Essen Motor Show 2017 Rundgang — Das macht die Tuning-Messe so einzigartig

Seit 50 Jahren findet in Essen die Motor Show statt. Ist sie ein Auslaufmodell einer vergangenen Epoche? Vielleicht. Deshalb sind wir froh, dass es sie noch gibt. Denn sie ist Deutschlands coolste Automesse. Wir erklären, warum.

Will man in Essen die Zukunft betrachten, muss man einfach nur über die Straße schauen. Dort hat der Energieriese Eon seinen Firmenhauptsitz. Vor der Glasfassade reiht sich Ladestation an Ladestation, ein Renault Zoe steht da, ein BMW i3, ein E-Smart – und ein Tesla Model S. Sie tanken Strom, während gegenüber der Verbrennungsmotor gehuldigt wird, auf der Essen Motor Show 2017.

Ob die Essen Motor Show noch 100 wird?

In diesem Jahr findet sie zum 50. Mal statt – Jubliläum sozusagen. Goldene Hochzeit. Wer noch nie dort war, dem sei geraten: Geh hin! Schau dir die Autos an und die Leute, atme den Benzingeruch ein, der durch die Hallen weht. Hier darf das Auto noch Auto sein – und stünde nicht ein Rinspeed-Concept und ein Tesla Model S – natürlich mit Spoiler – in Halle 3, würde die Themen „autonomes Fahren“ und „Elektromobilität“ wohl niemandem in den Sinn kommen.

„Soll ich ihn dir mal anlassen?“, fragt André Neumann, Geschäftsführer bei Pedders Suspension, einem australischen Hersteller für Fahrwerke. Das Gefährt, das André und sein Kollege Patrick mit nach Essen gebracht haben, hat hier in Deutschland Seltenheitswert. „Das ist der einzige mit Straßenzulassung!“, sagt er stolz. Es geht um einen roten Holden Maloo, ein Ute, wie die Australier diese Fahrzeuggattung nennen – übersetzen wir das mal kurz mit „Pickup-Truck“, obwohl das nicht hundertprozentig stimmt. Aber im Grundsatz: Fahrerkabine, Ladefläche mit Dach. Unterm Blech schlummert GM-Technik vom Camaro und von der Corvette. André dreht den Zündschlüssel um, kurzes Anlasserächzen, dann donnert es in Halle 6, der V8 lebt. Und wie!

„Damit bringst du morgens deine Schafe aufs Feld und gehst nachmittags noch ein bisschen auf die Nordschleife, Porsche jagen.“ André glaubt, dass mit dem getunten Maloo eine Rundenzeit von weniger als acht Minuten drin wär. „Kommt doch mal vorbei – vielleicht ist er dann noch da!“ Wie? Der Maloo steht zum Verkauf, für knapp 50.000 Euro. Ganz schön günstig, für ein Einzelstück.

Teure Klassiker, Le Mans auf Leinwand und ein Ork beim Mittagessen

In der Halle 1 steht, Rad an Rad gequetscht, automobile Geschichte aus mehr als 50 Jahren zum Verkauf – allerdings zu ganz schön selbstbewussten Preisen. Beispiel: Ein Citroën 2CV, komplett restauriert, für mehr als 17.000 Euro, gehört hier noch zu den günstigen Modellen. Ein nagelneuer Lamborghini Aventador S kann für 492.000 Euro mit nach Hause genommen werden, ein Ferrari 250 GT von 1959 für so viel Geld, dass man sich gar nicht getraut hat, den Preis hinzuschreiben.

Hinter der künstlichen Begrünung, die alles in Halle 1 wirken lässt, als wären sämtliche Exponate aus der Zeit gefallen, steht ein Ford GT40, der sich seinen nächsten Besitzer von all den Vorbeischlenderern selbst auszusuchen scheint.

Auf dem Stand dahinter herrscht Chaos, aufgerissene Kartons, Plastikfolien, Staffeleien. Gemälde stehen am Boden. Im Hintergrund steht ein Mann mit leicht schiefer Nickelbrille: Conny Constantin, Maler aus Stuttgart. „Es ist irgendwie immer das Gleiche, pünktlich fertig werde ich nie.“ Seit 25 Jahren stellt er seine Motorsport-Gemälde in Essen aus. „Naja, die vergangenen beiden Jahre konnte ich nicht hier sein, aus gesundheitlichen Gründen.“ Die Szenen auf seinen Leinwänden stammen oft von Le Mans – aus verschiedensten Jahren, ein Jaguar D-Type von 1955 hier, ein Porsche 911 GT1 von 1996 dort. Auch Steve McQueen und Marilyn Monroe bekamen ihre eigenen Gemälde.

Für die Techno Classica 2018 hat Constantin das Veranstaltungsposter gemalt. „Das Original habe ich schon verkauft“, erzählt er, während er ein paar seiner Replika auspackt. „Das Ganze hier muss noch eine ganz bestimmte Stimmung bekommen“, sagt er und deutet auf die noch kahlen schwarzen Wände. „Ich habe nur meine Scheinwerfer zuhause vergessen.“

In der Galerie zwischen den Hallen sind dieses Jahr die Händler gelandet, die quasi jedes Ersatzteil haben – solange das Auto aus den 1990er-Jahren stammt. BMW E36, VW Golf IV, Opel Astra G. Daneben liegen Xenon-Nachrüstkits für weniger als 30 Euro. Und bei Buns & Sons, ein Burger-Ständchen, wartet ein als Ork verkleideter Mann auf sein Mittagessen. „Auch ein Ork braucht mal eine Pause“, sagt er und lacht.

Und was ist mit Geschenken zu Weihnachten? Die liefert Santa Claus dieses Jahr nicht mit Rentieren und Schlitten aus. Sondern mit einem BMW M3 mit V8-Saugmotor und großem Dachaufbau. Gut, besonders praktisch scheint das nicht zu sein, dafür aber schnell. Und laut.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/essen-motor-show-2017-die-coolste-messe-deutschlands-12810317.html

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