Die Opel-Neuheiten mit PSA — Elektro-Corsa, PHEV-Grandland, Mildhybrid-Astra

Opel stellt sich seine Zukunft mit PSA so vor: Für alle neuen Modelle gibt es zwei Plattformen, die mit E-Antrieb oder als Plug-in-Hybrid elektrifiziert, flexibler und günstiger zu fertigen sind. So möchte Opel die anspruchsvollen CO2-Grenzen erreichen und wieder in die Gewinnzone kommen. Welche Neuheiten Opel mit welcher Technik plant.

Schon vor sechs Jahren brachte Opel mit dem Ampera sein erstes Elektroauto auf den Markt. Doch wie sein Nachfolger Ampera-e (seit 2017) war er ein ausschließlich mit elektrischem Antrieb konzipiertes Modell, das zudem in den USA beim damaligen Mutterkonzern General Motors vom Band lief. Doch von einer Elektrifizierung der klassischen Modellpalette war bislang nicht die Rede, selbst beim letzten unter der GM-Ära neu entwickelten Opel, der 2017 eingeführten, zweiten Insignia-Generation, ist beispielsweise ein Plug-in-Hybrid nicht vorgesehen.

Ab 2024 elektrifiziert Opel alle Baureihen

Mit dem Verkauf an PSA ändert sich die Situation komplett. Opel wird elektrisch, bis 2024 soll es keine Baureihe mehr ohne die Option eines elektrischen Antriebs – batterieelektrisch (BEV) oder als Plug-in-Hybrid (PHEV) – geben, zusätzlich zu den weiter optimierten Verbrennungsmotoren. So wollen die Rüsselsheimer eine führende Rolle bei der Reduzierung der CO2-Emissionen einnehmen. Gleichzeitig verringert Opel in seinem künftigen Portfolio drastisch die Komplexität, was die Effizienz und damit die Kostenstruktur gravierend verbessern soll. So kommen in Zukunft nur noch vier statt bislang zehn Motorenfamilien, und lediglich zwei statt bisher neun Plattformen für das gesamte Modellangebot zum Einsatz.

Das ist nur mit effizient ausgelegten Plattformen mit vielen Gleichteilen möglich, was über Skaleneffekte die Kosten für Entwicklung und Fertigung senkt. Auf der anderen Seite müssen diese Plattformen so modular aufgebaut sein, dass sie viele Freiheiten bei der Gestaltung der Fahrzeuge ermöglichen. So bleibt die Eigenständigkeit der vier Konzernmarken Opel, Peugeot, Citroën und DS erhalten, obwohl ihre Autos auf einer gemeinsamen Fertigungslinie vom Band laufen können. Da alle neuen Opel-Modelle zwar auf PSA-Technik basieren, aber in Rüsselsheim entwickelt werden, ergeben sich auch beim Design für Opel neue Freiheiten: So müssen die Rüsselsheimer nicht mehr Rücksicht auf andere Konzernmarken (wie noch unter GM etwa auf Buick) nehmen, simples Badge-Engineering ist bei PSA im Pkw-Bereich kein Thema.

Nur noch zwei Plattformen

Auf den beiden modularen Plattformen, mit der sich von Limousine über Kombi, Van, SUV bis zu Coupé und Cabrio alle gängigen Karosserievarianten darstellen lassen, bauen bereits diverse Peugeot-, Citroën-, DS- und Opel-Baureihen (Crossland und Grandland X sowie demnächst Combo) auf. So basiert der 2017 eingeführte Crossland X auf der für Kleinwagen und Kompaktklasse (B- und C-Segment) entwickelten CMP-Plattform (Common Modular Platform), die beispielsweise drei verschiedene Radstände, zwei Spurweiten und drei unterschiedliche Fahrzeugheckvarianten ermöglicht. EMP2 (Efficiant Modular Platform), auf der bereits Grandland X und Combo stehen, wurde für Modelle ab der Kompaktklasse aufwärts entwickelt und bietet noch mehr Freiheitsgrade: vier Spurweiten, fünf Radstände, sechs verschiedene Heckmodule (etwa kurz, lang, Fünf- oder Siebensitzer) und darüber hinaus je zwei Cockpit- und Hinterachsarchitekturen (Verbund- und Mehrlenkerkonstruktion).

Für die Elektrifizierung besonders wichtig: Beide Plattformen ermöglichen batterieelektrische Varianten, EMP2 zudem eine Hybridisierung. Da heute keiner genau vorhersagen kann, wann die Nachfrage nach elektrifizierten Fahrzeugen tatsächlich anzieht, bleibt Opel mit dieser Strategie flexibel bei der Produktion, denn Elektro- und Verbrenner-Modelle entstehen auf der gleichen Fertigungslinie. Bis 2020 will Opel neben dem weiter angebotenen Ampera-e drei weitere Baureihen elektrifizieren. Das erste von Opel selbst produzierte Elektroauto ist ab 2020 eine Variante der nächsten Corsa-Generation, die mit konventionellen Motoren 2019 debütiert. Ihre Entwicklung auf der CMP-Architektur hat schon vor der Übernahme von Opel durch PSA in 2017 begonnen.

20 bis 50 Prozent weniger Entwicklungskosten

Laut Opel macht die Plattform – Bodengruppe, Fahrwerk, Lenkung, Antrieb, Elektrik und Elektronik – rund 60 Prozent der Materialkosten aus, dazu kommen als weitere Bestandteile modular genutzte Motoren, Sitze, Rückhaltesysteme, Cockpits und Infotainment-Systeme. Damit ist die Plattform der entscheidende Faktor für eine kosteneffiziente Produktion. Hier offenbart sich für Opel großes Sparpotenzial: „Dank gemeinsam genutzter Konzernplattformen werden wir bei der Entwicklung jedes neuen Opel-Modells zwischen 20 und 50 Prozent der Entwicklungskosten einsparen“, erklärt Opel-Chef Michael Lohscheller.

Elektro-Corsa mit 450 Kilometer Reichweite

Zu den technischen Details des Elektro-Corsa macht Opel noch keine näheren Angaben, doch die anvisierten Eckdaten der e-CMP-Architektur hat PSA schon 2016 vor der Übernahme von Opel veröffentlicht. Modelle auf dieser Basis nutzen einen 85 kW starken E-Motor; die zwischen den Achsen platzierten Lithium-Ionen-Batterien wiegen rund 300 kg und warten mit einer Kapazität von 50 kWh für bis zu 450 Kilometer Reichweite auf.

Grandland X PHEV mit maximal 300 PS

Noch etwas früher geht das erste elektrifizierte Opel-Modell auf EMP2-Basis an den Start. Der ab Mitte nächsten Jahres in Eisenach produzierte Grandland X rollt dort Ende 2019 auch als Plug-in-Hybrid vom selben Band. Mehr als die benötigten sieben Sekunden für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h mit elektrischem Allradantrieb gibt Opel an Angaben noch nicht preis, aber damit dürfte die Systemleistung des künftigen Grandland-Topmodells etwas geringer ausfallen als beim Schwestermodell DS 7 Crossback E-Tense. Das kommt schon im nächsten Frühjahr als Plug-in-Hybrid auf den Markt, mit 300 PS Systemleistung aus zwei E-Antrieben à 80 kW und einem 200 PS starken Benziner, Achtstufenautomatik, elektrisch angetriebener Hinterachse und einer Batterie mit 13 kWh für rund 60 Kilometer rein elektrischer Reichweite.

Neben BEV und PHEV hat Opel jedoch auch kostengünstigere Mildhybrid-Varianten in der Entwicklung. Dabei setzt der PSA-Konzern auf ein neues elektronisches Doppelkupplungsgetriebe mit integriertem 48-Volt-Eelktromotor von Punch Powertrain. Das Hybrid DT2-Getriebe zeichnet sich durch eine vergleichsweise geringe Anzahl von Komponenten aus, was eine kompakte Bauweise und geringes Gewicht ermöglicht. Dieses e-DCT soll sowohl in Pkw als auch in leichten Nutzfahrzeugen zum Einsatz kommen und 2022 marktreif sein.

Zukunftsprojekt Brennstoffzelle bleibt bei Opel

Und was ist mit der Brennstoffzelle? Da Opel 20 Jahre Erfahrung auf diesem Gebiet vorweisen kann, ist die Brennstoffzellen-Entwicklung innerhalb des PSA-Konzerns künftig im Forschungs- und Entwicklungszentrum (ITEZ) von Opel in Rüsselsheim angesiedelt und soll mit Hochdruck vorangetrieben werden. Insgesamt sind 15 sogenannte Kompetenz-Zentren im ITEZ untergebracht, in denen Opel seine klassischen Stärken einbringen kann, darunter etwa die Entwicklung von Sitzen, manuellen Schaltgetrieben oder Testautomatisierung.

Neue Benziner von Opel kommen 2022

Außerdem liegt bei den Opel-Ingenieuren die Verantwortung für die Entwicklung leichter Nutzfahrzeuge, die auf einer neuen, speziellen LCV-Plattform basieren, und einer neuen Generation von Vierzylindermotoren für alle Marken des Konzerns. Diese aufgeladenen Direkteinspritz-Benziner mit variabler Ventilsteuerung sind für das Zusammenspiel mit Elektromotoren optimiert und kommen ebenfalls 2022 auf den Markt.

Da beim Astra zu diesem Zeitpunkt turnusmäßig nach sieben Jahren Bauzeit der nächste Modellwechsel ansteht, könnten diese Motoren zusammen mit dem Mildhybrid in der nächsten, auf EMP2 basierenden Astra-Generation ihre Opel-Premiere feiern.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/opel-neuheiten-elektroauto-corsa-hybride-2-plattformen/

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