Die Hamburg-Berlin-Klassik 2013 – Stars, Sternchen und Diamanten

Es war dieser eine, besondere, Augenblick der für mich fast die ganze Hamburg-Berlin-Klassik ausgemacht hätte. Im Rückspiegel sah ich einen roten Punkt. Als er näher kam wurden die kantigen Umrisse eines VW Golf 1 sichtbar. Dieses Auto würde ich immer und überall wieder erkennen. Ein Golf 1 GTI – mein erstes Auto –  doch in diesem besonderen Fahrzeug saß Hans-Joachim Stuck.

Stars, Sternchen und Diamanten

HBK Tweety der Diamant unter den Sternen

Vor mir eine schmale Holperpiste irgendwo im Nationalpark Müritz. Hinter mir, mittlerweile gut sichtbar im Rückspiegel, der rote Einser Golf GTI mit Strietzel-Stuck am Steuer. Mein Auto, ein von Mitsubishi gestellter Lancer aus dem Baujahr 1978 hatte nur 1.4 Liter Hubraum und magere 54 PS. Der GTI von Strietzel kam mit, damals sagenhaften, 112 PS immer näher. Heckantrieb im Lancer, Frontantrieb im Golf. Meine Hände umfassten das Spindeldürre Lenkrad des frühen Japaners und mit dem rechten Fuß drückte ich heftig am Vergaserzug.

Meine Frau schaute verdutzt als der Tacho des Lancer über die 100 km/h Marke sprang, während sich der kleine Vierzylinder im Bug dröhnen in unbekannten Drehzahlhöhen erhob.  Das war doch hier keine Rennstrecke, oder doch?  Unser Hund hob seinen Kopf von der Rücksitzbank und lies mir über den Innenspiegel mit mürrischen Blick ausrichten, was er davon hielt, mit dem klassischen Japaner in diesem Tempo über den besseren Ackerpfad zu holpern. Zwischenzeitlich berührte die Blatt gefederte Starrachse den Untergrund nur noch, wenn aufgrund von zu langen Luftsprüngen das Tempo abrupt einbrach. Während ich im Wahnwitz an die Interviews von Rallye-Legenden zurückdachte, der Tacho zeigt mittlerweile eine unangebrachte Geschwindigkeit an – wurde mein Tagtraum von einem gällenden: „BJÖÖÖRNN!!“ unterbrochen. Die Stimme meiner Frau.

„Das ist keine echte Rallye – und unser Hund will gleich aussteigen“.

Sie hat ja recht. Der gute Stritzel-Stuck wird von meiner Fahrweise nichts mitbekommen haben, hätte er mitspielen wollen, er wäre vermutlich mit seinem GTI einen Kreis um mich gefahren, während ich mich im Kampf mit dem verschnupften Vergaser und der Starrachse befand. Aber so ist das eben. Auto fahren kann ich nur mit Leidenschaft. Und wann hat man schon einmal einen H.J.-Stuck im Rückspiegel. Meine Frau lies mir meinen Tagtraum, während sich unser Hund wieder auf der Rücksitzbank lang machte und ich das Tempo auf angebrachte 80 km/h schrumpfen lies.

HBK 2013 Team Tweety Mitsubishi

Hamburg-Berlin-Klassik

Reisen, statt rasen. So waren die Worte von Rallye-Legende Peter Göbel zwei Tage zuvor. Es geht nicht um die Erreichung von Höchstgeschwindigkeiten. Eine Klassiker-Rallye wie die sechste Auflage der HBK dreht sich um den Spaß an der Ausfahrt. Geschicklichkeit und gemeine Sonderprüfungen.

Und natürlich:  Sehen und gesehen werden.

So nehmen auf Einladung der Hersteller auch viele Promis an dieser etablierten Oldtimer-Tour teil. Der TV-Koch Horst Lichter zum Beispiel, oder die Eis-Prinzession Kathi Witt. Und im Wagen mit der Startnummer 158, meine Frau, mein Hund und ich. Unseren Zitronen gelben Lancer aus dem Jahre 1978 haben wir am Abend zuvor auf den Namen Tweety getauft. Tweety auf großer Tour. 3 Tage zwischen Hamburg und Berlin unterwegs in einer wundervollen Region rund um den Nationalpark Müritz und der Mecklenburgischen Seenplatte.

HBK 2013 ankunft in Schwerin

Rallye-Lehrstunde

Das der Erfolg bei einer derartigen Klassik-Rallye nur wenig mit der Artistik hinter dem Volant zu tuen hat, musste das Team Mitsubishi 2 im gelben Tweety schon am ersten Tag erfahren. Anstatt möglichst flink um die Hecke zu rutschten und die Fahrbahn nur noch für grobe Richtungsänderungen zu berühren, sind Geschick, Zeitgefühl und Kopfrechnen angesagt.

Doch zuerst musste eine Fremdsprache gelernt werden: Die Chinesen-Zeichensprache. Diese sparsam gemalten Hieroglyphen sagte uns, wo wir lang mussten und wer meinte, er könne ja einfach den Zielort im Handy-Navi einprogrammieren, der würde Strafpunkte im Abo sammeln. Denn nicht nur die Wertungsprüfungen mussten nach Rallye-Plan gefunden und gefahren werden, auch Durchfahrts-Stationen im hintersten Winkel von Mecklenburg-Vorpommern warteten auf die Rallye-Karawane.

Und hier sammelten meine Frau, der Hund und ich dann doch noch mehr Emotionen, als beim Treffen mit Strietzel. Ganze Schulklassen warteten auf die muntere Karawane und in jedem Ort wurden die Campingstühle an die Straße gestellt. In einem Ort fuhren wir einen 30 Meter langen Spalier von Kinderhänden ab, die durchgestreckt durch den Pausenhof-Zaun, abgeklatscht werden wollten.

HBK Team Tweety

Einmal Pop-Star – my five minutes of fame – Team Mitsubishi

Die Organisatoren haben auch bei der sechsten Hamburg-Berlin-Klassik ganze Arbeit geleistet.  Das meine Frau, der Hund und ich teilnehmen konnten, haben wir Mitsubishi-Motors Deutschland zu verdanken. Zum Glück hatte Mitsubishi nicht nur den „Tweety-Lancer“ mitgebracht. Mit der Startnummer 155 dabei, das Team „Buck“ auf einem silbernen Galant, ebenfalls aus dem Jahre 1978. Am Steuer Bettina Buck und mit dem Gebetsbuch und der Stopp-Uhr in der Hand auf dem Beifahrersitz: Ingo Buck. Beide gehören nebenbei zu den Köpfen hinter der „Nord-Europäischen E-Mobil Rallye„. Gleichwohl meine Frau und ich (und unser Hund) bereits nach dem ersten Tag mit sportlichem Ehrgeiz bis zur Oberkante der Unterlippe angefüllt waren – gelang es uns nicht, der schon fast gespenstischen Erfolgsspur der beiden Nordlichter zu folgen.

Am Ende landete das Team 155 („Brave Bucks in a Mitsubishi„) sogar auf dem Gesamtrang: 19! Tweety und meine Crew – wir hakten die Rallye bei der Feier am Samstagabend in der Fischmarkthalle ab. Der Platz 129 kann nur als eine wenig erfolgreiche „Übung“ angesehen werden.  Auf der anderen Seite – wir wurden nicht „Letzter“. Dieses Privileg fiel einem Star der Rallye zuteil: Horst Lichter auf seinem Bentley Petersen Speed Six – powered by Dunlop.

Horst Lichter kam deswegen auch zuerst zu Wort, als ich O-Töne einsammelte:

Das sagen die Promis

„Eigentlich hätten wir ja gewinnen müssen, denn zum ersten Mal hatte ich auf meinem Bentley einen völlig neuen Reifen von meinem Partner Dunlop. Wir hatten damit Grip ohne Ende, vor allem im nassen und ganz unter uns: Wenn der Reifen scheiße gewesen wäre, dann hätte ich das jetzt auch gesagt. So aber bleibt nur zu sagen: Diese Hamburg-Berlin-Klassik führte uns durch eine wunderschöne Landschaft.“

Horst Lichter | TV-Koch | Unterwegs mit der Startnummer 120

HBK 2013 Horst Lichter Bentley Klassik

Deutlich besser platziert, Ex-DTM Pilot „Jockel“ Winkelhock:

Das waren drei geile Tage „pures Auto fahren“ in einer der schönsten Landschaften Deutschlands. Ein Auto zu fahren, das völlig ohne elektrische Helferlein auskommt, das ist einfach die pure Lust. Da muss man am Anfang umdenken, aber sobald man sich daran gewöhnt hat, genießt man es einfach nur noch!

Joachim Winkelhock | Rennfahrer | Unterwegs mit der Startnummer 97

Gewinner der HBK 2013:

Gewonnen hat die sechste Hamburg-Berlin-Klassik im übrigen Matthias Kahle auf einem Škoda 130 RS mit der Startnummer 153 und nur 539 Strafpunkten. Um das entsprechend würdigen zu können, muss man wissen, dass das Team Tweety an nur einem Rallye-Tag doppelt so viele Strafpunkte kassierte – es bleibt also viel Platz für Verbesserungen.

Oder lag es eventuell an unseren Vorbereitungen, wie ich bei der Schlussfeier erfuhr, war das Team mit der Startnummer 153 nur selten vor 4 Uhr in der früh aus der Bar verschwunden …

 Wer alle Ergebnisse im Überblick sehen will, folge bitte diesem Link.

Dunlop Reifen

 

 

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

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