Eine letzte Reise im Smart fortwo

Sag zum Abschied leise Servus

Diese Woche wird die dritte Generation des Smart der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Grund genug für autohub.de ein letztes Mal mit dem Smart der zweiten Generation auf Reisen zu gehen. Doch wir haben uns dafür nicht in den Großstadtdschungel gestürzt, sondern das ureigene Revier des Zweisitzers hinter uns gelassen, um hohe Berge zu erklimmen. Und als ob das nicht schon Herausforderung genug gewesen wäre, haben wir auch noch auf das heisere Bellen des Dreizylinder Turbomotörchen verzichtet und uns lieber einen Elektroantrieb geben lassen. Und Flügel.

Geflügelte Berg-Tour – Die Abschiedstour vom smart der zweiten Generation

Das Montafon, ein 39 km langes Tal in Vorarlberg und wunderbarer Startpunkt, um Furkajoch, Faschinajoch, Zeinisjoch oder die Silvretta Hochalpenstraße zu erklimmen. Das wissen nicht nur wir, sondern auch die Veranstalter der Silvretta Classic. Seit 1998 starten daher in diesem Tal Oldtimer zur oben genannten Rallye. Doch die Organisatoren blicken nicht nur in die automobile Vergangenheit, sondern schmuggeln seit 2010 auch vermehrt Elektroautos in das über 150 Teilnehmer starke Feld von Klassikern und Youngtimern. „Pioniere der Zukunft“ nennt der Veranstalter diese eigene Klasse der alternativen Antriebskonzepte, in der sich in diesem Jahr 23 Teams eingeschrieben haben. Es ist ein Schaulaufen der Industrie, denn Mercedes-Benz, BMW und Volkswagen schicken ihre aktuelle Produktpalette an den Start. Mittendrin auch wir mit unserem etwas anderen Smart.

„forjeremy“

Als 2012 die Studie Smart forjeremy das Licht der Welt auf der Autoshow in Los Angeles erblickte, fragten viele Besucher verschreckt: Ist das Kunst oder kann das weg? Die Antwort lautete zweimal nein. Denn erstens macht der US Amerikaner Jeremy Scott Mode und nicht Kunst und zweitens ging der beflügelte Smart Anfang des Jahres limitiert in Serie und nicht in den Abfall. Doch man muss schon starke Nerven haben, um mit diesem urbanen Hipstermobil ausgerechnet bei einer eher erdigen Veranstaltung in der Alpenregion an den Start zu gehen. Die haben wir natürlich, doch wir geben trotzdem gerne zu: 40.600 Euro investiert man in dieser Gegend eher in einen robusten Allradler, als in unseren smart fortwo edition by Jeremy Scott BRABUS electric drive. So verwundert es kaum, dass wir auf unsere dreitägigen Reise von den zahlreichen Zuschauern am Straßenrand eher belächelt, als beklatscht wurden. Mit Ausnahme von Kindern und jungen Frauen. Die fanden unser weißes Flügelmonster einfach nur „süß“ und zeigten freudig erregt auf uns, wenn wir leise surrend an ihnen vorbeischwebten. Dabei hat es der 270cm Zwerg eigentlich faustdick zwischen der Hinterachse: 60 kW und 135Nm Drehmoment stehen mit dem Dreh am Zündschlüssel in der Mittelkonsole sofort zur Verfügung. So elektrifiziert kommt man durchaus kernig aus den Spitzkehren und bringt manch einen Vorkriegsklassiker bei der Akzeleration ins Schwitzen.

Doch warm wurde auch uns beim Anblick der fein gesteppten Ledersitzen, die so weiß strahlten, dass man allein aus diesem Grund beim Einstieg eine Sonnenbrille aufsetzen musste. Dass Fahrer und Beifahrer dies nur taten, um nicht erkannt zu werden, ist ein unhaltbares Gerücht, denn wir hatten durchaus Spaß mit der Elektromobilität. Hätten wir das ganze Thema mit Wettbewerb, Wertungsprüfung und Reichweite nicht auch noch so fürchterlich ernst genommen, wir wären durchaus in der Lage gewesen, uns wieder in einen normalen Temperaturbereich zu bringen. Doch die Klimaanlage blieb aus, die Fenster geschlossen – alles wegen der Energieersparnis. Geholfen hat es aber letztendlich nichts, denn über einen 10. Gesamtrang sind wir in unserer Klasse nicht hinausgekommen. Doch wozu auch? Schließlich waren wir mit dem Smart fortwo auf Abschiedstour und nicht auf der Siegerstraße. Knapp 360 Kilometer dauerte unser Tripp und trotz seines extrovertierten Erscheinungsbildes erklomm unser elektrifizierter Kleinstwagen klaglos die höchsten Pässe und stürzte sich anschließend wieder eifrig rekuperierend hinab ins Tal. Nur manchmal äußerte der beflügelte Smart seinen Unmut bezüglich unseres Fahrstils mit einem zarten Wimmern von den Vorderreifen. Das war für uns der Beweis: Ein Smart – egal ob mit oder ohne Flügel – gehört nicht in die Alpen. Aber wir wollten es ja nicht anders, denn diese Generation Smart sollte sich zum Abschied noch einmal richtig in unser Gedächtnis brennen.

Das hat sie als beflügelte Elektrovariante auch nachhaltig geschafft. Aus diesem Grund haben wir uns auch mit Herrn Jochen Eck, dem Leiter der Gesamtfahrzeugerprobung Elektrofahrzeuge in der Daimler AG und Herrn Klaus Ege, Vorstand der TMM AG zum Thema Elektromobilität und Smart unterhalten.

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Axel Griesinger
Eigentlich wollte ich Auto Designer werden. Eigentlich würde ich gerne eine private Autosammlung eröffnen. Eigentlich war ich während meiner Schulzeit verdammt schlecht in Deutsch. Eigentlich verstehe ich bis heute nicht, warum ich so gerne über meine Erlebnisse in allem, was vier Räder und einen Motor hat, berichte. Eigentlich könnte ich den ganzen Tag Auto fahren, weil es einfach Spaß macht.

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