Irre Exoten auf dem Genfer Auto Salon 2018 — Flugautos, 500-km/h-Flundern, 6-Rad-Fantasien

Elektromobilität hin, Diesel-Drama her, auf dem Autosalon in Genf gibt’s einen Fachbereich, der immer Konjunktur hat: Exoten. Ein herrlicher Ausflug zu den kleinen Stars und großen Visionen der Messe.

Sie kennen das Problem sicher: Nach vielen Generationen im Schmuck- und Juwelen-Geschäft fühlt man sich chronisch unterfordert, leer und ausgebrannt. Warum also nicht das Hobby zur Hauptbeschäftigung machen und einfach mal ein Auto bauen. Einen Sportwagen. Den schnellsten der Welt, um genau zu sein. Klingt wie eine echte Schnapsidee, kann in Genf aber tatsächlich „bewundert“ werden. Missile heißt der Sportwagen, mit dem sich die Familie Corbellati ein automobiles Denkmal setzen will. 500 km/h soll die sehr klassisch gezeichnete Rakete schnell sein, wenn sie dann mal komplett fertig ist. Woran natürlich nicht der Hauch eines Zweifels besteht. Mal sehen, was vom Traum der Corbellatis im nächsten Jahr noch übrig ist.

Nicht ganz so schnell, aber immer lustig und auch 2019 ganz sicher wieder am Start: Ein neues „Auto“ von Franco Sbarro. Diesmal hat der eigenwillige Designer unter anderem den 4×4+2 dabei. Ein Geländewagen mit zwei „Reserverädern“, die helfen sollen, über steile Kuppen zu klettern. Frei nach dem Motto „Fahren Sie dorthin, wo noch nie jemand zuvor gewesen ist“, entfällt das Design in eine ganz ähnliche Kategorie. Obwohl es bei genauerem Hinsehen für die ganz krassen Gelände-Ausflüge ein bisschen mehr Federweg sein dürfte. Aber der 4×4+2 lässt keinen Zweifel daran, dass sein Schöfer auch den noch unterbringen könnte.

Autos gehen in die Luft

Zwei Autos gibt es da in Genf, die nicht die schnellsten oder schönsten sein wollen. Nein, was diese beiden im Sinn haben, ist es, in ungeahnte Höhen aufzusteigen. Präzise: In den zivilen Luftraum. Zum einen gäbe es da den Pal-V Liberty, das erste Serien-Flugauto der Welt. Natürlich stammt dieser „fliegende Holländer“ aus den Niederlanden. Die Auslieferung beginnt noch Ende diesen Jahres. Der Liberty ist eine Kreuzung aus Dreirad mit Neigetechnik, Hubschrauber und Flugzeug. Für das Ausfahren der Aero-Elemente – sprich um sich flugbereit zu machen – benötigt das Gefährt zwischen drei und fünf Minuten. Dann geht es auf maximal 3.500 Meter Höhe über eine Strecke von bis zu 500 Kilometer und das mit konventionellem Benzin von der Tankstelle. Zu haben ist das Flugauto ab 300.000 Euro plus Steuern. Vorausgesetzt Sie verfügen neben dem Führerschein noch über eine Fluglizenz.

Und dann wäre da noch – ein Stück weiter von der Serienreife entfernt – der Pop Up Next von Audi und Italdesign. Ein Auto, das über ein zusätzliches Flugmodul von Flugzeugbauer Airbus verfügt. Dieses kann sich bei Bedarf autonom am Auto-Dach andocken und hebt die Fahrerkabine so in die Lüfte. Die Räder verbleiben dann am Boden, denn das Fahrgestell ist ebenfalls nur ein modularer Teil dieses Konzepts.

Sportwagen, Kunst oder Katastrophe?

Bei manchen Ausstellungsstücken weiß man nicht so recht, an welchem Auspuff Designer und Ingenieure da eine Nase zu viel genommen haben. Was den Sin Cars S1 betrifft, dürfte auch der gestandendste Motorjournalist zumindest einen Moment lang sprachlos in sich kehren. Die Beschreibung „organische Formen“ war noch nie so treffend und doch so weit weg von dem, wofür sie sonst gebraucht wird. 2019 soll das extrovertierte Auto der bulgarischen Marke in Produktion gehen und als Plug-In-Hybrid, Elektroauto und Zweiliter-Turbo zu haben sein. Die Preise beginnen laut Broschüre bei 49.900 Dollar. Zu teuer? Dann aufgepasst: Wer schon jetzt ein Exemplar reserviert, erhält einen 10-prozentigen Nachlass auf den Wagenpreis. Sollten Sie nun schwach werden, schicken Sie uns unbedingt ein Foto davon, wie Sie mit ihrem S1 vor der örtlichen Eisdiele parken.

Da ist der Eadon Green Zeclat schon eher ein Kunstwerk geworden, nicht allein wegen der changierenden Lackierung. Das Retro-Mobil wirkt an sich recht britisch, ist aber im Herzen ein echter Amerikaner. Unter der Haube schlägt nämlich die Maschine aus der Corvette C7 – bedeutet: 6,2-Liter-V8 mit 460 PS. Den 30er-Jahre-Style-Sportwagen gibt es entweder als Siebengang-Handschalter oder Achtgang-Automatik. Moderne Connectivity-Optionen sind auch an Bord, obwohl man das auf den ersten Blick ja kaum glauben mag. Anders als der Eadon Green, sind die Autos von David Brown Automotive tatsächlich durch und durch britisch. Hier werden nämlich klassische GTs auf der alten Jaguar XK-Plattform gebaut, wie etwa der Speedback, der in Genf als Hochleistungsversion „Silverstone Edition“ steht.

Wie exotisch es in Genf zugeht, welche automobilen Visionen noch gesponnen werden und worüber mancher nur den Kopf schütteln kann, sehen Sie in unserer Bildergalerie.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/auto-salon-genf-2018-exoten-sportwagen-studien-conceptcars/

Previous ArticleNext Article