler E-Commerce-Riese trifft Ingolstädter E-Newcomer. Das kann nicht gut gehen, denken Sie? Tut es aber. So lange man sein Smartphone und das passende Amazon-Passwort parat hat, dauert die Kopplung keine zwei Minuten, dann geht Alexa dauerhaft mit auf die Reise. „Alexa, schreibe bitte Tiefkühl-Pizza auf meine Einkaufsliste!“. Fast. Denn das so genannte „Wake Word“ funktioniert im E-Tron noch nicht. Die schlaue Amazon-Lady muss per Knopfdruck geweckt werden. Kein Problem, aber eben nicht ganz so komfortabel wie die nativ verbauten Assistenten in Daimlers MBUX oder bei BMW. Auch gewöhnungsbedürftig: Vor allem bei wackeligem LTE-Empfang (alle E-Tron funken in Deutschland ab Werk im Handynetz) reagiert Alexa deutlich verzögert. Oder gar nicht. Dafür dann aber manchmal die Stimme der klassischen Sprachbedienung, die sich leider nicht mal ansatzweise so lässig in eine Konversation verwickeln lässt, wie Alexa. „Ich habe Sie leider nicht verstanden!“. In Sachen schlaue Assistenten hat Audi also definitiv noch Nachholbedarf.

Connect-App macht Lust auf mehr

Ziemlich gut funktioniert dagegen die myAudi-App samt der dazugehörigen Connect-Dienste. Für die Registrierung braucht’s neben einem Account noch einen aktivierten Hauptnutzer und den Fahrzeugcode, der gemeinsam mit den Fahrzeugschlüsseln geliefert wird. Das hat man alles schon komplizierter gesehen. Echter Vorteil der direkten Smartphone-Verbindung zum Auto: Man kann im Winter die Heizung anwerfen, bevor man aus dem Haus geht. Herrlich. Außerdem erinnert die App an fällige Servicetermine, kann das Fahrzeug auf- und zuschließen und informiert darüber, wie lange der E-Audi noch am Ladekabel hängt. Und das ist erst der Anfang. Nach und nach wollen sie bei Audi noch weitere Funktionen freischalten.

Quelle: https://www.auto-motor-und-sport.de/elektroauto/cockpit-check-e-tron-displays-virtuelle-aussenspiegel/

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