Kinder im heißen Auto — 2018 Jahr starben 52 Kinder den Hitzetod

Tödliches Vergessen: Im Schnitt sterben in den USA pro Jahr fast 40 Kinder zurückgelassen im Auto. Seit 1998 waren es bis heute 801. Trotz jährlich wiederkehrender Warnungen lassen Eltern im Sommer immer noch Kleinkinder im Fahrzeug zurück. Eine bestürzende Statistik weist das Jahr 2018 mit 52 toten Kindern als trauriges Rekordjahr aus.

In den USA sind Warnhinweise an nahezu jeder Ecke zu lesen. Auf Kinderwagen steht „Vor dem Zusammenklappen Kind herausnehmen“, auf dem Kaffeebecher „Inhalt könnte heiß sein“ und auf der Mikrowelle „Keine Tiere oder Kinder hineinpacken“. Was aber anscheinend viel wichtiger wäre, sind Warnhinweise auf, in und um Autos herum mit der Aufschrift: „Bei heißen Außentemperaturen Kind nicht im Auto zurücklassen.“ Denn in den vergangenen 20 Jahren starben durch diese Art von Nachlässigkeit, Schusseligkeit oder einfach auch Dummheit 801 Kinder in den USA.

Kurz zur Erklärung, was sich bei einem qualvollen Hitzetod abspielt: Zunächst verliert der kleine Körper Wasser und Mineralien, das Blut verdickt. Schwindel, Übelkeit und ein unregelmäßiger, erhöhter Puls sind die Folgen. Hinzu kommen Bewusstseinsstörungen und Krampfanfälle, in ganz schlimmen Fällen kann es zur Schwellung des Gehirns kommen. Tritt keine Besserung ein, verlieren sie das Bewusstsein. Und wenn das niemand bemerkt, wachen sie vielleicht nie wieder auf. Solch ein Todeskampf im Kindersitz kann 30 Minuten andauern.

Das Fatale: Selbst bei frühlingshaften 20 Grad beträgt die Temperatur im Auto nach 30 Minuten hochsommerliche 36 Grad. Viel schlimmer sieht es bei 30 Grad und mehr aus: Bei 34 Grad Außentemperatur erhitzt sich das Fahrzeuginnere nach 30 Minuten auf 50 Grad! Erste Hilfe reicht dann schon nicht mehr aus. Der Notarzt muss her.

Internetseite des Grauens

Wie oft der Notarzt in den USA in den vergangenen 20 Jahren auch nichts mehr retten konnte, ist äußerst eindrucksvoll auf der Internetseite NoHeatStroke.org dargestellt. Einer Internetseite, die sowohl grafisch als auch tabellarisch Auskunft darüber erteilt, wo welches wie alte Kind gerade oder seit 1998 im Auto an Überhitzung verstorben ist. Jedes Jahr kommen rund 40 Namen hinzu. Die traurige Nummer 800 war ein vierjähriger Junge in St. Paul, Minnesota, der am Samstag tot aufgefunden wurde, nachdem er stundenlang im heißen SUV seines Vaters zurückgelassen wurde, während dieser bei der Arbeit war.

Im vergangenen Jahr 2018 wurde ein neuer Rekord aufgestellt: 52 tote Kinder. Der Rekordmonat ist der Juli. Im Jahr 1999 sind genau in diesem Todesmonat 16 Kinder den Hitzetod gestorben. Es geht sogar so weit, dass nach Unfällen der Hitzetod der häufigste Todesursache für Kinder unter 14 Jahren ist. Der 19. März eines jeden Jahres ist rein rechnerisch als Start in die Hitzetod-Saison errechnet worden. Die meisten Kinder starben an einem Donnerstag (138) und Freitag (137). 32 Prozent der toten Kinder haben nicht einmal ihren ersten Geburtstag erlebt. Zu 38 Prozent war die Mutter, zu 25 Prozent der Vater für den Tod verantwortlich. In über der Hälfte der Fälle (54 Prozent) wurden die Kinder schlicht vergessen. Interessanter Weise fanden 52 Prozent der Unfälle vor dem eigenen Haus und nur 24 Prozent bei der Arbeit statt. 16 Kinder starben im Auto, während die Eltern in der Kirche waren. Die US-Bundesstaaten mit den meisten Todesfällen sind Texas (119), gefolgt von Florida (88) und Kalifornien (48).

Dieser Artikel entstand, als die Website 800 tote Kinder vermeldete. Bis zur Fertigstellung des Textes war die Zahl schon wieder veraltet. Jetzt sind es 801 Kinder, die den Hitzetod starben (Stand 9.5.2019, 16:00 Uhr).

Vergessen ist menschlich – aber leider auch tödlich

Mit der Einführung des Airbags auch auf der Beifahrerseite mussten die meisten Kinder in ihren Kindersitzen in der zweiten Sitzreihe Platz nehmen – ein tödlicher Tausch. Denn „das Vergessen eines Kindes im Auto kann jedem passieren“, sagt Gene Brewer, Psychologe der Arizona State University. „Oft sind die Eltern einfach abgelenkt. Dabei gibt es keinen Unterschied zwischen Alter, Klasse oder Persönlichkeit. Funktional macht unser Gehirn keinen großen Unterschied zwischen dem Vergessen des Schlüssels und dem Vergessen des eigenen Kindes im Auto“, so Brewer.

Quelle: https://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/kinder-hitzetod-auto-usa-statistik/

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