Erster Check Mercedes GLS 2019 — Mercedes Maximus

Die Sache mit den Fullsize-SUV werden wir Europäer wahrscheinlich nie verstehen. Macht aber auch nix, bei Mercedes sind sie völlig zufrieden damit, wenn sich der neue GLS in China und Amerika gut verkauft. Erster Check des maximalen Mercedes-Allradlers.

Größe ist ja immer relativ. Es ist noch keine vier Wochen her, da haben wir uns ein bisschen über den wirklich groß geratenen BMW X7 gewundert, der so gar nicht ins europäische SUV-Raster passen will. Und könnten das nach der Weltpremiere des neuen Mercedes GLS eigentlich genau so wieder tun. Der ist nämlich nochmal sechs Zentimeter länger als der X7. Hilft ja aber alles nix. Also Schluss mit der Grübelei. Wir akzeptieren jetzt einfach mal, dass es einen Markt für sehr große, sehr luxuriöse SUV gibt und richten uns im Cockpit des neuen GLS ein. Das geht flott und bringt im ersten Schritt vor allem Ruhe. Wenn die schwere Fahrertür ins Schloss ploppt, bleibt der fiese Messe-Musik-Mix draußen. Herrlich. Wobei man fairerweise sagen muss, dass sie das bei Mercedes schon immer ganz gut können.

Die Cockpit-Blaupause aus der A-Klasse

GLS-Umsteiger vom Vorgänger X166 müssen sich an das neue Cockpit wahrscheinlich kurz gewöhnen, Aufsteiger dagegen ganz sicher nicht. Denn in der Grundstruktur folgt auch der GLS-Kommandostand der Idee, die mit A- und B-Klasse debütierte. Stilprägend sind die beiden riesigen Displays (jeweils 12,3 Zoll) vor dem Lenkrad und über der Mittelkonsole, die die digitalen Instrumente und das MBUX-Infotainment-System beherbergen. Drunter sind vier viereckige Lüftungsdüsen aufgereiht, in den kompakten Mercedes-Modellen der neusten Generation sind die Luftausströmer rund. Ein Stück drunter sitzt eine Bedienleiste mit Wipptasten, über die sich vor allem die Klimaanlage regeln lässt. Das geht zwar eigentlich auch ziemlich komfortabel im Gespräch mit „Hey Mercedes“, im Zweifel hat man aber nicht immer Lust mit seinem Auto sprechen, nur weil man es ein paar Grad wärmer haben will.

Überfrachtetes Lenkrad

Wer insgesamt damit fremdelt, sich von seinem GLS permanent in ein Gespräch verwickeln zu lassen, kommt auch ganz gut ohne Sprachbedienung klar. Wichtigster Baustein dafür ist das Touchpad auf der hohen Mittelkonsole, mit dessen Hilfe man sich ziemlich intuitiv durch die Fahrzeug-Menüs drückstreicheln kann. Links und rechts davon bitten klassischen Tasten Schnellzugänge zu Navigation, Infotainment, Telefon und Fahrzeugeinstellungen. Zusätzlich können einige Funktionen auch per Gestensteuerung genutzt werden. Soweit, so einfach. Abzüge gibt’s fürs GLS-Multifunktionslenkrad. Das ist mit zwei Micro-Touchpads, vier Drücktasten, fünf Wippschaltern und einem Lautstärke-Drehrädchen eine echte Usability-Herausforderung. Gut gemeint, aber ein bisschen zu verkopft umgesetzt. Der Wählhebel für die Neungang-Automatik ist als Lenkstockhebel hinterm Lenkrad platziert. Das kennen GLS-Fahrer bereits.

Alle 7 Sitze elektrisch verstellbar

Alle fein auf den vorderen beiden Plätzen. Das ist aber bei einem Siebensitzer nur die halbe Miete. Also: ab nach hinten. Da gibt’s mit dem Modellwechsel ein paar Neuerungen. So sind jetzt alle Sitze im Auto elektrisch verstellbar, auch in der zweiten und dritten Reihe. Netter Nebeneffekt der Elektrifizierung: Alle Fond-Plätze lassen sich auf Knopfdruck umlegen. Wer das magische Knöpfen drückt, muss sich um den nächsten Umzug keine Gedanken machen, als Zweisitzer wächst das Ladevolumen des GLS auf stattliche 2400 Liter. Anders als beim Vorgänger machen die äußeren Sitze im Fond den Weg nach ganz hinten jetzt auch elektrisch frei. Dazu surren die Sitzflächen ein Stück nach vorne und klappen dann in Richtung Vordersitze. Dadurch entsteht ein kleiner Spalt zwischen C-Säule und Rücksitz, der den Weg auf die hintersten Plätze erleichtern soll. Kann man so sehen, muss man aber nicht. Würdevoll ist die Kraxelei auf keinen Fall.

Ganz hinten bleibt’s nur begrenzt gemütlich

Für die beiden Einzelsitze ganz hinten versprechen sie bei Daimler maximalen Sitzkomfort für Menschen bis 1,94 Meter Körpergröße. Das ist ziemlich optimistisch. In der Praxis wird’s auf jeden Fall eng, wenn in Fond mehr als vier Erwachsene auf die Reise wollen. Aber: Die Plätze in der dritten Reihe sind im GLS definitiv mehr als eine unbequeme Notlösung. Zumal es auch für die Hintensitzer eine Sitzheizung und USB-Ladeports fürs digitale Kleinstgerät gibt. Wichtig: Daimler nutzt hier inzwischen bei allen Fahrzeugen den USB-Typ-C-Standard. Im Zweifel müssen also immer Adapter mit auf Tour!

Bis zu fünf Displays im Auto

Wer seinen Passagieren eine Portion Extra-Komfort gönnen will, ordert entweder die sechssitzige Variante mit zwei Einzelsitzen in der zweiten Reihe (Serie beim US-GLS) oder bucht zumindest das Fond-Komfort-Paket Plus. Damit kommt ein 7-Zoll-Android-Tablet ins Auto, das in einer eigenen Docking Station in der vergrößerten Komfort-Mittelarmlehne der zweiten Sitzreihe untergebracht ist. Die Mittelkonsole bietet auch noch eine Wireless Charging-Ablage für Smartphones und zusätzliche USB-Schnittstellen. Über das Tablet können alle Komfort- und Entertainmentfunktionen des MBUX von den hinteren Sitzreihen aus gesteuert werden, also auch Radio, TV, Medien, Telefon und WLAN. Um zu verhindern, dass der Nachwuchs auf den hinteren Plätzen allzu sehr über die Stränge schlägt, kann der Fahrer aber jederzeit das Kommando über alle Optionen und Ausstattungen übernehmen. Komfort-Kopfstützen mit zusätzlichen Kissen und die nach hinten erweiterte Mittelkonsole zwischen den Vordersitzen mit klimatisierten Cupholdern (!) runden das Verwöhnprogramm für Hintensitzer ab. Noch nicht genug? Okay. Dann wäre da noch die MBUX Fond-Entertainment-Option. Zu der gehören zwei 11,6 Zoll große Touchscreens hinter den Kopfstützen von Fahrer und Beifahrer. Damit können die Passagiere in der zweiten Sitzreihe Filme oder Musik genießen, den integrierten Web-Browser nutzen oder Informationen zur Fahrt abrufen und eingeben.

100.000 Euro plus X

Wichtig für alle, die die dritte Sitzreihe regelmäßig nutzen: Selbst mit maximaler Bestuhlung bleibt im Heck noch Platz für schmales Reisegepäck. Genaue Angaben zu allen Kofferraum-Abmessungen stehen noch nicht zur Verfügung. Bleibt die Frage nach dem Preis. Offizielle Zahlen gibt es noch nicht. Beim Blick aufs aktuelle Top-Modell GLS 500 4Matic zeigt, dass sich mit so einem GLS locker die 100.000-Euro-Marke knacken lässt. Mit Blick aufs neue Top-Modell GLS 580 4Matic mit Mildhybrid-V8-Benziner (489 PS, 700 Newtonmeter Drehmoment) , 48-Volt-Netz und Startergenerator (ISG) können wir also davon ausgehen, dass da locker nochmal 10.000 Euro oben drauf kommen werden.

Quelle: https://www.auto-motor-und-sport.de/neuheiten/erster-check-mercedes-gls-siebensitzer/

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