Elektromobilität — So viel kostet das Laden eines E-Autos

Wer im Ladesäulen-Tarif-Dschungel den Überblick behält, kommt kaum noch zum Autofahren. Wir zeigen, was das Laden eines Elektroautos kostet und wie man bezahlt.

Was würde eigentlich passiert, wenn es von jetzt auf gleich einen gewaltigen Ansturm auf E-Autos geben würde? Einfach Antwort: Dann stünden auf einen Schlag noch mehr E-Autobesitzer vor dem Dilemma: Wo soll ich meinen lokal emissionsfreien Umweltschützer aus Stahl aufladen? Und was kostet mich das eigentlich?

Privates Aufladen und beim Arbeitgeber

Aus dem Schneider ist der E-Auto-Besitzer, der über eine private Auflademöglichkeit in Form einer Garage mit Stromversorgung oder sogar einer Wallbox verfügt. Der durchschnittliche Preis pro kWh Haushaltsstrom beträgt 29,4 Cent. Bei einer Batteriekapazität von 41 kWh (Renault Zoe) wären 12,05 Euro fällig. 100 Kilometer Reichweite kosten hier 4,12 Euro. Ebenfalls fein raus sind Pendler, die an ihrer Arbeitsstelle laden können.

Öffentliche Ladesäulen

Der Rest ist auf öffentliche Ladesäulen angewiesen, die Ladeleistungen von 11 kW, 22 kW, 44 kW (Schnellladesäule) oder 135 kW (Tesla Supercharger) bieten. Seit März 2018 existieren sogar 350 kW-Ladesäulen für Nutzfahrzeuge. Jedoch hängt die tatsächlich nutzbare Ladeleistung vom Empfänger ab. Aktuell sind in Deutschland 7.343 Säulen, sprich fast 15.000 Ladepunkte (die meisten Ladesäulen verfügen über zwei Steckverbindungen), für jedermann frei zugänglich. Unter anderem kann per Smartphone-Applikation mobil sowohl der genaue Standort, die Ladestärke als auch die aktuelle Ladesituation vor Ort gecheckt werden. Was leider keine App anzeigt, ist die Parkplatzsituation vor der Ladesäule. Und da nicht vor jeder Ladesäule Parkverbote für konservativ angetriebene Fahrzeuge existieren, kann die Säule zwar ungenutzt, der Parkplatz jedoch besetzt sein.

Bezahlmodelle an öffentlichen Ladesäulen

Ist ein freier Platz gefunden, dürfte es doch eigentlich losgehen mit dem Ladevorgang, vorausgesetzt, die Ladung kann auch bezahlt werden. Und genau an dieser Stelle betritt der E-Autobesitzer den aktuell noch unglaublich unübersichtlichen Tarif-Dschungel. Das liegt zum einen an der oftmals intransparenten Tarifstruktur. Zum anderen an den unterschiedlichen Bezahlmodellen. Da wären Pre- oder Postpaid-Modelle, Modelle mit Grundgebühr und reduziertem kWh-Preis, Zeit-Tarife, Lademenge-Tarife, Flatrate-Tarife oder Startgebühr-Tarife.

Allein in Deutschland existieren aktuell mehr als 300 Anbieter von Ladekarten. Zur Beruhigung: Die meisten Ladesäulen bieten gleich mehrere Bezahlmodelle an, so dass auch Notfalllader, die normalerweise daheim Aufladen und nun ungeplant ihr E-Auto laden müssen, zurechtkommen. Teilweise reicht sogar die Angabe der Kreditkarte. Dass diese Art der Notladung finanziell schmerzt, muss jedoch klar sein. Rund fünf Euro pro Stunde an einer 11 kWh-Säule können im Notfall schnell aufgerufen werden.

Wer welches Bezahlmodell wählt, ist daher neben dem Fahrverhalten (zurückgelegte Strecke am Tag) vor allem von der Region abhängig, in der sich der E-Autofahrer aufhält. In Regionen wie Köln und im dortigen Umland ist das Laden an 22 kW-RheinEnergie-Ladesäulen aktuell gänzlich kostenfrei. Aktuell! „Im Laufe des Jahres wird sich das ändern“, verrät ein RheinEnergie-Sprecher. Ein Anruf beim örtlichen Stromanbieter lohnt sich daher für jeden und kann bisweilen für positive Überraschungen sorgen.

Steht für den Vielfahrer keine Gratis-Säule parat kommt eine Karte mit oder ohne monatliche Grundgebühr und reduziertem kWh-Preis oder sogar eine Flatrate in Frage. Die Unterschiede zwischen den kWh-Preisen können gut und gern zwischen 55 und 0 Cent variieren. Bei der EnBW kostet die Kilowattstunde direkt beim Betreiber ohne Vertrag normalerweise 54,5 Cent (noch bis 28.2.2019 läuft die Aktion: maximal 1 Euro für reguläres Laden an einer AC-Ladesäule, maximal 2 Euro für das Schnellladen mit DC). Die Stadtwerke München lassen sich die Kilowattstunde für 46,7 Cent aus der Ladesäule holen und Innogy ruft 39 Cent auf. Die Stadtwerke Hamburg und Dresden unterbieten die 30 Cent-Hürde mit 29,5 und 27,3 Cent. Bei Mainova stehen nur 13,3 Cent auf der kWh-Rechnung.

Vielfahrer brauchen viele Betreiber-Karten oder eine Roaming-Karte

Ist der Elektroautofahrer vorzugsweise überregional unterwegs, bietet sich eine E-Roaming-Ladekarte an, die überall funktioniert und immer häufiger auch über einen RFID-Chip für berührungsloses Zahlen verfügt. Einer der ältesten und daher auch bekannteste Anbieter von Roaming-Karten ist NewMotion. Das Unternehmen wurde 2009 gegründet und bietet Bezahlmöglichkeiten an über 70.000 Ladestationen in 25 Ländern an. Mittlerweile sind über 116.5000 Ladekarten bei ihnen registriert. Eine Grundgebühr fällt hier nicht an.

„Die Kosten für einen Ladevorgang an einer öffentlichen Ladestation hängen vom jeweiligen Betreiber ab. Sie können je nach Ladestation variieren. Der Preis errechnet sich gewöhnlich aus einer Grundgebühr (pro Ladevorgang), einem Volumentarif (pro kWh) und der Ladedauer (pro Stunde)“, heißt es vom Unternehmen. In Stuttgart zum Beispiel kostet die Lade-Minute sieben Cent, unabhängig davon, ob die Ladesäule 3,7 kW, 11 kW oder 22 kW pro Stunde in den Stromer pumpt. Da ist es natürlich nur logisch und sehr ratsam, die maximale Aufnahmeleistung beim Fahrzeugkauf dringend zu berücksichtigen.

Doch selbst innerhalb von NewMotion gibt es Bezahlmodi-Unterschiede.Dazu eine kleine Zwischenrechnung: Bleiben wir beim Renault Zoe mit seiner 41 kWh großen Batterie – und sehen der Einfachheit halber ausnahmsweise davon ab, dass die meisten Ladestationen die Batterie bis 80 Prozent mit höchster Leistung laden und danach langsamer weiterladen, um die Batterie zu schonen. Um einen völlig leeren Zoe in Stuttgart einmal vollzuladen, können die Kosten an ein und derselben Ladesäule zwischen 24,42 Euro (3,7 kW, 11,08 Stunden), 15,65 Euro (11 kW,3,73 Stunden) und 7,83 Euro (22 kW, 1,86 Stunden) variieren. In Essen kostet das Aufladen 22,96 Euro (41 kWh zu je 56 Cent), in München (1,19 Euro Grundgebühr pro Ladevorgang plus 48 Cent pro kWh plus 2 Cent pro Minute) zwischen 23,10 Euro (22 kW) und 34,17 Euro (3,7 kW). Abhängig vom örtlichen Tarifmodell ergeben sich so schon auf den ersten Blick gewaltige Unterschiede.

Shoppen und gleichzeitig gratis Laden

Eine gute Nachricht für alle, die daheim für die Einkäufe zuständig sind: Gratis Strom können nicht nur regionale Stromanbieter parat halten, sondern auch Supermärkte und Möbelhäuser. 100 Schnellladestationen kündigte Kaufland bis zum Jahr 2019 an, bis Ende 2020 weitere 50. Aldi Süd stockt auf 80 Ladesäulen (28 davon Schnelllader mit 50 kW) und IKEA will bis 2019 alle 53 Standorte in Deutschland mit Ladesäulen ausstatten.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/tech-zukunft/alternative-antriebe/elektromobilitaet-so-viel-kostet-das-laden-eines-e-autos/

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