Die Opfer von EU 6d mit WLTP und RDE — Welche Modelle bei BMW und VW entfallen

Der neue Verbrauchs-Zyklus WLTP wirft seine Schatten voraus: Weil Verbrauchswerte künftig für alle Modellvarianten mit großem Aufwand zertifiziert werden müssen, lichtet sich der Angebotsdschungel. Ein genauer Blick zeigt, dass vor allem die großen Benziner aus den Konfiguratoren fliegen.

Fans der Marke BMW müssen in diesen Tagen besonders stark sein. Denn hier fliegen die V8-Modelle sang und klanglos aus dem Angebot. Natürlich nicht für immer. Aber zumindest bis Juli, denn bis dahin soll jeder Benziner über einen Otto-Partikelfilter verfügen und die Nachrüstung dauert. Interessanterweise sind auf der Homepage von BMW noch Fahrzeuge wie der aktuelle M3 oder das 6er Cabrio sowie das 6er Gran Coupé zu finden. Aber der Konfigurations-Versuch führt in eine Sackgasse.

Bekanntermaßen laufen M3 sowie 6er inklusive Gran Coupé und Cabrio etwas früher als geplant aus. Sie werden demnächst als 8er wiedergeboren. Der erst im November 2017 als Nachfolger des 5er GT eingeführte 6er GT bleibt im Programm. Ein BMW-Sprecher verrät: „Sowohl der BMW M3 sowie das BMW 640i Coupé nähern sich dem Ende ihres Lebenszyklus, eine Umrüstung auf Ottopartikelfilter ist daher nicht mehr vorgesehen; entsprechend wird der Auslauf dieser Modelle etwas vorgezogen, beide werden ab Juni 2018 nicht mehr für die EU28+-Märkte produziert.“

Zu viel Aufwand – Zwei Millionen Varianten beim Golf

Nicht nur BMW-Kunden treibt aktuell verständlicherweise die Frage um „Welche Baureihe verabschiedet sich eigentlich von welcher Motorisierung?“ Die Antwort fällt nicht leicht. Denn was heute nicht bestellt werden kann, wird morgen vielleicht schon wieder im Programm sein. So zum Beispiel steht es um den X5, X6 und den 7er. Benzin-Anhänger schauen hier gerade ins Leere. Da sich der 7er der Modellpflege nähert, ist es jedoch nur eine Frage der Zeit, bis bei ihm die Ottomotoren wieder ins Sortiment aufgenommen werden. Ein paar Etagen tiefer verlässt der 430i xDrive die Bühne und beim 5er steht wie erwähnt der M550i nicht mehr zur Wahl.

Im Hause Volkswagen schaut es auf den ersten Blick ähnlich aus. Nur, dass hier selbstverständlich nicht die großen V8 aus dem Programm genommen werden können – die gibt es ja schließlich nicht. Vielmehr trennen sich die Wolfsburger von den am geringsten nachgefragten Motor-Getriebe-Varianten. Alles, was unter zwei Prozent Bestellvolumen aufweist, wird mit dem Ende des Modelljahres 2018 im Sommer nicht in die WLTP-Homologation überführt und läuft aus. Ein VW-Sprecher erklärt gegenüber auto motor und sport: „In vielen Fällen bleiben ähnliche Varianten im Angebot. Beispielsweise entfallen Handschalter-Version, während dieselbe Motorisierung mit dem Doppelkupplungsgetriebe DSG weiterläuft. Weil im neuen Prüfverfahren erstmals auch Ausstattungseinflüsse für die Ermittlung der Verbräuche im WLTP-Zyklus einbezogen werden, ist der Aufwand enorm: Allein beim VW Golf gibt es etwa zwei Millionen verschiedene Varianten, für die wir individuelle Verbrauchswerte ermitteln und im Konfigurator ausweisen.“

Der Golf GTI verliert seine schwächere Hälfte

Konkret heißt dies am Beispiel des VW up: Beim Einstiegsbenziner 1.0 MPI 44 kW / 60 PS gibt es heute drei Varianten: Schaltgetriebe mit Start/Stopp, Schaltgetriebe ohne Start/Stopp und ein automatisiertes Schaltgetriebe (ASG). Aufgrund der Kundennachfrage wird hier künftig nur noch die Variante mit Schaltgetriebe und Start/Stopp angeboten. Beim Golf/Golf Variant wird der 1.4 TSI 92 kW / 125 PS von seinem vier Kilowatt stärkeren und zugleich zehn Gramm weniger CO2 ausstoßenden Motoren-Bruder 1.5 TSI mit aktivem Zylindermanagement aus dem Konfigurator verdrängt.

GTI-Fans aufgepasst: Künftig bietet VW den Golf GTI ausschließlich mit 180 kW / 245 PS, sprich in der Performance-Variante an. Der Grund ist denkbar einfach: Er wird von den Kunden favorisiert. Ähnliches gilt für den Tiguan. „Den 2.0 TDI 110 kW / 150 PS mit Allradantrieb 4Motion gibt es momentan mit Schaltgetriebe oder dem Doppelkupplungsgetriebe DSG. Aufgrund der hohen Kundennachfrage wird hier zukünftig ausschließlich die Variante mit DSG angeboten. Die Varianten ohne Allradantrieb in dieser Leistungsklasse bleiben weiterhin mit Schaltgetriebe oder DSG verfügbar“, heißt es seitens Volkswagen. Beim Passat entfällt das optionale Angebot des 1.6 Einstiegs-TDI 88 kW / 120 PS ohne SCR. Nach seiner Modellüberarbeitung hat der Passat auch in dieser Leistungsklasse serienmäßig ein SCR-System.

Das große Versprechen von Volkswagen

Wichtig für alle VW-Kunden ist bei all der Diskussion um dem Wegfall einzelner Modelle vor allem ein VW-Versprechen: „Grundsätzlich gilt: Bestätigte Bestellungen werden auch gefertigt und ausgeliefert.“ Was ab wann genau entfällt hängt an dieser Stelle schlicht von der Zahl der Bestelleingänge ab. Ist die jeweilige Variante ausverkauft, werden keine Bestellungen mehr entgegengenommen und ist zugleich auch nicht mehr im Konfigurator zu finden. Andersherum gilt aber auch, dass freigegebene Motor-Getriebe-Varianten des Modelljahres 2019 im Konfigurator schon einige Wochen vor Fertigungsbeginn auftauchen.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/wltp-rde-abgasnorm-eu-6d-temp-varianten-entfall/

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