Die Exotik des publizierens

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Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann –

dann gewinnst Du.

Ein Zitat von Mahatma Gandhi und der Mann kennt sich wohl aus in der Frage, wie man ein System verändert.

Wieder einmal ist es soweit, die etablierten Kollegen werden nervös. Vor kurzem auf einer Presse-Veranstaltung eines Automobil-Herstellers aus Tschechien musste ich mir noch im O-Ton anhören, was Motor-Journalisten von Motor-Bloggern ausmacht:  Das Studium und die Lektoren im Verlag und so Spitzfindigkeiten wie: „..es ist nicht die letzte Woche..“ es war „..vergangene Woche..“ Nun – ich habe gelernt meinen Blutdruck zu kontrollieren, reibe langsam meine Ohrläppchen und denke: „Wuuuuhsa“. Der Herr Journalist möchte nicht gestört werden in seiner Traumblase. Lass ihn weiter schlafen.

Doch heute ist es wieder so weit.

„Auto-Blogger wollen nicht gelesen werden“

Diese schwachsinnige Überschrift verwendet heute ein Stefan Anker in einer Online-Kolumne der Welt. Neben der polemischen Headline hält auch der Rest des Textes ein paar nette Pauschalisierungen parat. Nachdem der erste „Kopf-Tisch“ Reflex überwunden ist, lese ich den Artikel in Ruhe ein zweites Mal. Und mit jeder Zeile wird deutlich, hier schreibt einer – hoch sitzend zu Roß – mit seinem alten Kampfmittel,  gegen die Windmühlen seiner Zukunft.

Lustigerweise setzt der gute Hr. Anker die Anzahl der Kommentare gleich mit der Gesamtreichweite. Und nachdem Hr. Stefan Anker bewiesen hat, das er keine Ahnung vom Internet hat, verläuft er sich auch noch in der Annahme – es gäbe nur einen Lesertypus und dieser will die Welt lesen. Verständlich. Das „Welt-Bild“ des Verlagswesen wackelt. Papier ist geduldig gewesen und der Traum der Reichweite wurde oftmals mit absurden Zahlen bunt ausgemalt. Doch nun – nun muss auch die Springersekte äh, die Online-Angebote der Springer-Verlagsgruppe, teilweise schon weit in die Netzwelten vorgedrungen, Geld verdienen.

Da kommen diese Blogger – diese rotzfreche Garde neuer Medien-Menschen daher und stellt die Buffett-Gesellschaft der alten Presse auf den Kopf.

Man kann meinem Kollegen Jens Stratmann nur gratulieren, hatte er doch die Größe, in seinem Bericht über das Zusammentreffen mit dem Totholz-Korrespondenten, nicht ein schlechtes Wort zu verlieren. Und Glückwunsch Nummer 2 an meinen Kollegen Jens rad-ab Stratmann, denn er hat wohl einen so prägenden Eindruck hinterlassen, dass sich Stefan Anker gezwungen sah – seine Zunft zu verteidigen.

Unterhaltsam auch der Hinweis,  auf die eigenen Neigungen, zum „Geschwafel“ zu tendieren – vermutlich müssen die letzten verbliebenen Springer-Korrespondenten dies können – da doch sonst der Rest der Inhalte auf den Angeboten der großen Verlagen von Medien-Agenturen hinzugekauft wird, deren Text-Qualität sich häufig nur in der Anzahl der benannten Serien-Ausstattungsdetails unterscheidet.

Ein persönliches Wort an Stefan Anker: Machen Sie sich keine große Sorgen – wenn die Verlagshäuser online weiterhin so planlos agieren wie bisher, dann bleibt Ihnen immer noch die Möglichkeit einen eigenen Blog zu schreiben. Unsere Leser stehen ja auf Geschwafel. Und nach ein paar harten Jahren zu Beginn, finden auch Sie eine Leserschaft. Hoffentlich.

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger