Elektro-Limousine E6 von Audi — Elektrischer A6 wird A5 E-Tron Sportback

Am Rande der Jahrespressekonferenz hat Audi kurz sein erstes Auto auf Basis der gemeinsam mit Porsche entwickelten Premium Plattform Elektrik (PPE) gezeigt. Die Optik ist gelungen, der Name fehlt noch.

Die PPE ist quasi die Elektro-Entsprechung zum MLB (modularer Längsbaukasten), auf dem alle Audis ab dem A4 aufwärts basieren, auch die SUV wie der Q5. Auf der PPE steht ab 2021 der Nachfolger des Macan, den Porsche nur noch rein elektrisch anbieten wird. Ob das Audi mit dem bislang technisch verwandten Q5 auch so machen wird, ist noch nicht kommuniziert, erscheint aber mehr als logisch, zumal der Generationswechsel beim Q5 erst 2023 anstünde.

Aber die PPE soll ausdrücklich auch nicht nur hoch bauende SUV mit großer (und hoher) Batterie im Fahrzeugboden darstellen können, sondern auch so genannte Flachboden-Fahrzeuge. „Flache Autos werden das neue Premium“, kündigte Entwicklungsvorstand Rothenpieler an. Und gleichzeitig trotz nicht enden wollenden SUV-Booms ein Bekenntnis, zu Limousinen und Coupés – auch mit Elektroantrieb. Allerdings muss beim Crash eines batteriebetriebenen Elektroautos der Rahmen um den Akku die Zellen im Fahrzeug schützen, daher werden die flachen BEVs an Breite zulegen – für die Optik nicht das Schlechteste.

Offenbar wird der erste PPE-Audi ein solches Flachboden-Auto. Optisch nimmt es Anleihen von der Studie Aicon und dem Taycan-Ableger E-Tron GT und wirkt noch sehr futuristisch. Audi-Designchef Mark Lichte erlaubte einen kurzen Blick auf ein entsprechendes Fahrzeug-Modell, von dem die Ingolstädter 2020 ein Concept Car als ersten öffentlichen Ausblick zeigen wollen, am Rande der Jahrespressekonferenz im März 2019. Der Viertürer ist von der Größe her zwischen dem A6 und dem A5 angesiedelt, also um die 4,8 Meter lang, was im Innern locker für Platzverhältnisse des A6 reichen dürfte und worauf auch die interne Bezeichnung E6 hindeutet. Im Zuschnitt entspricht er eher einem A5 Sportback – ist also ein coupéartiger Viertürer mit großer Heckklappe. Eine solche Karosse macht Sinn, weil sie eine vergleichsweise gute Windschlüpfigkeit einfacher macht und das wiederum ist gut für die Reichweite. Nicht umsonst folgt das Model 3 von Tesla einem ähnlichen Baumuster und auch der BMW i4 wird so was wie ein elektrisches 4er Gran Coupé. Zum Vergleich: E-Tron und Q4 E-Tron kommen auf einen vergleichsweise bescheidenen cW-Wert von 0,28, gute Limousinen oder viertürige Coupés wie etwa der Mercedes CLA schaffen 0,22.

Abgrenzung zum Elektro-Passat

Den MEB (Modularen Elektrobaukasten) gibt es bislang mit maximal 306 PS aus zwei Motoren (Allradantrieb) und bis zu 111 kWh Batterie (bislang nur im Bus) geben wird. Die PPE dürfte also eher für den Bereich ab 400 PS gedacht sein, muss aber auch für Fahrzeuge mit mehr als 600 PS gut sein, wie es jetzt Porsche Taycan und E-Tron GT vormachen. Die Batterien sollten über 100 kWh groß sein. Ein A5 E-Tron Sportback könnte als Einstiegsmodell vielleicht auch mit 360 PS kommen. Aber ein bisschen Abstand zur Elektro-Limousine von VW, einem ca. 4,80 Meter langen Passat-Pendant mit MEB-Technik, auf das VW mit dem Concept Car Vizzion einen Ausblick gegeben hat, muss sein. Daher ist eine Version mit nur einem Motor eher unwahrscheinlich, zumal aktuelle Konstruktionen den zweiten Motor auf der Vorderachse vor allem zum Boosten verwenden und er so im Normalbetrieb wenig Mehrverbrauch verursacht.

Plattformen für die E-Autos des VW-Konzerns

Gemeinsame Plattformen wie etwa die PPE sind für den Großkonzern Volkswagen seit Jahren das Mittel der Wahl, wenn es darum geht, Entwicklungskosten auf möglichst große Stückzahlen umzulegen. Aktuell entstehen mehr als 70 Prozent der Jahresstückzahl des Mehrmarkenkonzerns auf Basis des Modularen Querbaukastens (MQB) für Modelle mit quer eingebautem Verbrennungsmotor (VW Polo bis Atlas, Audi A1 bis Q3, Skoda Fabia bis Superb und Kodiaq, Seat Ibiza, Leon, bis Tarraco). Die Elektro-Entsprechung ist der Modulare Elektrobaukasten (MEB). Der erste Audi darauf ist der Q4 E-Tron.

Die Idee, wie von der PPE auch eine Flachbodenvariante entstehen kann, stammt vom Taycan. Dort schaffen Aussparungen im Akku im Fahrzeugboden (so genannte Fußgaragen) vor den Sitzen Raum für die Füße der Passagiere. Eine andere Möglichkeit zeigte kürzlich der Polestar 2, bei dem die Batterie zwischen den Sitzen vorn hinten sowie unter der Rückbank höher ist.

Porsche Taycan und Audi E-Tron GT haben übrigens die gleiche Technik, allerdings noch nicht die der neuen Gemeinschaftsplattform PPE, sondern sie nutzen beide die Entwicklung für den ersten elektrischen Porsche. Audi hingegen hat sein erstes E-Auto (den SUV E-Tron) auf Basis einer Evolutionsstufe des Modularen Längsbaukastens (MLB) entwickelt. Klingt kompliziert? Ist es auch. Aber das Plattform-Chaos ist ein vorübergehendes, weil die ersten E-Autos schon auf den Markt kommen, ehe die PPE fertig ist. Irgendwann wird der MEB den MQB und die PPE den MLB ersetzt haben. Dann kommen dann bei Audi nur noch MEB und PPE zum Einsatz, bei Porsche nur die PPE, während VW, Seat und Skoda wohl ausschließlich MEB-Fahrzeuge im Angebot haben werden.

Quelle: https://www.auto-motor-und-sport.de/kaufberatung/audi-e6-elektroauto-viertueriges-coupe-e-tron-sportback/

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