Der Modulare Elektrobaukasten (MEB) — Mit dieser Technik für E-Autos fährt VW in die Zukunft

Der VW-Konzern hat für seine Elektroautos der I.D.-Familie den Modularen Elektrobaukasten (MEB) entwickelt. Wir stellen die Technik vor, die ab 2019 Serien-Elektroautos mit einer Reichweite bis zu 600 Kilometer zum Preis eines vergleichbaren Diesels auf die Straße bringen soll.

Das Elektroauto kommt. Nur wann und wie viele – das ist für viele Hersteller derzeit noch schwer abzuschätzen. Der Volkswagen-Konzern rechnet für 2025 mit einem E-Auto-Anteil von 15 bis 25 Prozent. Das wären angesichts der aktuell etwa 10 Millionen Stück Jahresproduktion und einer möglichen Absatzsteigerung auf 12 Millionen 1,5 bis 3 Millionen Autos pro Jahr – mehr als etwa BMW oder Daimler insgesamt produzieren.

Die kämen ihrerseits mit einem ähnlichen E-Auto-Anteil auf etwa 500.000 Stück. Deshalb ertüchtigt beispielsweise BMW sukzessive alle Baureihen für den E-Antrieb. Natürlich haben auch die Münchner Technik-Architekturen für mehrere Modelle. Sie bereiten also die Bodengruppen der Frontantriebsplattform für Mini, BMW 1er und 2er-Vans (UKL, unter Klasse) und der Heckantriebsplattform (3er, bis 8er) für die Aufnahme schwerer Akkus zwischen den Achsen vor. Ausgerechnet die Münchner, die Vorreiter waren beim E-Auto, schwenken um? Bei BMW heißt es dazu mit Blick auf den i3 mit der teuren Karbon-Architektur: „Eine eigene Plattform für Elektroautos? Da sind wir schon drüber hinweg“.

VW haben aber die hohen absoluten Stückzahlen an E-Autos dazu bewogen, 6 Milliarden Euro in die Entwicklung einer eigenen Plattform zu investieren. Eine Entwicklung vergleichbar mit der des Modularen Querbaukastens (MQB), der bereits 2016 für 40 Prozent der vom VW-Konzern verkauften Fahrzeuge die technische Basis bildete. 2018 werden alle Marken des Konzerns insgesamt gut 70 Prozent MQB-Fahrzeuge, also etwa 7 Millionen Stück, verkaufen – das bringt enorme Einsparungen pro Auto. Und war offenbar Inspiration für den MEB.

VW wird Heckantriebsmarke

Der MEB ergibt auch deshalb Sinn, weil eine eigene Bauform die Vorteile des Elektroantriebs voll zur Geltung bringt. Der grundsätzliche Aufbau sieht die schwere Batterie im Fahrzeugboden zwischen den Achsen vor. Das senkt den Schwerpunkt, ebnet den Fahrzeugboden, sorgt raumökonomisch vorteilhaft für einen langen Radstand und kurze Überhänge, Heckmotor- und Antrieb machen den Kardantunnel überflüssig, selbst mit Allradantrieb. Diese Option bringt beim Elektroauto ein zweiter Motor auf der Vorderachse.

Dringend brauchen tut man ihn nicht. Christian Senger, Baureihenleiter für den MEB, ist sicher, dass der Heckantrieb dank ausgewogener Gewichtsverteilung und dynamischer Achslastverteilung für die meisten Fahrsituationen ausreichend Traktion bietet, zumal der MEB besonders große Räder (21 Zoll und mehr) erlaubt, die wiederum mehr Reifenfläche mit dem Asphalt Kontakt haben lassen. Außerdem kostet Allradantrieb beim E-Auto Reichweite und konterkariert damit zum Teil eines der Hauptziele des MEB: bezahlbare Reichweite. VW möchte den Elektroantrieb massentauglich machen, der MEB soll ihn quasi demokratisieren.

Da hilft, dass der MEB so flexibel sein soll wie der MQB: Die geplante Modellfamilie namens I.D. umfasst schon bislang folgende 5 extrem unterschiedliche Modelle:

VW I.D. (Marktstart 2019)

Kompaktwagen, außen etwa mit den Abmessungen des Golf (aber 15 Zentimeter kürzer), der Radstand ist hingegen gut 13 Zentimeter größer. Daher soll der I.D. laut VW innen so geräumig sein wie ein Passat. Der Motor (170 PS) sitzt erstmals seit gut 40 Jahren bei einem VW wieder hinten. Natürlich treibt er auch die Hinterachse an. Dank ausgewogener Gewichtsverteilung und der dynamsichen Achslastvertielung beim Beschleunigen (0 bis 100 km/h in weniger als 8 Sekunden) soll die Traktion auch für nassen Asphalt ausreichen. Die Höchstgeschwindigkeit gibt VW mit 160 km/h an.

VW I.D. Crozz (Marktstart Ende 2019)

Das zweite MEB-Auto ist wahlweise ein Crossover oder ein SUV in Coupéform mit Stummelheck, mit gut 4,60 Meter etwa so lang wie ein BMW X4. Mehr als 2,70 Meter Radstand und entsprechend geräumig, der Kofferraum soll mehr als 500 Liter fassen.

Im I.D. Crozz kommt der permanente Allradantrieb mit zwei E-Motoren und einer Systemleistung von 306 PS zum Einsatz. Die Lithium-Ionen-Batterie im Concept Car soll 83 kWh haben, per 150 kW (DC) Ladestation in rund 30 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen werden können und für eine Gesamtreichweite von 500 Kilometer sorgen – vermutlich nur, wenn man die Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h nicht allzu oft nutzt.

VW I.D. Buzz (Marktstart 2022)

Das Design des Buzz erinnert an den legendären VW Bus T1. Vielleicht kam das Showcar deshalb besonders beim Publikum in den USA gut an. Darum möchte VW-Markenchef Herbert Diess den Serienstart beschleunigen. Das Serienauto wird aber etwas kleiner werden, während das Concept Car des Elektro-Bulli ist mit rund 5 Meter Länge und fast 2 Meter Höhe ein echter Brummer ist. Es hatte ebenfalls den zweimotorigen Allradantrieb. Im Buzz soll die Systemleistung allerdings satte 374 PS betragen, was die höchste von allen bislang gezeigten I.D.-Studien ist.

VW I.D. Aero (2023)

Von dieser Mittelklasselimousine mit etwa 4,80 Länge und Oberklasse-Platzverhältnissen ist zum Genfer-Autosalon ein Concept Car zu erwarten. Die Serienversion des „Tesla-Fighters“ kommt aber auf jeden Fall erst nach dem Buzz, obwohl VW-Markenchef Diess explizit die Konkurrenz zu Tesla sucht und die Amerikaner mit dem Tesla (Model S) zuerst dieses Baumuster auf den Markt brachten. MEB-Baureihenleiter Christian Senger glaubt aber auch an Elektroautos in Limousinenform, weil Stufenheckkarossen grundsätzlich bessere cW-Werte ermöglichen, was der Reichweite hilft.

VW I.D. Lounge (2024)

Das größte Auto der Elektro-Familie kommt zum Schluss, vermutlich 2024. Der Lounge wird von den Proportionen her eher ein klassisch geschnittenes Mid-Size-SUV, etwa 5 Meter lang, so wie das größte MQB-SUV, der VW Atlas. Und auch wenn der 7-sitzige Atlas enorm geräumig ist – innen soll der Lounge seinen Vebrenner-Kollegen klar überbieten und seinem Namen Ehre machen: Die Platzverhältnisse sollen eher denen eines Full-Size-SUV wie dem Cadillac Escalade gleichen.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/vw-elektroauto-meb-zukunft-technik-3341164.html

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