E-Auto VW ID. Buggy — Erst Spaß, dann Masse?

In Genf will VW zeigen, dass der Modulare Elektrobaukasten (MEB) auch emotionale Autos kann und als Plattform für andere Hersteller dienen kann – mit einem Concept Car, das an die legendären Buggys auf Käfer-Basis aus den 60er-Jahren erinnert.

Die Reminiszenz an die historischen Strandautos passt nicht nur technisch – schließlich hat der MEB standardmäßig einen Heckmotor wie einst der Käfer. Und: Die Buggys von früher kamen ja nicht aus dem VW-Werk, sondern Kleinstserienhersteller nutzten nur die Käfer-Technik als Unterbau für ihren eigenen „Hut“, also Karosse und Interieur. Der Ur-Buggy hieß ManX und wurde 1963 von einem gewissen Bruce Meyers vorgestellt (Hier können Sie seine Geschichte nachlesen).

Die Karriere des Käfer-Chassis

Andere folgten: So etwa die von Apal aus Belgien oder der GF von Karmann. Aber die Liste der Spaß-Mobile mit VW-Technik ist länger: Vom Käfer-Cabriolet, über Sonder- und Spezialkarosserien von Firmen wie Hebmüller und Rometsch bis hin zu den Buggy gab es jahrzehntelang Sonderlösungen auf Käfer-Basis. Bis in die 80er-Jahre entstanden laut VW weltweit rund 250.000 individuelle Fahrzeuge in Kleinserien und Unikaten. Die elektrische Neuauflage des reinrassigen Buggys verzichtet wie die Vorbilder auf ein festes Dach und konventionelle Türen, freistehende Räder mit Offroad-Reifen und offene Seitenschweller lassen den 2019er-Buggy sogar martialischer aussehen als die Surfer-Mobile der 60er. Die kräftige Optik könnte in den Fahrleistungen ihre Entsprechung finden: Während sich die meisten Käfer-Buggys mit 34 bis 53 PS begnügen mussten, könnte der Heckmotor im ID.-Buggy 170 bis 204 PS haben wie im Kompaktwagen ID. Neo.

Das jüngste ID.-Concept Car könnte ein Hinweis auf eine Karriere des MEB außerhalb des VW Konzerns sein – der konzeptionelle Ansatz des vollelektrischen Buggys orientiert sich diesbezüglich bewusst an den historischen Vorbildern aus Kalifornien: Seinerzeit bildete das Käfer-Chassis die Grundlage, heute will VW beweisen, dass der MEB ähnlich flexibel ist und nicht ausschließlich nur für Großserien-Modelle geeignet ist. Der Modulare E-Antriebsbaukasten habe das Potenzial, genau wie damals die Käfer-Plattform individuelle Kleinserien entstehen zu lassen, ist sich Volkswagen sicher.

Elektroantrieb ist einfacher

Denn mit dem Schwenk auf den Elektroantrieb kommt die Einfachheit zurück, wie sie etwa die Käfertechnik auszeichnete und Kleinserienherstellern erlaubt, eigene Modelle mit vertretbarem Aufwand zu konzipieren und zu konkurrenzfähigen Preisen zu vermarkten. Elektroautos haben etwa 40 Prozent weniger Teile im Vergleich mit modernen Verbrenner-Autos. Die wurden im Laufe der Entwicklung aufgrund immer strengerer Anforderungen bei Crashtests etwa ständig komplizierter und integrierter konstruiert, was es Kleinserienherstellern nahezu unmöglich macht, sie als technische Basis zu verwenden. Für den Großkonzern VW hingegen ist die Produktion eines Spaßautos wie ein Buggy aufgrund der niedrigen Stückzahlen unrentabel.

Von der Weitergabe der MEB-Technik an einen Kleinserienhersteller würde VW dennoch profitieren, weil Exoten die neue Technik emotionalisieren könnten. Aber die Verwendung der Technik des MEB außerhalb des VW-Konzerns könnte auch anderen Herstellern oder gar Konkurrenten eine Kooperationsmöglichkeit aufzeigen: Die Investitionen fallen bei Elektroautos vor allem bei der Entwicklung des Konzepts an, Batterien und Motoren hingegen werden eingekauft. Beides wird umso günstiger, je höher die Stückzahlen, selbst wenn die Weitergabe eines MEB-Fahrgestells nicht so viel erlöst wie die Vermarktung eines kompletten Autos.

Ist der ID.-Buggy Hinweis auf künftige Elektro-Kooperationen?

So gesehen könnte etwa ein Hersteller wie Ford, dessen erstes Elektroauto, das von Anfang an als solches konstruiert wurde, erst für 2022 angekündigt ist, seinen Kunden mit dem MEB erheblich schneller rein elektrische Modelle anbieten, die sich deutlich mehr von VWs unterscheiden würden als bei bisher bekanntem Badge-Engineering. Den Unterschied zwischen Marken und Modellen dürften künftig eher Design, Interieur, Bedienkonzept und Services ausmachen, denn die technischen Eigenschaften des Elektroautos nivellieren Unterschiede beim Fahren selbst. Für VW könnte die Weitergabe der Technik durch die entsprechende Stückzahlsteigerung profitabel sein. Die Mitte Januar skizzierte Kooperation zwischen Ford und VW bei kleinen Pick-ups im Format des Amarok könnte ein guter Anfang sein.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/tech-zukunft/alternative-antriebe/vw-id-buggy-2019-elektroauto/

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