Kritik am Comand-System der neuen S-Klasse

Man wird meine Kritik am Multimedia-System der kommenden S-Klasse nicht gerne lesen – schon gar nicht in Stuttgart, aber es gibt für mich derzeit ein paar Punkte, die ich noch nicht als „Best of Class“ akzeptieren kann.

Diese Eindrücke und meine Sichtweise beruhen auf den Präsentationen die ich bislang miterleben durfte und entstammen natürlich meinem Verständnis für „Das Beste oder Nichts“ – und sind eventuell für die kommenden Käufer der neuen S-Klasse überhaupt nicht relevant. Sicher, was Sitzkomfort und den Wellness-Faktor der Stuttgarter Luxus-Limousine angeht, da besteht für mich – Stand heute – kein Zweifel. Da wird man eine Benchmark setzen können. Vermutlich auch bei der Beschallung, vorausgesetzt – die Burmester-Anlage mit 24 Lautsprechern und 3 Soundprozessoren ist optional bestellt worden.

ABER – was Multimedia und Internet im Auto angeht, wurden entweder noch nicht alle Geheimnisse gelüftet, oder man steuert in Stuttgart auf eine Blamage zu.

Meine Kritik im Detail:

Touch-Screen

Die Abneigung der Mercedes-Konstrukteure gegenüber Touchscreens hat sich auch bis zu mir durchgesprochen und ich verstehe den Gedanken dahinter. Nicht verstehen kann ich jedoch die „und/oder-“ Abneigung. Wer auf den Comand-Controller und Drehdrück-Steller in Verbindung mit haptisch bestens ausgearbeiteten Knöpfen steht, kann dies ja tun – doch sollte man den Kunden entscheiden lassen, welches Bedienkonzept er favorisiert.  Die zukünftig 8 Zoll großen Monitore im Cockpit der S-Klasse sind nicht wirklich so montiert, dass man in der ersten Reihe als Fahrer darauf herum drücken möchte. Aber eventuell als Beifahrer.

Besonders eklatant ist jedoch die Verweigerung, der zweiten Sitzreihe eine Touchscreen-Nutzung zu ermöglichen. Die (optional)  hinter den Kopfstützen der ersten Reihe montierten 8 Zoll Displays laden, auch aufgrund der Optik des Comand-Systeme, geradezu dazu ein mit der Hand per Wisch und Touch bedient zu werden.

Statt dessen setzt man auf eine nachgeschoben wirkende App-Lösung für Smartphones und eine umprogrammierte TV-Fernbedienung mit Batterien.  Nein. Ich will weder mein Smartphone zücken, noch nach einer Fernbedienung suchen müssen.

Fernbedienung und Batterien

Wäre die Fernbedienung doppelt verfügbar und würde sie ihren Platz unterhalb der Monitore finden und dort einen Ladekontakt bekommen, so dass man nie in die Verlegenheit von leeren Batterien kommt – ich könnte es eventuell verstehen. Aber diese Lösung mit Fernbedienung und Batterien, die war im W140 vor zwanzig Jahren schick. Heute erwarte ich andere Lösungen

GSM-Box

Das Navigationssystem der S-Klasse besitzt ein GSM-Modul, damit man nicht nur die aktuellsten Verkehrsinformationen für die eigene Routenführung erhält, sondern damit man auch selbst Teil des intelligenten Verkehrsfluss wird und eigene Reiseinformationen für die clevere Wegführung an einen Server im Dienste von TomTom senden kann.

Soweit so gut und für 3 Jahre auch im Preis der neuen S-Klasse enthalten. Nach drei Jahren wird dieser Datendienst für das Navigations-System kostenpflichtig.  Eine – pardon – saudumme Variante.

Und weil dieses GSM-Modul nichts mit dem Internet für das Comand-System zu tun hat, braucht man hierfür wiederum ein eigenes Smartphone, das dann den Zugang zum Netz ermöglicht. Wieso man hier nicht beides kombiniert? Warum man nicht einen LTE-Hotspot im Fahrzeug mit der Möglichkeit einer Kunden-Multi-Simcard ermöglicht?

Wie der Kunde die modernen Datendienste nutzt wenn er sein Smartphone im Büro hat liegen lassen? Weshalb er die Verkehrsdienste nicht über die Datenverbindung seines Smartphones nutzen kann?

Diese Fragen bleiben offen. 

Auch die Integration von Apps direkt in das Multimedia-System des Fahrzeuges wirkt derzeit noch ein wenig  (mindestens): halbgar. Als eine mittlere Katastrophe würde ich es sogar bezeichnen, wenn es einer „Drive-Kit Plus“ Nachrüstlösung bedarf, um wie in der A-Klasse die Dienste von Facebook, Twitter und Glympse zu nutzen.

Nein – hier wurde ganz sicher nicht zu Ende gedacht.  Und wieder die Frage, weshalb man nicht dem Kunden die Wahl lässt, ob er Datenverbindungen über sein Smartphone nutzt, oder ob er lieber eine SIM-Karte (seiner Wahl!) in einen LTE-Hotspot steckt.

Besonders putzig finde ich jedoch die analogen AV-Eingänge.

Manch einer wird sich noch erinnern. Früher – da hatte man diese runden Cinch-Kabel um zum Beispiel eine Playstation 2 an den TV an zu schließen, dafür nutzte man solche Audio/Video Cinch-Kabel.  Das war früher. Ein HDMI oder Micro-HDMI Eingang für externe Quellen fehlt in der neuen S-Klasse. Ernsthaft?

Dafür gibt es in der Mittelarmlehne, vorne wie hinten, zwei USB-Buchsen. Immerhin. 

Bleibt am Ende die Forderung: Nachbessern! 

 

 

 

Previous ArticleNext Article
Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen