Elektroantrieb für Busse auf der IAA — Durch die City stromern

Zwei Zulieferer zeigen auf der IAA Nutzfahrzeuge 2018 in Hannover, wie man speziell innerstädtische Buslinien emissionsfrei betreiben kann: Mit Elektroantrieb, auch zum Nachrüsten.

Man kennt sie aus praktisch jeder größeren Stadt rund um den Globus: Die Sightseeing-Busse, mit denen Touristen von Aussichtspunkt zu Aussichtspunkt gefahren werden. Ein Nischenmarkt, möchte man meinen, doch tasächlich ist das Thema nicht ganz trivial, wie das Unternehmen Ziehl-Abegg aus dem schwäbischen Künzelsau am Beispiel Berlin erläutert. Dort fahren großteils umgebaute Doppeldeckerbusse im Touristeneinsatz, die in ihrem ersten Leben im klassischen Linienverkehr der Berliner Verkehrsbetriebe gedient haben. Entsprechend betagt und schadstoffstark ist die Antriebstechnik dieser Modelle. Ziehl-Abegg hat mit der neuen „ZAwheel“ getauften Antriebstechnik eine Lösung parat, die Umrüstung konventioneller Busse auf Elektroantrieb.

Bei ZAwheel handelt es sich um einen Radnabenmotor mit integrierter Leistungselektronik. Der Permanentmagnet-Synchronmotor (PMSM) mit integriertem Inverter ist speziell für Nutzfahrzeuge entwickelt worden und wird nun laut Ziel-Abegg für mehrere hundert alte Dieselbusse zum Einsatz kommen. Der größe Teil der Traktionsbatterien wird dabei anstelle des Motors im Heck der Busse untergebracht. Bereits 2019 sollen die ersten umgerüsteten Modelle ausgeliefert werden. Gleichzeitig werden auch Neufahrzeuge direkt ab Werk mit der Elektrotechnik aus Schwaben ausgerüstet, so kooperiert man mit dem spanischen Spezialanbieter UNVI, der Sightseeingbusse herstellt und elektrisch angetriebene Varianten bereits in Paris, Amsterdam und London vermarktet hat.

Elektroantrieb für Nutzfahrzeuge

Ziel-Abegg will das ZAwheel-System aber nicht auf diese Nische begrenzt sehen und hat ein komplettes Achssystem mit Einzelradaufhängung entwickelt, das für alle Nutzfahrzeuganwendungen geeinet ist. Durch die Einzelradaufhängung und die Radnabenmotoren lässt sich eine niedrige, platzsparende Unterflurbauweise realisieren, die im Vergleich zu den heute üblichen Starrachsen mehr Platz im Fahrzeug schafft. Während das Achsantriebsmodul bereits auf dem Markt ist, sieht Ziehl-Abegg die Einzelradaufhängung als Zukunftskonzept an. „Wir sind im Gespräch mit mehreren Herstellern von Nutzfahrzeugen, die sehr stark an der Einzelradaufhängung interessiert sind“, erklärt Ralf Arnold, Geschäftsführer von Ziehl-Abegg Automotive.

Ausprobieren können Besucher der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover die neue Technik auch: Ziehl-Abegg hat einen fahrfähigen Prototypen auf dem Freigelände dabei. Bei der Umrüstung der Berliner Busse arbeiten der Zulieferer IAV, Ziehl-Abegg und der Fahrzeugbauer Tassima zusammen. Südlich von Berlin-Schönefeld ist eine Produktionshalle geplant, in der 2019 rund 25, später dann bis zu 100 Busse jährlich auf Elektroantrieb umgebaut werden sollen. Die Reichweite der Elektro-Busse wird mit rund 120 Kilometer angegeben.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/elektroantrieb-fuer-busse-iaa-hannover-2018/

Previous ArticleNext Article