Fahrbericht Brabus 800 — So fährt eine Mercedes S-Klasse mit 800 PS

Der Brabus 800 auf Basis der Mercedes-AMG S 63 4Matic+ gehört zu den neuesten Umbauten der Bottroper und steht für 286.521 Euro parat. 800 PS sorgen hier sowohl für einen enormen Vortrieb als auch für ein wahres Akustik-Spektakel.

Die Stadt Bottrop am Rande des Ruhrgebiets hat sich im Laufe der vergangenen Jahre für einige zum Adrenalin-Mekka gewandelt. Ob der Movie Park mit seinen Achterbahnen und dem Freefalltower oder die mit 640 Metern längste Indoor-Skihalle der Welt – hier kommen Speedjunkies voll auf ihre Kosten. Doch gibt es noch eine weitere Adrenalin-Schmiede in Bottrop, in der Fahrzeuge die Werkshallen verlassen, die diese 640 Meter in unter acht Sekunden meistern könnten. Die Rede ist natürlich von Brabus.

Wenn Aufpreise keine Rolle spielen

Eines der aktuellsten Produkte des eingetragenen Fahrzeugherstellers ist der Brabus 800 auf Basis des Mercedes-AMG S 63 4Matic+. Der in der Basis bereits 218.774 Euro teure Allradler lässt schon in der Serienausstattung wenig Wünsche offen. Für Kunden der Bottroper ist jedoch der Begriff „Serienausstattung“ mit „von der Stange“ gleichzusetzen – und daher tabu. Die Folge ist ein kompletter Ausbau der Inneneinrichtung. Wer solch einen ausgeschlachteten Neuwagen zum ersten Mal zu Gesicht bekommt, wird sich an TV-Reportagen zum Thema Auto-Mafia erinnert fühlen. Umso schöner ist es, wenn der komplett überarbeitete Innenraum mit neuen Sitzen, Bodenschonern und vielem mehr als Resultat zu bewundern ist. Dass hier allein die Einstiegsleisten ein Loch von 2.630 Euro in die Tuning-Kasse des Kunden reißen, ist einfach mal so hinzunehmen. Erst recht, wenn klar wird, dass das kleine Heckspoilerchen mit 2.499 Euro, die Auspuffanlage mit 7.937 Euro oder der Frontspoiler inklusive Frontaufsätzen mit knapp 9.000 Euro beziffert werden. Die Rechtfertigung lautet hier: „Dafür sieht er geiler aus und hört sich brachialer an.“

188 PS mehr als die Serie

Letzteres verdankt der Kunde aber nicht nur der Klappenauspuffanlage, sondern natürlich auch dem Aggregat, das unter der gewaltigen Motorhaube blubbert. Die Rede ist von einem 4,0 Liter großen V8-Benzinmotor, der ab Werk in Stuttgart bereits über 612 PS und 900 Newtonmeter verfügt. „Reicht nicht“, heißt es hier in Bottrop. Die Lösung steht für 25.930 Euro parat und lautet Leistungssteigerung. Die besteht aus zwei Spezial Turboladern mit größerer Verdichter-Einheit (Durchschnitt 52 mm) und zwei geänderten Rumpfgruppen mit verstärkter Axiallagerung. Ergänzt wird die Leistungssteigerung durch ein hauseigenes Steuergerät für die Motorelektronik des S 63. Am Ende des Ausbaus verfügt die nun den Namen Brabus 800 tragende S-Klasse über 800 PS und 1.000 Newtonmeter Drehmoment. Hinzu kommen noch für 1.737 Euro eine Fahrwerksanpassung und ein angemessener Radsatz für 11.353 Euro.

Über fünf Meter pure Kraft

Die wichtigste Frage aber lautet: „Wie fährt sich solch eine Zweitonnen-Luxuskarosse mit solch einer gewaltigen Leistung?“ Flott. Sehr flott – aber auf Wunsch auch äußerst zurückhaltend und moderat. Was sich im ersten Moment verwirrend liest, ist es eigentlich gar nicht. Denn der 5,29 Meter lange Stuttgarter kann laut, muss aber nicht. Dank der Klappenauspuffsteuerung ist der Fahrer in der Lage innerhalb weniger Augenblicke die gesamte Nachbarschaft per Grölen und Rotzen über seine Ankunft zu informieren, oder sie im Unklaren darüber zu lassen. Die Limousine kann ganz defensiv und gewohnt komfortabel durch die Innenstadt pilotiert oder auf der freien Autobahn gen 300er-Tempolimit getrieben werden. Eine gemütliche Reisegeschwindigkeit liegt bei knapp 200 Kilometer pro Stunde an. Ein Tempo, das im Übrigen ungeahnte Reserven bietet. Ein beherzter Tritt auf die 303 Euro teure Pedalauflage und die Tachonadel beginnt erneut den Steigflug. Den Vorteil des Allradantriebs spielt der auf dem Papier allen Ernstes nur 8,9 Liter auf 100 Kilometer verbrauchende Bolide natürlich beim Tempo 100-Sprint aus. Mit brachialem Sound prescht der Brabus 800 in 3,1 Sekunden gen Landstraßengeschwindigkeit und vollführt dabei kaum spürbar zwei Gangwechsel innerhalb des Neun-Gang-Automatikgetriebes. Lediglich in puncto Kurvengier wird die schiere Masse der veredelten S-Klasse auf ihren 295er-Hinterreifen wieder deutlich. Doch für diese sportlichen Anforderungen bieten die Bottroper natürlich auch das passende Sportgerät in Form eines GT oder Brabus 900.

Top secret!

Freunde von lautlosen Sportgeräten im Autodress werden in naher Zukunft sehr wahrscheinlich auch auf ihre Kosten kommen. Denn Brabus steckt aktuell in der Entwicklung eines neuen Steuergerätes für den Elektro-Smart. auto motor und sport durfte schon ein paar Meter mit dem Technikträger fahren und kommt zu dem Urteil: Das Warten lohnt sich!

Preis

Der Brabus 800 auf Basis der Mercedes-AMG S 63 4Matic+ gehört zu den neuesten Umbauten der Bottroper und steht für 286.521 Euro parat. Was nicht bedeuten soll, dass bei diesem Endpreis tatsächlich Schluss sein muss. Denn wer es noch individueller haben möchte, wird auch das bekommen.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/fahrbericht/brabus-800/

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