Ferrari 250 GTO — Das teuerste Auto der Welt

Kein Oldtimer scheint begehrter zu sein als der Ferrari 250 GTO. Rekordpreise von bis zu 70 Millionen US-Dollar haben Sammler für ein Exemplar ausgegeben. Was steckt hinter dem Mythos, dem Milliardäre, Modedesigner und Popstars erliegen?

Kein Oldtimer scheint begehrter zu sein als der Ferrari 250 GTO. Rekordpreise von bis zu 70 Millionen US-Dollar haben Sammler für ein Exemplar ausgegeben. Zum erlauchten Kreis der GTO-Besitzer gehören aktuell Mode-Milliardär Ralph Lauren, der britische Baumaschinen-Mogul Sir Anthony Bamford (JCB), der italienische Geschäftsmann und Ex-Formel-1-Teameigner Giuseppe Lucchini aus Brescia sowie der Musiker Nick Mason. Der Drummer von Pink Floyd ist einer der treuesten GTO-Eigner. Seit 40 Jahren gehört ihm das Ferrari-Coupé mit der Chassisnummer 3757GT. Fast so begehrenswert wie sein roter Renner selbst ist dessen Nummernschild: „250GTO“.

Nick Mason fährt seit 40 Jahren 250 GTO

„Das Auto stand ganz oben auf meiner Wunschliste“, erzählt der Auto- und Kunstsammler Mason, der für sein Traumauto 1978 ganze 35.000 britische Pfund (damals umgerechnet etwa 135.000 Mark) bezahlte. Der Musiker bringt die Vorteile des 250 GTO auf den Punkt: „Mit all seinen Qualitäten kommt der GTO dem perfekten Auto sehr nahe.“ Der Ferrari-V-12 und sein Klang sind nur zwei von vielen Aspekten, sagt auch Mason: „Die angenehm ausgeglichene Kombination aus Scheibenbremsen und einem schön balancierten Fahrwerk mit ausreichender Motorleistung gibt Dir den Thrill eines Rennwagens ohne den lebensgefährlichen Terror eines 600-PS-Monsters.“ Der Ferrari mit dem rund 300 PS starken Dreiliter-Triebwerk hat für Mason auch ganz praktische Vorzüge: „Man kann ihn im Straßenverkehr nutzen, er hat Platz, um mehrere Taschen mitzunehmen, und selbst im zähfließenden Verkehr überhitzt der Motor nicht.“

Doch vielen Fans reicht schon der Anblick des italienischen Sportwagens, um ins Schwärmen zu geraten. „Äußerlich ist der 250 GTO ein hinreißendes Beispiel für die Karosseriebaukunst“, lobt auch Mason die Form seines Ferraris. „Vom Cockpit aus ist der Blick über die Rundungen der Motorhaube ein ästhetischer Genuss. Wenn je ein Auto absolut perfekt aussah, dann ist es der Ferrari GTO.“

Design aus der Werkstatt

Die Form der Leichtmetallhülle stammt allerdings nicht von Pininfarina, sondern aus der kleinen Karosseriewerkstatt der Ferrari-Rennabteilung in Maranello. Die ersten Prototypenkarossen sind das Werk von Giotto Bizzarrini. Die Serienversionen entstehen bei Sergio Scaglietti in Modena in Handarbeit. Mit der neuen, aerodynamisch günstigeren Form des GTO reagiert Ferrari auf eine Regeländerung für die Markenweltmeisterschaft. Ab 1962 werden nur die Ergebnisse der GT-Fahrzeuge für die WM gewertet – die Karosserie des 250 GT SWB (Short Wheel Base) könnte wegen des zu hohen Luftwiderstands und des Topspeeds von 250 km/h nicht mehr konkurrenzfähig sein. Ende 1960 beginnen die Planung für die neue Berlinetta, Im September 1961 testet Stirling Moss den neuen GT in Monza erstmals auf einer Rennstrecke – kurz vor dem italienischen Grand Prix, bei dem Ferrari-Pilot Wolfgang Graf Berghe von Trips tödlich verunglückt.

Mitten in die Entwicklungsphase des 250 GTO fällt außerdem die „Palastrevolution“ bei Ferrari. Insgesamt acht leitende Mitarbeiter verlassen das Unternehmen, darunter auch Giotto Bizzarrini, Chefkonstrukteur Carlo Chiti und der Rennleiter Romolo Tavoni. Auslöser soll ein Streit zwischen Laura Ferrari und dem Verkaufsleiter Federico Gilberti gewesen sein.

GT im Sinne des Reglements

Zum Nachfolger von Carlo Chiti steigt der erst 26 Jahre alte Ingenieur Mauro Forghieri auf. Er treibt auch die Weiterentwicklung des 250 GTO voran. Am 24. Februar 1962 wird der neue GT von Ferrari in Maranello offiziell vorgestellt. Die offizielle Typenbezeichnung lautet: „250 GT Competizione Berlinetta 1962“. Die legendäre Bezeichnung GTO folgt etwas später – laut Buchautor Jess Pourret aufgrund eines Fehlers in einem an Ferrari gerichteten Telegramm. Das „O“ steht für „omologato“, das italienische Wort für „homologiert“ und deutet an, das der neue Ferrari in der GT-Kategorie zugelassen ist. Wie Jaguar, Aston Martin und Porsche zum Beispiel nutzt Ferrari einen Passus im GT-Reglement (Gruppe 3), der für ein homologiertes Modell (Mindeststückzahl: 100 Exemplare) unter Beibehaltung der technischen Basis eine Sonderkarosserie erlaubt.

Nur einen Monat nach der Pressevorstellung feiert der 250 GTO seine Rennpremiere beim 12-Stunden-Rennen von Sebring. Im vom North American Racing Team (N.A.R.T.) eingesetzt Ferrari gewinnen die Werksfahrer Phil Hill und Olivier Gendebien die GT-Kategorie mit sechs Runden vor dem vom gleichen Team eingesetzten 250 GT SWB. Ferrari kann so viele Autos verkaufen, dass beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans im Juni insgesamt 15 GTO eingesetzt werden, einige allerdings mit größeren Motoren und anderen technischen Veränderungen als Prototypen. Übrigens: In Deutschland ruft Importeur Auto-Becker 78.750 Mark auf. Zum Vergleich: Ein Mercedes-Benz 300 SL Roadster hat damals 29.000 Mark gekostet.

Drei WM-Titel und viele GT-Siege

Mit dem GTO setzt Ferrari seine Erfolgsserie in der Sportwagen-Weltmeisterschaft fort. Drei Mal hintereinander erringen die Italiener den Titel in der Division für Autos mit über zwei Litern Hubraum. Lediglich 1965 müssen sie sich Shelby-Ford geschlagen geben. Daran ändert auch die 1964 aerodynamisch verbesserte GTO-Karosserie nichts. Zu den größten Erfolgen des GTO zählen neben den drei Titeln und den vielen GT-Siegen in den WM-Läufen die zwei Siege bei der Tour de France Automobile 1963 und 1964.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/oldtimer/ferrari-250-gto-1962/

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