Elektro-Offensive im VW-Konzern

Der VW-Konzern will auch bei der Elektrifizierung in der weltweiten Champions-League spielen und mit seiner Technik den Standard für weite Teile der Industrie setzen. Dazu gehören nicht nur Entwicklung und Verkauf von E-Autos der einzelnen Marken, sondern auch ein Paket an Angeboten für Kunden, aber auch andere Automobilhersteller.

Wen wundert’s, dass ein riesiger Konzern wie Volkswagen auch in der neuen, elektrischen Autowelt an die Spitze fahren will. Nach langem Zögern der im Diesel-Debakel gestrauchelten Vorgänger hat die neue Führungsmannschaft das Ruder herumgerissen und sich auf das Thema Elektroantrieb eingelassen. Jetzt überrollt VW mit seinen Pkw-Marken den Genfer Salon (7. bis 17. März) – Batteriemodelle im Überfluss, für jeden Geschmack und Geldbeutel.

Die Liste der Genf-Premieren mit reinem E-Antrieb ist lang. VW erweitert die I.D.-Familie um den I.D. Buggy, eine ebenso spaßige wie puritanische Hommage an das Kunststoffmobil der 70er-Jahre. Der eher nüchterne Bulli wird dagegen so ganz nebenbei eine E-Version erhalten. Auch die Musterschüler Seat und Skoda dürfen ihre Beiträge zum Umweltthema in der Schweiz präsentieren. Sowohl der Seat El-Born als auch der Skoda Vision iV sehen so fertig aus, als könnte die Serienproduktion morgen starten. Offiziell sind beide noch Konzeptfahrzeuge. Das gilt auch für den Audi Q4 E-Tron, der im Gegensatz zu seinem größeren Bruder Q5 E-Tron auf dem Elektro-Baukasten der Mutterfirma basiert. Wenn ersterer Ende nächsten Jahres an den Start geht, soll der 4,60-Meter-Stromer auch für Käufer mit normal gefülltem Geldbeute erschwinglich sein.

Von den sportlichen Marken der VW-Familie hat sich bislang nur Porsche entschieden, die E-Offensive mitzumachen. Die Sportlimousine Taycan (bis 500 kW/680 PS) soll noch dieses Jahr starten, weitere Modelle werden folgen. Zurückhaltung bei den sündhaft teuren Marken: Bentley will abwarten, bis die Batterien mehr Reichweite liefern als heute, Bugatti spricht von einer Elektrifizierung des Chiron „im nächsten Jahrzehnt“ und Lamborghini will zunächst für die Supersportler Aventador und Huracán auf Plug-In-Hybride mit aufladbarer Batterie setzen, erst ab Mitte der 20er-Jahre soll die Elektrifizierung weiter gehen.

Die Verantwortlichen der einzelnen Marken bewältigen also getreu den Vorgaben aus Wolfsburg ihre Hausaufgaben und Vorstandschef Herbert Diess drückt das Gaspedal weiter durch. Er will seinen Konzern dank der MEB-Plattform (Baukasten für Elektrofahrzeuge) zum Massenhersteller auch bei den Autos ohne Verbrennungsmotor machen. Um die Entwicklungskosten dieser aufwändigen Technik zumindest teilweise wieder herauszuholen, will Diess den Baukasten auch „Dritten zur Verfügung stellen“, wenn sie es denn wollen. Übersetzt aus holziger Firmensprache: VW verkauft seine Plattform auch an die Konkurrenz, an kleine Start-Up-Firmen ebenso wie an renommierte Autohersteller.

Beispiel der erwähnte VW Buggy I.D., der von dem kleinen Aachener Hersteller e.Go gebaut werden soll. Dafür liefert Volkswagen eben jenen Baukasten, an dem sich die Tüftler und Ingenieure des Kunden austoben können. Natürlich spekuliert Herbert Diess in seiner Strategie vor allem aber auf potente Kunden, in deren Fabriken große Stückzahlen vom Band laufen. Wie zum Beispiel den neuen VW-Partner Ford. Zusammen sollen leichte Nutzfahrzeuge entwickelt und produziert werden. Ob sich die Amerikaner aber auch für die deutsche Elektroplattform erwärmen lassen, steht noch nicht fest. Spekulationen, dass der „Deal“ am Rande des Genfer Salons bekanntgegeben werden könnte, haben sich zerschlagen. Wohl auch deshalb, weil Ford die Schweizer Bühne in diesem Jahr schwänzt.

Ebenso für alle Interessenten nutzbar ist eine andere VW-Entwicklung, die Herbert Diess in Genf präsentierte und die ebenfalls die Elektro-Kompetenz der Wolfsburger beweisen soll. Die mobile Schnellladesäule erinnert in ihren Dimensionen ein wenig an die früheren Telefonzellen, ist allerdings nicht ganz so hoch. Sie kann überall dort aufgestellt werden, wo der Strom für die Autobatterien gerade gebraucht wird – zum Beispiel bei Open-Air-Veranstaltungen. Die Säule startet mit etwa 360 kWh-Kapazität, kann also bis zu 15 E-Mobile „füttern“. Erreicht der Ladestand eine Grenze von 20 Prozent, wird die ganze Station einfach ausgetauscht. Das alles erinnert an eine Powerbank, mit der Smartphone abseits von Steckdosen in Form gehalten werden können.

Für Thomas Schmall, den Chef des neuen VW-Ablegers „Konzern Komponente“, sind solche mobilen Säulen ein wichtiger Schritt zu einem leistungsfähigen Netz von Ladepunkten. „Sie können auch dazu genutzt werden, dass Gemeinden den geeigneten Platz für eine Ladesäule finden“, erläutert Schmall. Also erst provisorisch aufstellen und testen, ob an diesem Ort Bedarf besteht. Falls nicht, spart das die Kosten für einen Festausbau. Demnächst will VW seine Heimstadt mit solchen Säulen ausstatten.

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SP-X Redaktion Peter Maahn
Dieser Artikel stammt aus dem Redaktions-Netzwerk von SPS Spot Press Services GmbH. Änderungen, Adaptionen und Korrekturen durch die Redaktion von AUTOHUB möglich.