Heavy-Duty-Pickups aus den USA — Welcher Koloss ist der Zugkraft-Champion?

In dieser uramerikanischen Fahrzeugklasse ist derzeit viel Bewegung: GMC Sierra HD, Chevrolet Silverado HD und Ram 2500/3500 kommen neu auf den Markt und treten gegen den modellgepflegten Ford F-250/350/450 an. Die US-Kolosse im Datenvergleich.

Schaut man sich die Internetseiten der amerikanischen Autohersteller an und klickt in der Navigation auf „Trucks“, dann scheinen erwachsene männliche Amerikaner ihre Zeit vor allem auf drei Arten zu verbringen: Sie errichten Gebäude und tragen dabei Bauhelme. Sie stapeln Strohballen und tragen dabei Cowboyhüte. Oder sie fahren irgendwohin, ziehen einen Anhänger und tragen dabei Truckermützen. Dabei immer an ihrer Seite: Ihr riesiger, kräftiger und unzerstörbarer Pickup als treuer Begleiter – natürlich in der Heavy-Duty-Ausführung.

Es ist die letzte Fahrzeugklasse, in der die US-Autobauer unter sich sind. Zwar haben die Japaner längst auch Pickup-Trucks im Angebot, und wahrlich keine kleinen. Aber die sind schlicht nicht kernig genug, um mit den Amerikanern mitzuhalten. Wenn es um maximale Zuladung oder Anhängelast geht, macht denen keiner etwas vor. Aktuell ist richtig viel Bewegung im Segment der Heavy-Duty-Trucks, denn im Laufe des Jahres rollen General Motors und Fiat-Chrysler ihre Neulinge in die Schauräume der Händler – vorausgesetzt, in denen ist genug Platz.

GMC Sierra Heavy Duty

Im Spätsommer fährt der GMC Sierra Heavy Duty (HD) des Modelljahres 2020 vor. Er dürfte die erste Wahl für die Hightech-Freaks unter den Pickup-Fahrern sein. Schließlich hat er ein Head-up-Display, das in der Diagonale 15 Zoll misst. Außerdem bis zu 15 Kameraansichten, deren Bilder so übereinandergelegt werden können, dass der Anhänger transparent wird und im Innenspiegel sowie auf dem Touchscreen zu sehen ist, was sich dahinter abspielt. Das kann eine echte Hilfe sein, denn so ein Trailer versperrt ja meist den Blick nach hinten. Optional gibt es eine Art Smart-Home-Funktion: Verfügt ein Wohnanhänger über die entsprechende Technik, lässt sich diese nicht nur mit dem Infotainmentsystem des Sierra, sondern über eine App auch mit dem eigenen Smartphone verbinden und fernsteuern.

Fortschritte gibt es auch bei der Antriebstechnik. Jedenfalls dann, wenn man eine rekordverdächtige Anzahl an Vorwärtsgängen für Fortschritt hält. Mehr als die zehn Gänge der neuen Allison-Automatik im Sierra bietet jedenfalls kein HD-Konkurrent. Das Getriebe ist an einen Duramax-Turbodiesel mit 6,6 Litern Hubraum gekoppelt, der 451 PS leistet und maximal 1.234 Newtonmeter bereitstellt. GMC hält das für ausreichend, um eine maximale Anhängelast von mindestens 13,6 Tonnen zu gewährleisten. Wie hoch der Wert genau ausfällt, gibt die Marke zu einem späteren Zeitpunkt bekannt – genau wie die Preise.

Chevrolet Silverado Heavy Duty

Wenn General Motors schon einmal dabei ist, seine HD-Pickup-Palette zu renovieren, dann konsequent. Also kommt Mitte 2019 auch das Schwestermodell des Sierra, der Chevrolet Silverado des Modelljahres 2020, runderneuert zu den Händlern. Der erhält traditionell dieselben Antriebe wie sein GMC-Pendant, also den 6,6-Liter-Turbodiesel mit Zehn-Gang-Automatik. Als Benziner-Option gibt es einen völlig neuen V8 samt Kraftstoff-Direkteinspritzung und Sechs-Gang-Automatik. Der Hersteller hält sich zu diesem Motor noch bedeckt. US-Medien zufolge soll es sich dabei um ein ebenfalls 6,6 Liter großes Triebwerk handeln, für das mehr als 400 PS und 600 Newtonmeter zur Debatte stehen. Das ist zwar deutlich weniger als beim Diesel, aber spürbar mehr als beim alten Vortec-6,0-Liter-V8 mit 365 PS und maximal 515 Newtonmetern.

Ansonsten lässt sich an den Spezifikationen des 2019er Silverado HD gut erkennen, was diese Fahrzeugklasse auszeichnet. Kunden haben die Wahl zwischen Hinter- und Allradantrieb, zwischen Einzel- (2500HD) und Zwillingsrädern (3500HD) hinten und verschiedenen Karosserievarianten. Neben dem Regular Cab gibt es ein Double und ein Crew Cab, dazu zwei Ladeflächenlängen (2,00 und 2,48 Meter). Entsprechend variiert die Länge des Autos zwischen 5,84 und 6,56 Meter. Es ist davon auszugehen, dass den 2020er Silverado HD ähnliche Werte auszeichnen werden. Auch beim Preis dürfte er sich am Vorgänger orientieren, der mindestens 37.600 Dollar (33.064 Euro) kostet.

Ram 2500/3500

There’s an new benchmark in town: Stärker als der neue Ram Heavy Duty mit 6,7-Liter-Cummins-Turbodiesel ist nämlich keiner der Konkurrenten. Weniger auf die Leistung bezogen, denn die 406 PS des Ram-Diesels toppen sowohl die GM-Pickups als auch jene von Ford. Nein, der Ram legt die Messlatte beim maximalen Drehmoment noch ein ordentliches Stück höher. Die bemitleidenswerte Aisin-Sechs-Gang-Automatik muss mit wahrhaftigen 1.356 Newtonmetern klarkommen – Bestwert im gewiss nicht an motorischer Schwäche leidenden HD-Segment. Dagegen wirken die 582 Newtonmeter des ebenfalls erhältlichen 6,4-Liter-Hemi-V8-Benziners (bei immerhin 416 PS) ziemlich mickrig.

Und wofür das Ganze? Klar, um die maximale Anhängelast, nun ja, zu maximieren. Bis zu 15,9 Tonnen zieht der Diesel-Ram weg. Damit bei derartigen Kraftakten auch alles hält, verfügt der neue Ram 2500/3500 über einen verstärkten Hinterachs-Querträger, der auf Wunsch mit einer Aufliegerkupplung verbunden wird. Dafür werden die Heavy-Duty-Trucks eigentlich gebaut: Um die berühmten Fifth-Wheeler-Caravans oder Gooseneck-Anhänger zu schleppen, die auf der Ladefläche angekoppelt werden. So eine Fuhre sieht dann auch ziemlich beeindruckend aus. Aber auf die Ladefläche darf natürlich auch Frachtgut geladen werden. Im Fall des Ram Heavy Duty beträgt die maximale Zuladung knapp 3,5 – und die erreicht interessanterweise der schwächere Benziner.

Ford F-250/350/450

Im Gegensatz zur einheimischen Konkurrenz belässt es Ford bei seinen Heavy-Duty-Pickups zum neuen Modelljahr bei einer kleinen Modellpflege. Mehr scheint auch nicht nötig zu sein, schließlich ist die F-Serie die mit Abstand meistverkaufte Pickup-Baureihe der USA. Auch die Daten sprechen für den Ford in seiner Workhorse-Variante: Mit 456 PS ist sein Turbodiesel, ein 6,7-Liter-V8, der leistungsstärkste, beim maximalen Drehmoment hinkt er mit 1.268 Newtonmetern dem Ram nur leicht hinterher. Entsprechend zugstark ist der F-250/350/450: Mit den 15,9 Tonnen des Ram zieht er gleich, auch bei der maximalen Zuladung schenken sich die beiden nichts.

Beim Preis herrscht ebenfalls fast Gleichstand: Mit 33.150 Dollar (29.162 Euro) ist der Ford gut 100 Dollar teurer als der Ram, bietet aber einen größeren Variantenreichtum. Beispiel Hinterräder: Der F-250 hat immer Einzelräder, der F-450 stets Zwillingsreifen, für den F-350 gibt es beides. Auch in Sachen Praktikabilität setzt er Maßstäbe. Beispiele gefällig? Es gibt zusätzliche Stauräume unter dem Wagenboden und den Sitzflächen, die hinteren Türen öffnen maximal im 170-Grad-Winkel, und in der fernbedienbaren Ladeklappe versteckt sich eine richtige Leiter, die hilft, die Ladefläche zu erklimmen. Die Konkurrenten bieten hier nur einfache Tritte.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/neuheiten/heavy-duty-pickups-welcher-ist-der-zugkraft-champion/

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