Endgültiges Aus für Mitsubishi Pajero — Zwei Sondermodelle zum Produktionsende

Mitsubishi stellt den Geländewagen Pajero ein. Zum Produktionsende gibt es für Deutschland noch einmal zwei finale Sondermodelle. Wir blicken in einer Modellhistorie zurück auf einen der letzten echten Geländewagen.

Nun also auch der Mitsubishi Pajero. In der Szene war das Ende der Offroad-Ikone aus Japan bereits länger ein Thema, jetzt ist es tatsächlich auch in Deutschland soweit. Die Produktion des Pajero wird eingestellt und eine auf insgesamt 1.000 Einheiten limitierte Abschiedsversion namens „Final Edition“ spielt ihm das Lied vom Tod. Ein weiterer „echter“ Geländewagen und Klassiker verlässt die Bühne.

Im knallharten Auto-Business war noch nie Platz für Melancholie. Das beste Beispiel dafür ist der Land Rover Defender, den die Verantwortlichen ohne echten Nachfolger aus dem Programm kegelten, Kult hin, Gründungsmythos her. So wird es nun auch dem Pajero ergehen, dessen Ahnengalerie bis ins Jahr 1934 auf das damalige Geländewagen-Konzept PX33 zurückgeht.

Der Mitsubishi Pajero kam 1982 zur Welt

Der Pajero als solcher betrat 1982 die Weltbühne und wurde aus dem Stand ein durchschlagender Erfolg. Sein für damalige Verhältnisse komfortables Fahrwerk mit vorderer Einzelradaufhängung, das moderne Design und die beinahe luxuriöse Ausstattung sorgten für Furore in der Offroadszene. Bereits damals begann die Motorsport-Karriere des Pajero, die schließlich in mehreren Gesamtsiegen auf der Rallye Paris-Dakar gipfelte. Unter anderem auch mit Jutta Kleinschmidt. Sie schaffte 2001 am Steuer eines Rallye-Pajero als erste und bis heute einzige Frau, das legendäre Wüstenrennen für sich zu entscheiden.

Von Beginn an bis heute produzierte Mitsubishi den Pajero mit kurzem und langem Radstand als Drei- und Fünftürer. Eine bei Leiterrahmen-Geländewagen der damaligen Zeit weit verbreitete Variante, die erst mit den Baukasten-SUV der Neuzeit immer mehr in Vergessenheit geriet. Neben den geschlossenen Varianten gab es den kurzen Pajero auch in einer Cabrio-Version mit Stoffdach.

Dies wurde auch bei der zweiten Generation, dem Pajero V20, beibehalten, der 1990 debütierte. Mit seiner aerodynamischeren und moderneren Optik, die in den Grundzügen bis heute Bestand hat, war er abermals ein Trendsetter, die Verkaufszahlen stiegen nochmals deutlich an. Die grundsätzliche Geländetechnik blieb bis auf den Wechsel von Blatt- auf Schraubenfedern an der Hinterachse unberührt, auch eine Differentialsperre für die Hinterachse gehört bis heute zur Optionsausstattung.

Als Rallye-Auto eine ganz große Nummer

Der Pajero V20 war auch gleichzeitig das Modell, mit dem endgültig der Durchbruch in der Offroad-Rallyeszene geschafft wurde. Das grundsätzliche Fahrwerkslayout und die zahlreichen verfügbaren Tuningteile von Drittanbietern sorgten dafür, dass sich diese Pajero-Generation jahrzehntelang in der Amateur-Rallye-Szene als bezahlbares und dennoch sehr effektives Basisfahrzeug durchsetzte. Kurz nach der neuen Pajero-Generation debütierte übrigens ein anderes Modell, der Hyundai Galloper. Das Rustikal-Modell war eine Lizenzfertigung auf Basis des Ur-Pajero, für Deutschland sicherte sich Ende der 1990er Jahre der hiesige Importeur die Vermarktungsrechte. Das führte zu der etwas kuriosen Situation, dass man beim Mitsubishi-Händler gleich zwei Pajero-Generationen von unterschiedlichen Herstellern erstehen konnte.

Mit dem Pajero V60 läutete Mitsubishi im Jahr 2000 die Neuzeit ein. Wichtigstes Merkmal der dritten Generation war die Umstellung auf eine selbsttragende Monocoque-Bauweise mit Einzelradaufhängung rundum und der nun serienmäßige Super-Select-Allradantrieb. Dieses Antriebssystem, mit dem sowohl reiner Heckantrieb als auch permanenter Allrad sowie Straßen- und Geländeübersetzung mit und ohne Zentraldifferentialsperre eingesetzt werden können, hatte im Vorgänger als Aufpreisextra Premiere gefeiert. Bis heute ist der sehr effektive Super-Select-Allrad ein Unikat in der Offroad-Branche, im Pickup L200 wird er auch nach der Produktionseinstellung des Pajero weiterleben.

Gleichzeitig mit dem Pajero V60 führte Mitsubishi auch die Baureihe Pajero Classic ein. Dabei handelte es sich zunächst um den weiterhin gebauten Vorgänger, welcher wiederum die Nachfolge des letztlich eingestellten Hyundai Galloper antrat und mit einem Basispreis von rund 25.000 Euro vor allem die Nutztanwender ansprechen sollte. An die früheren Verkaufserfolge konnte jedoch bereits der V60 nicht mehr anknüpfen. Die SUV-Welle nahm Fahrt auf, die Europäer hatten das Segment entdeckt und lieferten mit den ersten Groß-Geräten wie Mercedes ML und BMW X5 Alternativen für Käufer mit Status-Bedarf.

Zum Schluss kaum noch Modellpflege

Der 2007 eingeführte und bis heute aktuelle Pajero V80 war schließlich eine technisch nur im Detail abgeänderte Version des Vorgängers, die vor allem optisch Unterschiede aufwies. Modellpflegemaßnahmen am Pajero V80 waren immer seltener zu erleben, außen und innen fährt der Pajero praktisch seit zehn Jahren nahezu unverändert vor. Die wahrhaftige Änderung steht allerdings nun bevor. Mit der Produktionseinstellung endet eine mehr als 35-Jahr-Geschichte, aus dem Vorreiter und Trendsetter ist ein betagter älterer Herr geworden. Abgas- und Verbrauchsvorschriften sind es im Wesentlichen, die für Mitsubishi eine Weiterentwicklung unrentabel machen. Denn natürlich ist auch dort die neue SUV-Ära mit Modellen wie dem Outlander viel erfolgreicher. Märkte, die wirkliche Geländetauglichkeit in einem geschlossenen Offroader benötigen, beliefern die Japaner auch weiterhin mit dem Pajero Sport/Challenger, der auf dem Pickup L200 basiert.

Die Final-Edition-Sondermodelle können ab sofort bestellt werden. Der kurze Pajero Final Edition wird für 40.990 Euro angeboten, die lange Variante ist ab 52.990 Euro zu haben. Noch ist aber auch Zeit, sich einen der letzten regulären Pajeros zu sichern. Hier starten die Preise bei 35.990 Euro.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/mitsubishi-pajero-final-edition-modellhistorie/

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