German Offroad Masters 2013: Will-GORM-en im Dreck!

Frauen und ein 24-Stunden Offroad Rennen gehören in etwa so zusammen wie High Heels und die Sahara Wüste. Denkt man(n). Ich wollte das Gegenteil beweisen und begab mich am Wochenende mit der lieben Autodiva Nicole zu den German Offroad Masters, kurz GORM, nach Jänschwalde. Da sind sogar die Schilder bereits ins polnische übersetzt und ein Stück weiter spricht das eigene Handy auch nur noch polnisch mit einem. Kurz: Wir waren im tiefsten Osten. Bei unserer Ankunft piff unsere geliehene A-Klasse sprichwörtlich aus dem letzten Loch und wir auch. Bei über 35 Grad Hitze und defekter Klimaanlage auch kein Wunder. Da waren wir für das GORM Abenteuer bestens gerüstet, denn dort gab es nur Hitze, Staub, Schweiß und Dreck.

Willkommen in der Offroad-Szene.

GROM 24h Rennen

Wir wurden bereits von Michael R. Podlogar, TV-Motorjournalist der schon für n-tv Motor und n24 Motormotion gearbeitet hat und als Einziger selbst 2x in der Rallye Raid Weltmeisterschaft gefahren ist, seinem Suzuki Jimny in Knallgrün und dem restlichen Team erwartet. Direkt an einem stillgelegten Flughafen sollte das 24-Stunden-Rennen über eine 8 Kilometer lange Rallyepiste stattfinden. 45 Teams, darunter auch Offroad-Größen wie Ellen Lohr, einzige weibliche Siegerin im DTM Rennen 1992, gingen an den Start und versuchten Offroad-King oder Queen zu werden. Schwere Geländewagen, Buggys, ATVs, Side-by-Sides oder Quads mit bis zu 500 PS sind dieses Mal an den Start gegangen und quälten sich mit hoher Geschwindigkeit durch den Wald und tiefen Sand. Unter dieser Belastung wurde die Strecke immer schwieriger, die Löcher immer tiefer und die Baumwurzeln zu gefährlichen Hindernissen. Hier war höchste Konzentration und präzises Fahren angesagt. Ein wahres Martyrium für Reifen, Felgen und Stoßdämpfer. Erstmals wurden sogar aus Sicherheitsgründen alle Fahrer und Co-Piloten im Vorfeld durch einen Arzt gecheckt.

Wir gingen mit unserem kleinen giftgrünen Suzuki Jimny 1,5 DDIS an den Start, der bei dem Rennen noch für ein wahres Wunder sorgen sollte. Seine serienmäßigen 86 PS wurden auf flotte 130 PS hochgepimpt, die nun satte 320 Newtonmeter Drehmoment auf die Räder, die mit speziellen Geländereifen von Maxxis aufgezogen worden waren, pressen. Das spezielle Fahrwerk von FOX Racingshocks ist perfekt für unebenes Gelände geeignet. Zusatzscheinwerfer von Hella Xenon sorgten auch bei völliger Dunkelheit für die nötige Sicherheit. Seit 2007 wird der kleine Flitzer bei Offroad-Rallyes eingesetzt und gewann sogar 2009 zusammen mit Schauspieler Ralf Bauer die begehrte GORM-Trophäe in Schwerin.

GROM 24h Rennen

Ich durfte kurz vor der Dämmerung hinters Steuer, denn die entscheidenden Stunden des spektakulären Offroad-Abenteuers würden sich in der Nacht abspielen. Ich als nachtblindes Huhn konnte da nur Beifahrer spielen. Zum Glück hatte ich bei meiner Fahrt den Marcus an meiner Seite. Seines Zeichens Instruktor bei Mercedes-Benz Offroad wusste er, wovon er sprach und gab mir während unserer Fahrt wertvolle Tipps, wie ich das Auto und Mensch auf dem unwegsamen Gelände am sichersten und in einem Stück durchbrachte. Meine bisherige Offroad-Erfahrung kam mir da schon zugute, auch wenn ich bislang noch kein Rennen gefahren bin. Trotzdem nahm ich die tiefen Sandabschnitte recht souverän, und wir kamen gut voran. „Anfangs hast du zuviel gelenkt und dadurch kamst du etwas ins Straucheln, was uns beinahe gegen einen Baum gehauen hätte. Aber nach und nach hast du meine Tipps gut umgesetzt. Zudem hattest du einen guten Blick für die Bodenbeschaffenheit. Ich würde auf jeden Fall wieder mit dir mitfahren“, verriet mir Marcus. Na, das ist doch mal ein Wort. Ich verzichtete auf halsbrecherische Geschwindigkeiten, denn bei solchen Begebenheiten wäre es töricht gewesen, seine eigenen Fähigkeiten zu überschätzen. Da hat es schon so manchen ATW oder Quad in der Kurve umgeworfen.

GROM 24h Rennen

Leider musste ich bei Einbrechen der Dunkelheit meine Tour vorzeitig abbrechen, immerhin wollte ich unseren ‚Jimboy’ in einem Stück zurückbringen. Nach mir durfte Nicole ran. Doch leider spielte das Material nicht mehr mit. Aufgrund der immer mühsamer werdenden Piste brach plötzlich die Vorderachse auf der Beifahrerseite. Das Rennen war für uns scheinbar vorbei, und der kleine grüne Flitzer wurde unter den mitfühlenden Blicken aller Teams auf unseren Platz geschleppt. Die Trauer war allen ins Gesicht geschrieben, war der Suzuki Jimny doch noch nie so in Mitleidenschaft gezogen worden.

Achsenbruch beim Suzuki Jimny beim GORM 24h Rennen

Michael über diesen Moment: „Bei unserer fünften Teilnahme an den 24h wurde von mir die Devise ausgegeben: ‚Vorsichtig Fahren und nichts riskieren’. Denn wie jeder weiß: ‚If you want to finish first – first you have to finish’. Aber mal ganz ehrlich, bei diesem hochkarätigen und leistungsstarken Starterfeld hatten wir mit dem kleinen Jimny nur Aussenseiter Chancen. Die Strecke in Jänschwalde kommt besonders Fahrzeugen mit großen Rädern entgegen. Nach gut 3 Stunden war der gut 8 Kilometer lange Rundkurs dann auch schon extrem ausgefahren. Tiefe Löcher und Spurrillen sind für den kleinen Suzuki schwer zu ertragen. Da die Achse gebrochen war, war für mich das Rennen eigentlich schon zu Ende. Kann halt mal passieren. Wer Offroad-Rennen fährt weiß, dass am Fahrzeug auch mal was kaputt gehen kann.“

Urplötzlich tauchte aus dem Nachbarcamp ein tschechischer Kollege auf und begutachtete den Schaden. „Ich repariere dir“ kam es dann im gebrochenen Deutsch aus seinem Munde. „Ich liebe Suzuki Jimny, ich machen heil.“ Mit einem Male befanden sich ca. 10 Tschechen mitsamt Arbeitswerkzeug und Schweißgerät in unserem Camp und machten sich mit vereinten Kräften ans Werk. Binnen einer Stunde hatten sie alles repariert, und wir konnten unsere Jagd wieder aufnehmen. Da sie selbst aufgrund eines Motorschadens wegen Überhitzung ausscheiden mussten, feuerten sie nun unseren grünen Flitzer mit lautstarkem Gebrüll in jeder Runde an. Das ist mal wahre Kameradschaft und Nachbarschaftshilfe.

Reparaturarbeit und wahre Hilfsbereitschaft Suzuki Jimny GORM

Wir waren alle sprachlos vor Dankbarkeit und Freude. Selbst Michael, der als Österreicher wahre Wasserfälle von sich gibt, konnte nur staunen: „ So eine Reparaturaktion habe ich noch nie erlebt. Es war der absolute Wahnsinn.“

„Es war faszinierend zu beobachten, wie die unterschiedlichen Teams einfach zusammengehalten und einander geholfen haben. Das ist bei solchen Rennen nicht unbedingt üblich, dass man sich gegenseitig unterstützt und beim vermeintlichen Rivalen mal eben Reparaturarbeiten leistet. Natürlich hätte unser Fahrwerk ein wenig besser abgestimmt sein können, allerdings war die Achse schon immer unser kleines Problemkind“, sagte auch Marcus, von Michael immer McGyver genannt, der bei einem anderen Team mal eben den Kühler mit Knetmetall reparierte. Wir waren also wieder im Rennen und hatten sogar neue Fans und Freunde dazu gewonnen. Besser konnte es für uns nicht laufen. Nun hieß es aber Zeit wieder gut machen.

Die Hitze des Tages hatte sich mittlerweile gelegt und so auch der Staub, der die Sicht ständig erschwerte. Trotz der besseren Sichtverhältnisse wurde die Strecke immer unwegsamer und bei uns fuhr die Angst vor weiteren Schäden mit. Nach 9 Runden mit Drill-Instruktor Marcus überließen wir die nächsten Runden Nico und seiner Frau, ebenfalls Mitglieder in unserem Team. Ich legte mich gerädert (Achtung, Wortspiel ;)) in eines der Zelte, um wenigstens ein wenig zu schlafen. Dies wurde leider von röhrenden Motoren und Generatoren etwas erschwert, trotzdem war ich einigermaßen fit, als es in der Morgendämmerung weitergehen sollte. Es blieb vorerst bei ‚Sollte’, denn mit einem Mal war der Panhardstab ausgerissen, ein Längslenker gebrochen genauso wie ein Rahmenausleger der die Karrosse hält. Ein anderer Teilnehmer war unvorsichtigerweise, während der Suzuki Jimny in einer Kurve im tiefen Sand stecken geblieben war, hinein gekracht. Dumm gelaufen. So hatten wir keine Chance mehr, das Rennen noch aufzuholen, geschweige die 60%-Fahrzeit, die man bei einem 24-Stunden-Rennen haben muss, einzuhalten.

Lenkachsenbruch beim Suzuki Jimny GORM 24h Rennen

Der Dauerstress, der Kampf mit der Strecke und der Angst vor weiteren Schäden und natürlich das Wissen, die Zeit nie mehr aufholen zu können, hatte die Stimmung im Camp entsprechend getrübt. Die Tschechen hatten aus Wut vor dem vorzeitigen Ausscheiden bereits die Scheiben ihres Fahrzeuges eingeschlagen. Zum Glück waren sie im Reparieren genau so gut, denn so konnten wir nach dem Richten der Lenkachse wenigstens noch einige schöne Runden drehen und tolle Fotos schießen.

Ehrenrunde Suzuki Jimny GORM 24h Rennen

In unserer Klasse bei den Seriennahen Autos (T2) gewannen Hartmut Möbus und Oliver Schwanke mit Mitsubishi Pajero DiD. In der T1 Klasse holte Ellen Lohr zusammen mit Ihren Teamkollegen Ingo Kaldarasch, Stefan Schneider und Markus Paas in ihrem Polaris XP ASS den Gesamtsieg. Auf den zweiten Platz der Prototypen kamen Michael Hinz, Michael Dziambor, Eike Hennies und Mario Giebel in ihrem Mercedes 290GD Turbo. In der Rookie Klasse, die nur 12 Stunden fährt, siegte das MBC Racing Team mit Christopher Thaler und Maik Schlacht mit einem Mercedes G36. Von 43 gestarteten Fahrzeugen schafften es nur 24 bis zum Ende und damit ins Ziel.

Auch wenn wir es nicht geschafft haben, das 24-Stunden-Rennen durchzufahren, so hatten wir doch eine tolle gemeinsame Zeit in der bewiesen wurde, dass Wunder geschehen und auch zwei Mädels in einer vermeintlichen Männer-Domäne noch einiges dazu lernen und noch viel mehr Spaß haben können. Ob mit oder ohne High Heels.

Hier noch ein paar Eindrücke:

Fotos: Simone Amores / Robert W. Kranz

Auch Nicole hat über ihre Eindrücke berichtet: Ich glaub ich hab nen Rad ab!

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Simone Amores
Autos waren schon immer meine Passion, aber erst vor ein paar Jahren fing ich damit an, auch darüber zu berichten. Als freie Online-Journalistin genieße ich die Zeit auf vier Rädern so oft es geht. Neben dem modeln und reisen surfe ich aber auch gerne auf der virtuellen Welle. Frei nach dem Motto: „Lieber dauernd online als ständig von der Rolle.“