Entweder ODER – Renault — Alpine A110 oder Mégane R.S.

Sportwagen oder sportlicher Kompakter? Beide haben den gleichen Motor – einer im Bug, der andere in der Mitte. Dazu stehen sich Front- und Hinterradantrieb gegenüber. Hier gibt’s die Kaufberatung.

Renault hat unter der Submarke Alpine eine Legende wiederbelebt und die A110 der Moderne geschaffen. Ein Auto, das in Fachkreisen bereits jede Menge Lorbeer für seine Agilität, den konsequenten Leichtbau und den schieren Fahrspaß gesammelt hat. Dem gegenüber steht ebenfalls eine Instanz in puncto Sportlichkeit und Dynamik: der Mégane R.S. Ein auf Krawall gebürsteter Kompakter mit vielen Qualitäten. Welches Konzept kann am Ende überzeugen? Finden wir es heraus (ganz ausführlich dann im Video weiter unten).

Das Format

Erklären wir zunächst noch schnell, was Sie hier erwartet. In unserem Format „Entweder ODER“ vergleichen die beiden Redakteure Patrick Lang und Thomas Grau immer zwei Fahrzeuge des selben Herstellers. Wir erheben hier keine Messdaten oder testen nach dem klassischen auto motor und sport-Schema. Hier geht es um eine Kaufberatung und darum herauszufinden, welches der beiden Modelle für Sie das richtige ist. Dabei werfen wir einen Blick in den Konfigurator, checken den Innenraum, das Exterieur und den Kofferraum. Zusätzlich gibt es natürlich Eindrücke vom Fahren in puncto Übersichtlichkeit, Komfort, Sportlichkeit, Assistenzsysteme und so weiter. Je nachdem, welche Kriterien sich jeweils bei den entsprechenden Fahrzeugen anwenden lassen.

Wenig Spielraum im Konfigurator

Die beiden Kontrahenten dieser Folge haben zwar den 1,8-Liter-Vierzylinder gemeinsam, doch könnten ansonsten unterschiedlicher kaum sein. Das fängt schon beim Konfigurator an. Während es für den Mégane R.S. jede Menge Optionen gibt, sind es bei der Alpine genau zwei Versionen. Diese unterscheiden sich maßgeblich darin, wie dick die Sitze gepolstert sind und ob man sie in mehr als eine Richtung verstellen kann. Pure und Légende heißen die beiden Ausführungen, bei denen wir uns für erstere entscheiden, weil sie den Grundgedanken des Leichtbaus und der Agilität im Kern besser trifft. Obwohl – eigentlich entscheiden wir uns für keine von beiden, denn unser Testwagen ist eine der limitierten „Première Edition“ (die grundsätzlich aber besser ausgestattete Pure-Modelle sind). Wer trotzdem ein bisschen individualisieren möchte, kann aus sechs Farben und vier Felgen-Designs wählen. Mittlerweile lässt sich im Konfigurator übrigens mehr herumspielen als zum Zeitpunkt unseres Vergleichs. Der Preis hat sich dagegen nicht verändert: Etwa 58.000 Euro müssen Sie für die Alpine A110 Pure mindestens berappen.

Den Mégane R.S. gibt es ab rund 34.000 Euro, und da steckt serienmäßig schon ordentlich was drin. Allradlenkung, Sportabgasanlage, Sportfahrwerk, Einparkhilfe hinten und Smartphone-Integration sind beispielsweise direkt mit an Bord. Die erste Wahl, die getroffen werden muss, betrifft das Getriebe – Handschaltung oder Siebengang-Doppelkuppler? Zur besseren Vergleichbarkeit wählen wir das EDC, das auch in der Alpine arbeitet. 280 PS und 390 Newtonmeter leistet die Maschine im Mégane R.S. Das sind 28 Pferdchen und 70 Nm mehr als in der Alpine, aber hier müssen ja auch ein paar Kilos mehr bewegt werden. Fast 500 Kilo, um genau zu sein – denn der Kompakte bringt derer 1.512 auf die Waage, der Sportwagen nur 1.088. Kein Wunder, denn 96 Prozent der Alpine-Karosserie sind aus Aluminium gefertigt, und selbst die Sitze wiegen jeweils nur 13 Kilo.

Überschaubares Platzangebot

Okay, der Mégane bietet auch ein bisschen mehr Platz. Zum Beispiel für Menschen, denn statt zwei passen dort auch fünf rein. Und für Gepäck gibt es bis zu 1.247 Liter Volumen bei umgelegten Sitzen (sonst 387). Die Alpine bringt es da auf überschaubare 196 Liter, verteilt auf zwei kleine Fächer am Heck und unter der Fronthaube. Aber sie will ja beileibe auch kein Lastesel sein, sondern versteht sich besser auf Lastwechsel. Hinterradantrieb und ausgewogene Gewichtsverteilung sorgen für Kurvenspaß par excellence. Schon nach wenigen Metern hinter dem Steuer verursacht das spürbare Leichtgewicht gute Laune bei allen Insassen. Dazu kommt eine Soundkulisse, die von keinem Vierzylinder schöner komponiert werden könnte. In 4,9 Sekunden sprintet der kleine Feger auf Tempo 100, bei 250 km/h ist Schluss. All das schafft die Alpine, ohne einen Rest an Komfort für den Alltag zu verlieren.

Obwohl der Mégane R.S. im Vergleich zu seinen zivilen Modellbrüdern ordentlich Krawall macht, liefert er in diesem Duell das deutlich gedämpftere Fahrerlebnis. Na klar, man hat auch mehr Auto um sich und eine größere Vielfalt an Fahrmodi, deren Spreizung tatsächlich spürbar ist. Nur für’s Protokoll: Das sind sie in der Alpine auch, aber die beginnt erst dort, wo andere mit ihrem Sport-Modus schon aufhören. Der Mégane jedenfalls kann recht komfortabel unterwegs sein, ohne dass es ihm gelingen würde, sein sportliches Naturell komplett zu verschleiern. Nun ja, welcher R.S.-Kunde sollte das aber auch wollen? Drama gibt es im Sportmodus über die Abgasanlage – Zischen und Sprotzeln inklusive. Bis auf 100 km/h braucht der Mégane dennoch fast eine Sekunde mehr als die A110.

Quelle: https://www.auto-motor-und-sport.de/fahrbericht/entweder-oder-alpine-a110-renault-megane-rs/

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