HONDA CR-V im Fahrbericht

Nur selten werden SUV artgerecht gehalten.

Große breite Reifen betteln um Schotter-Pfade, moderne raffinierte Allradantrieb-Systeme lechzen nach sich schnell wechselnden Reibwerten und die Bodenfreiheit würde ausreichen um ganze Gartenzwergkolonien zu beheimaten.

Unter der hohen Motorhaube steckt üblicherweise ein Motor, stark genug um eine ganze Elefanten-Herde zu bändigen. Doch Verwendung findet diese stolze und aufrechte Gattung der Rasse „Automobilus-Bequemus-auch-Geländus-Durchquerus“ oftmals nur als Taxi für den jungen pubertierenden Nachwuchs der Fahrzeugführer oder als von Parkplatznot gegängeltes Reittier für einsame Großstadt-Cowboys.

Ursprünglich gedacht um eine Mormonische Großfamilie komfortabel und sicher von der Farm zur Kirche zu transportieren, hat sich diese Fahrzeuggattung erfolgreich vor europäischen Eisdielen domestiziert.

Und waren es vormals die Hersteller aus den Vereinigten Staaten von Amerika die diese Fahrzeugklasse erfanden, so haben die Europäischen Hersteller der SUV-Fangemeinde elegante, besser verarbeitete, noch luxuriösere und manchmal völlig unsinnige urbane Egoverstärker beschenkt.

Weitgehend unbekannt ist jedoch die Tatsache, dass es die japanischen Hersteller waren, die bereits vor der überschwappenden Modewelle auch in Deutschland Fahrzeuge in der „SUV-Klasse“ anboten. Denen gemein war jedoch die typische japanische Bescheidenheit. Der Japaner an sich, der trägt den Nerz eben nach innen.

Angeben ist keine Stärke der Japanischen Kultur. Und so waren der Toyota RAV4 und auch der Nissan-X Trail immer nur Lückenfüller, einer vermeintlich unnötig kleinen Lücke. Und so kommt es, das auch die SUV-Modelle von HONDA schon lange auf dem deutschen Markt sind, aber – gekennzeichnet durch wenig aggressives Design, die Neid-Debatte rund um das Thema SUV eher unbetroffen überstanden.

Mein Testwagen der letzten 14 Tage war der HONDA CR-V 2.2i DTEC.

Und um es vorneweg zu sagen: „Einen SUV, wollt ich nie.“

Denn für mich verkörpert ein SUV alles, was auf der asphaltierten Straße unsinnig ist. Der Schwerpunkt ist zu hoch, der Luftwiderstand zu groß, der Verbrauch unvernünftig und der Platzbedarf egoistisch. Und ich persönlich fahre zu 99,9% auf vollständig ebenen Autobahnen und Landstraßen.

Das erste was mir positiv auffiel, war der freundliche Gesichtszug des HONDA CR-V. Natürlich ist auch der HONDA SUV ein großer Wagen. Jedoch ist es den Japanern gelungen, dieses „Comfortable Runabout Vehicle“ weniger angeberisch erscheinen zu lassen, als es das Groß der auf unseren Supermarkt-Parkplätzen heimischen Stellplatz-Vernichter tut.

„Comfortable Runabout Vehicle“ – so haben die HONDA-Marketing-Experten ihren SUV getauft. Das erklärt auch was der HONDA eher sein soll: Ein „komfortables umher-darüber-hinweg Fahrzeug.“ (sehr frei übersetzt.)

Der zweite Eindruck hat mir sogleich erklärt, weshalb viele Autofahrer auf diese Autoklasse stehen: Es ist das sitzen. Klingt perplex? Okay, das komfortable einsteigen, um mit dem Hintern bequem hoch zu sitzen, darauf stehe ich jetzt auch. Anders als bei der klassischen Limousinen ist die Sitzhöhe sehr nah auf der Höhe der Durchschnitts-Hintern. Das macht aus dem „einsteigen“ ein „darauf gleiten“. Und beim aussteigen ist das Spiel ebenso bequem, nur andersherum.

Anstatt wie bei unserem letzten Testwagen, dem Porsche Cayman, den Porsche bildlich gesprochen „auszuziehen wie einen passenden Turnschuh“ und sich in die lichte Höhe über das Fahrzeug hinauf zu ziehen, lässt man bei einem SUV einfach die Füße auf den Boden fallen und stellt sich ohne Kraftanstrengung hin. Mit fortschreitendem Alter oder weniger sportlicher Körperfigur fällt die Lieblingsmethode zum „besteigen“ eines Automobils somit ganz klar definiert aus. Es ist der SUV der mit seiner Arthrose und Rückenschmerz-gerechten Sitzhöhe das Rennen gewinnt.

Mein CR-V Testwagen, der wieder von den freundlichen Jungs aus der HONDA-Zentrale zur Verfügung gestellt wurde, war mit allem ausgestattet was das Honda Zubehör-Programm so hergibt. Als HONDA CR-V 2.2i DTEC in der Ausstattungslinie Executive bereits gut ausgestattet (klick) kamen zusätzlich so angenehme Details wie das Abstandsrader für den Tempomaten oder das dynamische Xenon-Kurvenlicht hinzu.

Ebenso mit an Bord und für mich ein ewiger Quell des Ärgers: Das Navi-Hifi-Touchdisplay System. Ganz ehrlich, dieses System braucht man sich nicht als Extra in seinen HONDA bestellen. Mich hatte das schlecht aufgelöste pixelige Display mit seiner fast 8-Bit Grafik schon im HONDA CR-Z genervt. Die Bedienlogik des gesamten Systems ist mangelhaft und der Aufpreis von 2.250,–€ eher in ein portables Navi oder ein entsprechendes Smartphone investiert. Und von der Preis-Differenz macht man sich ein paar schöne Tage mit seinem neuen Auto in der Toskana. (Freut die Frau, den Hund und schont die Nerven…)

Wieder einmal bin ich positiv überrascht, denn das doofe DVD-Navigationssystem ist tatsächlich die Hauptkritik was Ausstattung und Verarbeitung angeht. Natürlich sind in einem Audi oder BMW die verwendeten Materialen in Ihrer Haptik immer noch ein Hauch exclusiver, aber dieser Punkt ist mittlerweile derart abgelutscht, das ich da auch nicht mehr näher drauf eingehen werden.

Zeit um den 2.2l 4-Zylinder Direkteinspritzer Diesel Motor anzuwerfen und mit dem hoch positionierten Schalthebel die ersten Gänge zu wechseln. Die ersten Meter im SUV sind für einen Kleinwagenfahrer und Kombi-Fan wie mich ungewohnt – aber verflucht angenehm. Der Druckpunkt der Kupplung ist fein definiert und der Hubraumstarke Diesel zieht bereits aus niedrigen Drehzahlen mit der überzeugenden Kraft seiner 350Nm kraftvoll durch und überzeugt dabei mit einer für einen direkteinspritzenden Dieselmotor mustergültigen Laufruhe.

Bereits wenige hundert Meter  später, im üblichen Stadtverkehrstempi verschwindet das Motorgeräusch fast vollständig in den Hintergrund und aus dem Taxitypischen Diesel-Hintergrundgetackere wird eine Melange aus kumpelhaftem 4-Zylinderbrummen und verläßlichem Turboladersummen.   Der Motor, der klassenüblich ein Langhuber ist, aber mit eher klassenunüblichen 2.2l Hubraum aufwartet ist ein Sahnestück und paßt mit der gewählten Getriebeabstufung des manuellen 6-Gang Getriebes zu diesem Auto in einer Perfektion die wahre Fahrfreude bereitet.

Bei vielen Turbodiesel-Direkteinspritzer Fahrzeugen ist der erste Gang extrem kurz gewählt um die oftmals vorhandene Anfahrschwäche ob des Turboloches zu kaschieren. Der HONDA CR-V glänzt hier sowohl mit einer stimmigen Abstufung zwischen dem ersten und zweiten Gang, einer passenden Spreizung bis hoch zum 6.ten, als auch mit der nahezu vollständigen Abwesendheit der Turbogedenksekunde.

Ganz klar. Was HONDA da bereits seit 5 Jahren unter dem etwas umständlichen Begriff „Comfortable Runabout Vehicle“ im Programm hat, gehört zu den meist unterschätzenden Familien-Fahrzeugen. Und ich sitze bequem soviel höher als sonst, nutze die Armlehne meines Sitzes und frage mich, weshalb ich immer so ein Sturkopf bin und noch nie zuvor einen SUV getestet habe.

Auf der Autobahn A3 zwischen Frankfurt und Würzburg wird mir dann bewusst: Ein Tempomat ohne Abstandsrader ist Blödsinn. Der von mir gefahrene HONDA CR-V bringt dieses Komfort und Sicherheits-Goodie als Extra im „Safety Paket“ mit.  Dazu gehört ein von HONDA „CMBS „Collision Mitigation Brake System“ getauftes Sicherheitssystem, welches den Abstandsrader nicht nur für die Tempomat-Steuerung nutzt, sondern auch vor Auffahr-Unfällen warnt und im Falle des Unfalles, bereits vor dem „Einschlag“ selbsttätig bremst und die Gurte straff zieht.

Als Teil des Tempomates ist dieses Abstandsradar einfach nur genial. Im Verkehr mitschwimmen wird endlich auch in der Tempomat-Einstellung möglich. Als Teil dieses Unfall-Präventiv-Pakets muss man sich jedoch daran gewöhnen, auf Landstraßen während eines Überholvorganges bereits etwas früher auszuscheren. Mir ist es hin und wieder passiert, das ich auf der Landstraße einen LKW überholen wollte und zu flott und zu dicht auf den LKW aufgefahren bin, bevor ich ausgeschert bin. Das CMBS bremst in dieser Situation, warnt per Piepston und einem Warnsymbol im Cockpit und ebenso spannen sich die Gurte vor und rucken sich in Erwartungsposition. Ähnliches kann auch in Ortschaften vorkommen, wenn vor einem jemand in eine Hoffeinfahrt abbiegen will und deutlich langsamer wird. Man selbst erkennt noch keine Gefahren-Situation, aber das CMBS warnt bereits. In Summe überwiegt der Sicherheitsvorteil und ganz nebenbei, erzieht es einen zu ein wenig mehr Abstand ;). (Denn das scheint bei mir in den letzten 18 Jahren seit der Führerscheinprüfung dann doch ein wenig in Vergessenheit geraten zu sein.)

Üblicherweise nutzt der HONDA CR-V seinen Allradantrieb nicht. Was auf den ersten Blick nach einer Mogelpackung erscheint, ist unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit sinnvoll. Ein permanenter Allradantrieb hat nicht nur Vorteile. Denn je mehr Antriebs-Komponenten im Fahrzeug bewegt werden, desto höher ist der Reibungswiderstand und damit auch der Spritverbrauch. Im Sinne der Ökonomie ist es daher sinnvoll, den Allradantrieb nur dann zu nutzen, wenn dieser auch gebraucht wird. HONDA hat dem CR-V hierzu ein „Dual-Pump“ genanntes System spendiert, das sobald an der Vorderachse Schlupf entsteht, die Kraft auf die Hinterachse weiterleitet. Das System arbeitet mit einer deutlichen Verzögerung und da auch keine manuellen oder automatischen Differentialsperren zu dem Antriebs-Package des CR-V gehören, ist der Zweck des Allradantriebes ganz klar nicht im extremen Geländeeinsatz zu suchen. Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen.

Was Otto-Normalautofahrer unter „Gelände“ versteht, meistert auch ein HONDA CR-V mit der Leichtigkeit von 1,7to Leergewicht . In der Zeit in der ich den CR-V bewegen durfte, habe ich mein ganz eigenes „Gelände-Test-Programm“ durchgeführt:

4 Disziplinen wurden erprobt:

  • Bürgersteig-Extrem-Klettern
  • Waldweg-Pfützen-Rafting
  • Schotterweg-Rinnsal-Weithüpfen
  • MiniGolf-Hindernis-Parcour Rückwärts einparken nach Geräusch.

In allen Disziplinen hat der CR-V 10 von 10 Punkten erreichen können.

Ernsthaft:
Unser Hund mochte den CR-V. Er ist, obwohl selbst nicht der Größte –  mit Leichtigkeit über die Ladekante in den Kofferraum gesprungen – was ebenso als Synonym für einen einfach beladbaren und großen Kofferraum steht. Besonders sinnvoll fand er vermutlich, das ich mich mit dem CR-V getraut habe, auch mal entlegenere Waldwege zum Gassi gehen anzusteuern, denn die vergrößerte Bodenfreiheit ist es, die aus einem Soft-SUV, gegenüber einem klassischen Kombi , ein Vielzweck-Fahrzeug macht.

Auf der anderen Seite ist es gerade die Bodenfreiheit und der damit auch erhöhte Schwerpunkt, der aus einem SUV einen torkelnden Seeman auf Landgang werden lässt. Der HONDA CR-V hat mich aber auch in diesem Punkt positiv überrascht. Denn HONDA hat sein „comfortable runabout vehicle“ mit einer straffen Abstimmung auf die Straße geschickt. Er lenkt sauber ein, untersteuert erst bei stumpfer Übertreibung und bleibt auch bei mehrmaligen Richtungswechsel ein allseits vertrauensvoller Begleiter.

Wenn ich nun 10 Kritikpunkte am HONDA CR-V aufzählen müsste, so würde meine Liste aus folgenden Punkten bestehen: Dem Navigations-DVD-System, dem Navigations-DVD-System, dem DVD-Navigations-System, dem Infotainment-DVD-Navigationssystem und dem Navigations-DVD-System, dem Navigations-DVD-System, dem DVD-Navigations-System, dem Infotainment-DVD-Navigationssystem, dem DVD-Navigations-System und dem Infotainment-DVD-Navigationssystem bestehen.

Sie fragen sich ob ich dafür bezahlt wurde?

Nein, weder von HONDA – noch von TomTom (oder Navigon, oder Falk oder Becker…) (Angebote eines Navigiations-Geräteherstellers bitte per eMail!)

Der HONDA CR-V hat einfach Spass gemacht und ist das ideale Auto für Familien mit (und ohne) Hund, die es sich leisten können bei der Anschaffung eines Autos auch mal in eine andere Klasse als die Golf-Klasse zu schauen.

Ob ich mir einen HONDA CR-V kaufen würde? ….ja, aber nicht weitersagen. Jedoch würde vermutlich meine Frau mehr damit fahren…die steht nämlich total auf SUVs.

Previous ArticleNext Article
Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen