Ganz nah am Kunden — Die Werke für die ID.-Familie

Entwickelt in Deutschland, gefertigt in allen wichtigen Märkten: VW stellt weltweit Werke auf Elektroautos um oder errichtet neue.

Mehr als 30 Milliarden Euro wird der Volkswagen-Konzern investieren, um sich Schritt für Schritt vom weltgrößten Hersteller konventionell angetriebener Autos zum Produzenten batterie-elektrischer Fahrzeuge zu wandeln. In dieser gigantischen Summe enthalten sind nicht nur Gelder für die Entwicklung der Komponenten und Systeme des MEB oder der durch ihn möglichen Technologien, sondern eben auch der Bau neuer Produk- tionsstätten oder die Transformation bestehender Werke.

Besondere Bedeutung kommt hier dem Standort Zwickau zu, wo noch Golf und Golf Variant sowie auf einer kleineren Linie der e-Golf vom Band laufen. Als erster Volumenhersteller der Welt hat sich VW 2017 hier darangemacht, ein Werk im Betrieb von Verbrenner- auf Elektroautos umzustellen. Dadurch hat Zwickau eine Vorreiterrolle inne auf dem Weg zum Elektroauto der VW-Zukunft.

Die Kosten für den Umbau der zwei Fertigungslinien und die Weiterbildung der 7.700 Mitarbeiter betragen 1,2 Milliarden Euro. Ende dieses Jahres wird dort die Produktion des ID.3 auf der ersten, seit 2018 umgerüsteten Linie anlaufen. 2020 soll die zweite Fertigungslinie startbereit sein. Dann können, so E-Mobility-Vorstand Thomas Ulbrich, aus Zwickau pro Jahr bis zu 330.000 Fahrzeuge (etwa 1.500 am Tag) auf Basis des MEB kommen. In der finalen Ausbaustufe, ab 2021, sollen im Werk Zwickau sechs Modelle von drei Konzernmarken vom Band laufen.

Damit wird Zwickau nicht nur das größte und leistungsfähigste Werk für batterieelektrische Fahrzeuge des Konzerns werden, sondern zugleich eine digitale, flexible und hocheffiziente Vorzeigefabrik. Zum Einsatz kommen dort unter anderem smarte Industrie-4.0-Roboter und fahrerlose Transportsysteme, die Bauteile komplett autonom an die Montagelinien bringen. Und obwohl sich der Automatisierungsgrad in der Montage nahezu verdreifachen wird, sollen die Beschäftigungszahlen weitgehend stabil bleiben.

Eine Million ID. schon 2025

Schon 2025, so Ulbrich, sollen insgesamt konzernweit eine Million Fahrzeuge der ID.-Familie produziert werden. Da reichen die Kapazitäten in Zwickau nicht aus, weshalb europäische Produktionsstraßen in Hannover und Emden, Dresden und Mladá Boleslav nach Zwickauer Vorbild transformiert werden.

2030 schon, kündigt Ulbrich an, soll es von jedem Modell jeder Konzernmarke mindestens eine Elektroversion geben. Das wären etwa 300 verschiedene Autos, deren Preise natürlich von jenen Skaleneffekten profitieren, die sich aus der gemeinsamen Entwicklung für mehrere Marken und hohen Stückzahlen ergeben. „Volkswagen wird Elektroautos für Millionen bauen, nicht nur für Millionäre“, verspricht Ulbrich.

Ein entschlossener Umbau also, der auch wegen seines ganzheit- lichen Ansatzes im Sinne des Pariser Klimaabkommens gewaltige Dimensionen annimmt: Schließlich geht es Volkswagen nicht nur um die Zukunft als führender Anbieter von Elektrofahrzeugen, sondern auch um deren klimaschonende Produktion.

Neues Werk in China

Die Transformation betrifft natürlich nicht nur Europa. Die USA und vor allem China sind wichtige Märkte, die man aus lokaler Produktion bedienen möchte. Daher werden in Anting/Shanghai und in Foshan zurzeit zwei Werke auf die ID.-Produktion von 2020 an vorbereitet. Jährlich können hier 600.000 MEB-Volkswagen gefertigt werden. Parallel entwickeln Seat und sein chinesischer Partner JAC gemeinsam eine Plattform für kleinere Elektroautos, die auf dem MEB nicht realisierbar sind. Auf diese Weise sollen chinesische Fabriken rund die Hälfte jener 22 Millionen Elektrofahrzeuge bauen, die VW bis 2028 produzieren will.

Dritter Schwerpunkt der elektrischen Volkswagen-Zukunft wird das Werk Chattanooga im US-amerikanischen Bundesstaat Tennessee: Mit 800 Millionen Euro wird dieser Standpunkt momentan darauf vorbereitet, von 2022 an den ID. Crozz und später auch den ID. Buzz zu bauen.

Quelle: https://www.auto-motor-und-sport.de/news/vw-id-werke/

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