Fahrbericht: Hyundai i10 Style

Es ist eine Wohltat, ja ganz ehrlich. Einfach mal ohne Massage-Sitze, Nackenföhn, Sitzlüftung, 500 PS und 9-Gang-Automatik Auto zu fahren. Keine adaptiven Dämpfer, keine adaptive Servolenkung, keine dutzendfachen Fahrdynamik-Programme und auch keine elektrische Heckklappe. Es ist so pur, so natürlich. Ein einfaches Auto zu fahren, ist wie guter Sex mit einer alten Freundin. Man kennt sich, man weiß was der andere mag. Man muss kein Handbuch lesen, man kennt die Funktionen noch aus der Fahrschule. Es ist irgendwie erfrischend. So oldschool.

Hyundai hat so ein Stadtauto im Programm, okay, alle Automobil-Hersteller haben so etwas im Programm – mit Ausnahme der Süddeutschen-Premium-Hersteller. Vermutlich könnten die so ein simples Auto auch gar nicht bauen. Da muss es anders zugehen. Aber:

Man muss auch mal verzichten können

Gefahren: Hyundai i10 – 67 PS stark

Fröhlicher Dreizylinder aus Korea

Der i10 ist ein billiges Auto für den Alltag, das meine ich nicht abwertend, sondern positiv. Alltag – das ist doch dieser Trott in dem wir uns alle immer mal wieder wiederfinden. Es ist eben nicht jeden Tag Erntedankfest und Schools-Out-Party. Manchmal muss man einfach nur schnell zum Supermarkt, einfach nur die gleiche kurze Strecke auf die Arbeit. Kinder abholen, das Amazon-Päckchen vom Paket-Automaten abholen. Einfach Alltag. Dafür braucht es weder Bi-Turbo noch Differentialsperren, keine Sitzlüftung und kein Internet im Auto. Es braucht etwas zum fahren. Einfach nur fahren. Und man will sich darauf verlassen, das alles so funktioniert, wie man es erwartet. Guter Sex, mit einer alten Freundin eben.

[one_half] [notification type=“notification_mark“ ]Die Basics:[/notification]
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  • 2 Wochen im Test
  • 825 Testkilometer
  • Basispreis: 9.950 €
  • Testwagenpreis: 12.930 €

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[one_half last=last] [notification type=“notification_mark“ ]Der Testverbrauch:[/notification]
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Hyundai i10 im Fahrbericht

Schlicht, altbacken, langweilig

Das war einmal. Aktuelle Hyundai-Modelle wirken durchaus frisch und modern. Der gefahrene i10 bringt Tagfahrlicht und ein poppiges Interieur mit. Und mit seinen guten 3.66 ist er so groß wie früher ein VW Golf (ok, erste Generation..). Aber damit ist man früher in den Urlaub gefahren. Damals reichten die 50 PS und das Platzangebot locker aus um damit in den Urlaub zu fahren. Und man war stolz wie Bolle, dank Wasserkühlung und Frontmotor-Layout fühlte man sich den Eltern und ihren abenteuerlichen Alpen-Trips im luftgekühlten 37 PS Käfer locker überlegen.

Heute sind 3.66 Meter und 67 PS die „Stadtmobil-Klasse“. Anstatt über den Fernpass geht es damit nur von der Haustür zum Kindergarten, auf die Arbeit und zu Rewe (Penny, Tengelmann, Aldi ect..). Braucht es eigentlich mehr Erklärung um den simplen Luxus dieser modernen Autowelt zu erklären? Der i10 kommt zudem, anders als seine Mitbewerber (Peugeot 108, VW Up, Citigo und Co) in Serie mit fünf Türen. Das lässt den Nachwuchs locker aus der zweiten Reihe hüpfen, ohne dass der Chauffeur deswegen aussteigen müsste. Ein klarer Punktsieg vorab im Karosserie-Bereich für den Koreaner.

Hausmannskost

Natürlich ist die angebotene Technik bei einem aktuellen Stadtmobil eher Hausmannskost, denn Sterne-Menü. Das Fahrwerk bietet traditionelle Technik mit Verbundlenkerachse hinten und McPherson-Federbein vorne, der Motor ist ein Sauger mit drei Töpfen, aber immerhin vollständig aus Leichtmetall und mit vier Ventilen je Zylinder, sowie einer variablen Steuerung derselbigen ausgerüstet. Start-Stopp-Automatik ist verbaut, ESP für die Sicherheit auch – und in der Basis bereits ohne Aufpreis enthalten. Soweit so gut. Anfahren.

Klassische fünf Gänge warten auf den Fahrer, leichtes Rührwerk hinter sich gebracht, eine feinfühlige Kupplung und den Fuß auf das Gaspedal gedrückt – der kleine Drei-Pötter schnattert fröhlich los. Der i10 fährt sich wie man es sich wünscht. Simpel. Da gaukeln keine adaptiven Dämpfer eine heile Welt vor, die retro-wirkende Bereifung in der Dimension 175/65-14 vermittelt dem Fahrer einen ungefilterten Eindruck von unseren geschundenen Bundesdeutschen-Asphaltbänder. Der 65er Querschnitt und die klassische Abstimmung sorgen für mehr als genug Fahrkomfort, zugleich lassen sie den i10 untersteuernd über zu ambitioniert genommene Kurvenradien kratzen. Wer es übertreibt wird vom ESP in die Schranken verwiesen – doch im Alltag wird dies niemand provozieren wollen.

Der 67 PS starke Dreizylinder verpasst beim Thema Hubraum ganz knapp die Milchtüten-Schwelle (998 ccm³)  und drückt mit 95,2 Nm soviel Kraft in die Kurbelwelle, dass man bei Hyundai die Komma-2 nicht unterschlagen möchte. Nun – es sind eben oftmals die kleinen Dinge, die uns erfreuen. Nicht?

Auf der Autobahn läuft der i10, so er sich denn mal dorthin verirrt, locker und erstaunlich leise – freilich, der rasselnde Sound des schnarrigen Dreizylinders bleibt stets präsent – ist jedoch weit entfernt vom wilden keuchen des elterlichen Vierpötters auf der Urlaubstour – und wer genug Geduld aufbringt, der erlebt 155 km/h Höchstgeschwindigkeit. Die 14.9 Sekunden für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h im Hinterkopf, bewahren einen vor spätpubertären Ampelsprints. Locker bleiben – und daran denken: Das ist ein Stadtmobil! Ein sinnvolles Auto. 

Und ein sparsames dazu.  Hyundai gibt für den NEFZ-Norm-Verbrauch eine 4.7 im gesamten Mix an. In der „mein-auto-blog Öko-Runde“ kam ich auf 4.8 Liter / 100 km. Im Alltag stehen 5.2 bis 6.3 Liter an. Das ist durchaus noch ordentlich.

Wach geküsst

Poppig geht es im Innenraum zu. Der Testwagen hielt sich äußerlich mit einem Anthrazit-Grau vornehm zurück, um dann im Innenraum mit einer poppig-orangen Lackierung zu verwirren. Müssen Stadtmobile so etwas wie einen Zwang zum fröhlichen Interieur haben? Vermutlich. Wobei es nicht übertrieben wirkt. Nur frisch, ein wenig fröhlich und es ist ja auch nur gemeint. So wirkt das viele Plastik nicht so trist. Also, volle Punktzahl.

Wer sich den „Style“ gönnt und dafür vom Basispreis 9.950 €, hinauf auf 12.480 € Kaufpreis springt, der bekommt keinen armseligen Kleinwagen mehr. Kurzer Blick in die Ausstattungsliste: Beheizbare Außenspiegel, mit Blinker und in Wagenfarbe lackiert, eine Berganfahrhilfe, Nebelscheinwerfer die auch als Abbiegelicht funktionieren, die Glasscheiben rundherum sind immer getönt, der Heckspoiler am Dach gehört auch immer dazu. Vier Lautsprecher und ein CD-Radio mit USB-Anschluss sind ab Classic-Edition dabei, die Radiofernbedienung über das Lenkrad gehört zum Style – ebenso eine Bluetooth-Freisprecheinrichtung! Ebenso mit an Board sind vier elektrische Fensterheber, eine kleine Leuchte für den Kofferraum und jetzt kommt es: Ein beheiztes Lenkrad! Da schauen dann auch viele Autos eine Klasse höher ein wenig komisch aus – denn für verfrorene Frauenhände gibt es im Winter ja nichts besseres. O la la – ich glaube alleine damit könnte man schon eine Menge Frauenherzen (ja, ja, Hände) erwärmen.  Für den Style bleibt als einziges sinnvolles Extra das elektrische Schiebedach übrig, hier lassen sich weitere 420 € investieren.  Der Metallic-Lack ( Star Dust) des Testwagens kostet noch einmal 430 € – allerdings würde ich zum schlichten weiß greifen, das ist derzeit eine angesagte Farbe und passt gut zum unschuldigen Charakter des i10.

hyundai i10 fahrbericht heckansicht

Fazit:

Der i10 ist ein echte Empfehlung. Extrem sauber verarbeitet, gut ausgestattet und eine solide technische Basis. Er vermeidet übertriebenes optisches Chichi und überzeugt lieber durch anständige Details. Er fährt sich, wie man es sich wünscht – er drängelt sich optisch nicht in die erste Reihe, dafür erfüllt er seine Pflichten als Kleinstwagen vorbildlich. Mit einem kurzen Blick in die Vergangenheit wird dann auch die Urlaubsfahrt in einem Kleinstwagen gar nicht mehr so abwegig. Vor 25 Jahren wären wir doch alle, mit Freude, mit dem i10 in den Urlaub gefahren.

Manchmal ist es einfach gut, sich zurück zu besinnen. Und manchmal sind die „altbekannten“ Dinge doch die allerbesten, nicht? 

 

Hier geht es zur Hyundai Webseite …. 

Technische Daten: Verbrauch und Emissionen:
Leistung: 67 PS / 5.500 U/min
Kraft: 95,2 Nm / 3.500 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h: 14,9 Sek. 
Höchstgeschwindigkeit: 155 km/h 
Effizienzklasse: C 
Abgasnorm: EU 5 plus
Normverbrauch komb.: 4.7l / 100 km
CO²-Emission kom.: 108 g/km
Daten lt. Hersteller.
Anmerkung: Der Testwagen wurde mir kostenfrei von Hyundai zur Verfügung gestellt.
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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

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