Elektroauto im Winter — Sicher und warm ohne Reichweitenangst

Die Heizung von E-Mobilen verbraucht viel Strom und damit Reichweite. Doch mit einigen Tipps kann man das Problem minimieren.

Trotz allem Fortschritt und immer leistungsfähigeren Antriebsbatterien bleibt das Thema Reichweite bei der Betrachtung von Elektroautos an erster Stelle. Entsprechend verstärkt sich der Fokus auf dieses Thema, wenn tiefster Winter herrscht. Bei dauerhaften Minusgraden ist nicht nur die Ladetechnik gefordert (die Akkus verlieren bei Kälte an Kapazität), sondern auch der Fahrer: Jedes Grad mehr an Innentemperatur schlägt sich direkt auf die Reichweite nieder. Je nach Elektroauto-Modell kann deshalb im Winter die Reichweite um bis zu 50 Prozent sinken.

Wenn dann wie im Winter 2018/19 im Alpenraum auch noch heftige Schneefälle mit stundenlangen Staus auf der Autobahn einhergehen, wird deutlich, dass das Thema Heizung in Elektroautos nicht ganz trivial ist. Während ein Verbrenner-Motor seine Abwärme an das Heizungssystem abgibt, ist die elektrische Heizung in E-Autos in solchen Situationen schnell am Limit. Auch wenn immer mehr Hersteller effiziente Wärmepumpen-Heizungen in ihren Elektroautos verwenden, bleibt der Wintereinsatz eine Herausforderung für E-Mobilisten.

Mit einigen Tipps kann man die Problematik allerdings entschärfen:

  • Wahl des Parkplatzes
  • Elektrisches Vorheizen während des Ladevorgangs
  • Gezielter Einsatz örtlich begrenzter Heizsysteme
  • Nachrüstung einer Zusatzheizung

Schon der erste Tipp klingt trivial, ist es aber nicht. Das Unterstellen des E-Autos in einer geschützten Garage kann die Akkus entlasten und die Innentemperatur im Vergleich zum Freiluft-Parken um einige Grad erhöhen, weil geschlossene Räume über Nacht nicht so schnell auskühlen. Gleichzeitig sind die Scheiben eisfrei und müssen nicht von der Fahrzeugheizung freigeblasen werden.

Ein besonders wichtiger Aspekt bei Elektroautos im Winter ist das Vorheizen, solange der Wagen „am Kabel“ hängt. Viele Modelle (aber leider nicht alle) Elektroautos verfügen hierfür über eine entsprechende Programmiermöglichkeit. So kann das Auto vor dem Start mit Netzstrom eine gewisse Zeit vorheizen, ohne damit die Traktionsbatterie zu belasten. Das ist nicht nur unmittelbar beim Einsteigen ein Gewinn. Auch die im Innenraum, zum Beisiel in den Sitzen, „gespeicherte“ Wärme zahlt sich später während der Fahrt durch weniger benötigte Heizenergie aus.

Verfügt das E-Auto über keine solche Vorheiz-Funktion, kann der gute alte Heizlüfter Abhilfe schaffen. Solche Geräte mit üblicherweise bis zu 2.000 Watt Leistung gibt es in speziellen Ausführungen für Kfz, die robuster ausfallen. Mit Netzstrom kann man entsprechend 15-20 Minuten vor dem Start den Innenraum vorheizen. Wichtig dabei ist natürlich eine umsichtige Nutzung – der Heizlüfter darf nicht unbeaufsichtigt umfallen können, nicht abgedeckt werden und muss ausreichend Abstand zu Verkleidungen haben. Gut ist hierfür zum Beispiel der Beifahrer-Fußraum geeignet.

Generell gilt es auch, die Fahrzeugheizung ganz gezielt einzusetzen. Wer alleine unterwegs ist, muss nicht unbedingt den ganzen Wagen auf Wohlfühltemperatur bringen. Effektiver kann es sein, zum Beispiel lediglich (so vorhanden) die Sitz- und Lenkradheizung zu verwenden, was weniger Energie verbraucht und bei nicht ganz so niedrigen Außentemperaturen schon für ein akzeptables Wärmegefühl sorgt. Hierdurch kann auch im tiefsten Winter die reguläre Fahrzeugheizung um etliche Grade „gedrosselt“ und entsprechend Strom gespart werden.

Die exklusivste Lösung des Problems kann man schließlich mit einer nachgerüsteten Standheizung finden. Dabei wird eine klassische, ursprünglich für Verbrenner-Autos entwickelte Luft- oder Wasserheizung mit einem eigenen kleinen Tank installiert und liefert fortan viel Wärme für wenig Strom – nur der Lüftermotor muss über das 12-Volt-System des Fahrzeugs versorgt werden. Bei Fahrzeugen mit entsprechendem Wasserkreislauf wie zum Beispiel den „Drillingen“ Mitsubishi i-MiEV, Citroën C-ZERO und Peugeot iOn kann eine Standheizung dort eingebunden werden. Dies ist allerdings aufwendiger und damit teurer als bei Alternative zwei, der Luftstandheizung.

Bei der Luftstandheizung wird nur ein sicherer Montageort mit Herausführung des Abgasrohrs und ein Luftausströmer zum Innenraum benötigt, entsprechend geringer fällt der Montageaufwand aus. Auch die Heizung selbst ist günstiger als die komplexer aufgebauten Wasserstandheizungen. Neben den bekannten deutschen Herstellern Webasto und Eberspächer drängen in diesem Bereich auch zunehmend Modelle aus Osteuropa und Asien auf den Markt, die oft schon für wenige hundert Euro angeboten werden. Hier ist allerdings Vorsicht speziell vor supergünstigen Luftheizungen aus China angesagt, die nicht immer alle geforderten Sicherheitsnormen erfüllen.

Standheizungen für Flüssigbrennstoffe werden üblicherweise mit Benzin oder Diesel betrieben, beim Einsatz in E-Autos gibt es jedoch Alternativen. Das wären einerseits spezielle Ethanol-Standheizungen wie die Hydronic 2 E4S von Eberspächer, die mit Bio-Methanol betrieben werden kann. Und beim Einbau einer Dieselstandheizung kann man diese wahlweise auch mit Heizöl „füttern“ – im Gegensatz zum Heizöl im Dieselautotank ist das steuerlich erlaubt und spart entsprechend bei jedem Tanken ein paar Euro. Während der benötigte Kraftstofftank für eine solche Standheizung noch relativ problemfrei eine passende Stelle findet, stellt sich hier nur noch ein letztes Problem: Wohin mit dem Tankstutzen? Als Lösung empfehlen Umbaubetriebe eine Montage der Einfüllöffnung mit Tankdeckel im hinteren Stoßfänger. Mit einem dezenten, bündig montierbaren Einfüllstutzen aus dem Marinebereich lässt sich dieses Problem auch einigermaßen ästhetisch lösen.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/tech-zukunft/alternative-antriebe/elektroauto-heizung-im-winter-tipps/

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