Fort zur Bundeswehr — Hersteller finden witzige Werbung nicht witzig

Die Bundeswehr sucht händeringend Personal und macht sich angekündigte Massen-Entlassungen bei den Autoherstellern zunutze. Die schmollen.

„Job Fort?“ schreit es in weißer Schrift vom tarnfarbenen Lkw-Plakat – und „Fort“ ist in der gleichen Schriftart gehalten wie der Markenname Ford. Die Bundeswehr spielt damit auf die angekündigten Massenentlassungen des Autoherstellers an. Die Truppe leidet seit Jahren unter chronischem Personalmangel und ist auf die Fachkräfte aus der Autoindustrie scharf.

Und die Karriere-Kompanie der Bundeswehr macht auch vor dem aktuell größten Autohersteller der Welt nicht Halt: „Jetzt Job fürs Volk wagen“ schießt es wiederum vom Camouflage-Plakat eines Lkw, der direkt vor das VW-Werk in Wolfsburg fuhr. Auch auf die Straße gesetzten VW-Mitarbeitern bietet die Truppe eine berufliche Perspektive – schließlich sind noch mehrere tausend Job frei.

Autohersteller reagieren gereizt

Die betroffenen Autohersteller geben sich angesichts der frech-fröhlichen Werbe-Attacke verschnupft. Der Betriebsrat von Ford Europa jammert, der Rekrutierungs-Feldzug sei „unangemessen“ und „respektlos“, die Bundeswehr instrumentalisiere Schicksale für Werbezwecke. Mit „Schicksalen“ scheint der Betriebsrat den Abbau von 5.400 Stellen bei Ford in Saarlouis über Abfindungen und vorzeitige Ruhestände zu meinen.

Auch VW feuert zurück und lässt über einen Sprecher vermelden, dass freche Werbung nicht zu einer Frechheit werden dürfe. Der Konzern kündigte kürzlich an, dass in naher Zukunft 5.000 bis 7.000 Stellen wegfallen könnten.

Politiker schlagen sich auf beide Seiten

Flankenschutz erhalten die betroffenen Autohersteller von unerwarteter Seite. So finden die Grünen diese Art der Werbung „makaber“. Die FDP wiederum sitzt im selben Schützengraben wie die Bundeswehr: FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann empört sich, dass Ford sich erstmal an die eigene Nase fassen sollte, anstatt zu meckern.

Die Bundeswehr versucht schon seit einer Weile mit erfrischenden Werbekampagnen von Firmen entlassene Mitarbeiter anzulocken. Auch bei der Pleite von Air Berlin ging man gezielt auf das Kabinenpersonal zu, um ihm neue Perspektiven bei der Truppe aufzuzeigen.

Quelle: https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/bundeswehr-werbung-autohersteller/

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