Ford Europa in der Krise? — Unzufriedenheit aus den USA

„Extrem unzufrieden“ zeigte sich Ford-Boss Jim Hackett vor einigen Tagen. Der Grunde dafür: Ford hat in Europa im zweiten Quartal einen Verlust von 73 Millionen US-Dollar vor Steuern eingefahren.

Auch im Gesamtjahr rechnet man nach einem Bericht des Manager Magazins in Europa mit roten Zahlen. Kein gutes Ergebnis nach einem Gewinn von 234 Millionen Dollar im Jahr 2017.

Brexit schadet Ford

Doch warum dieser Absturz? Ford-Finanzchef Jim Farley nannte in der Automotive News unlängst die ungünstigen Wechselkurse des britischen Pfund. Die Währung rauscht nach der Brexit-Ankündigung in den Keller, schlecht für den größten europäischen Ford-Markt, der 2018 auch noch schwächelt. Aber auch in Sachen Modellpolitik liegt bei Ford einiges im Argen.

Aktuell möchte man zwar um die Verluste einigermaßen aufzufangen den Nutzfahrzeugabsatz ankurbeln und auch das Angebot an SUV ausbauen. Außerdem hat Ford in den USA die Investitionen in traditionelle Limousinen gestoppt. Dies betrifft in erster Linie den Fusion, auf dessen Basis hier der Mondeo angeboten wird. Fraglich also, wie die Zukunft des Mittelklässlers aussieht. Nahezu fix scheint die Entscheidung zu sein, den Minivan C-Max aus dem Programm zu nehmen, der nach Angaben von Farley nicht die Erwartungen erfüllen.

Erste Restrukturierungsgespräche

Die Strategie von Ford in Europa sei nach dem Bericht des Manager Magazins darauf ausgerichtet, Kosten zu senken und langfristig eine Profit-Marge von sechs Prozent zu erreichen. So zitiert das Blatt den Gesamtbetriebsratschef Martin Henning: Aktuell gebe es „keine Beratung oder Gespräche zu einer Restrukturierung“, man wolle sich aber ungern an Spekulationen beteiligen.

In Deutschland immerhin habe man den Marktanteil von Ford ausgebaut – auch bei den Nutzfahrzeugen. Im ersten Halbjahr seinen die Verkäufe um 5,7 Prozent gestiegen. Den Absatzrückgang in Großbritannien machen diese Zahlen jedoch nicht wett.

Hoher Krankenstand in Köln

Trotzdem scheint bei Ford in Deutschland nicht alles im Reinen zu sein. So stellt Betriebsratschef Henning fest: Bei steigenden Marktanteilen und besseren Verkaufspreisen müssten die Gewinne eigentlich sprudeln, „Leider nein, denn die Kosten fressen fast alles wieder auf“. Noch sei unklar, wo genau diese entstehen. Die „eigenartige Systematik, die von unserer Finanzabteilung eingesetzt wird, verhindert einen echten Gesamtkostenüberblick“, kritisiert Hennig.

Der Betriebsrat habe deshalb gemeinsam mit der deutschen Geschäftsleitung eine Initiative zur Sicherung der Standorte gestartet. Damit werden „viele Veränderungen verbunden sein“, so Hennig, „von uns allen wird höchste Flexibilität verlangt. Wir müssen uns alle gemeinsam diesen Herausforderungen stellen und aktiv für den Erhalt unserer Standorte arbeiten“. Das klingt, so resümiert das Manager Magazin, nach einem bevorstehenden Umbau. Besonders wenn man die Umsatzrendite der deutschen Werke im ersten Halbjahr betrachte. Sie liegt nur bei 1,3 Prozent, also weit entfernt von den angestrebten sechs Prozent. Zudem liegt der Krankenstand in Köln mit 11,8 Prozent deutlich über dem Branchendurchschnitt von 5,4 Prozent.

Kein Bekenntnis zum SUV aus Deutschland

Immerhin investiert Ford USA noch in Deutschland. 300 Millionen Euro flossen in die Fertigung des Ford Fiesta, 600 Millionen für die Produktion des Focus in Saarlouis. Allerdings fehlt es wohl an einem klaren Bekenntnis aus den USA zur Fertigung SUV in Deutschland. „Die Entwicklungs- und Produktionspläne zeigen nichts, was über die aktuellen Fiesta- und Focus-Modelle hinausweisen würde“, kritisiert Betriebsratschef Hennig in „IG Metall@Ford“. SUV und Crossover-Modelle für Europa laufen in Spanien und Rumänien vom Band. Entsprechend könne, so das Manager Magazin den deutschen Ford-Werkern eine „heißer Herbst“ bevorstehen.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/ford-europa-in-der-krise-unzufriedenheit-aus-den-usa/

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