Mercedes-AMG A35 (2019) — 306 PS starker Einstieg in die AMG-Welt

Der Mercedes-AMG A35 4-Matic positioniert sich in der riesigen Leistungskluft, die zwischen dem A 250 und dem künftigen A45/A50 aufgeht. Mit 306 PS, variablem Allradantrieb, einstellbarem Fahrwerk und elektronischen Gimmicks kommt er Anfang 2019 auf den Markt.

Möglicherweise tut man dem neuen Mercedes-AMG A35 ein bisschen unrecht damit, aber es ist auch nicht komplett von der Hand zu weisen: Er ist ein Lückenfüller, und zwar in zweierlei Hinsicht. Erstens, weil er die Zeit überbrückt, bis endlich die neue, über 400 PS starke High-End-A-Klasse kommt, die als A45 oder A50 erst 2019 auf den Markt kommt. Und zweitens, weil dann leistungsmäßig eine riesige Kluft zur derzeit stärksten Normalo-A-Klasse, dem A 250 mit 224 PS, klaffen wird. Also macht Mercedes das, was Audi mit dem S3 und BMW mit dem M140i schon eine ganze Weile vorexerzieren: Sie legen eine zwar sportive, aber nicht ganz so extreme Performance-Variante auf.

Zweiliter-Turbobenziner mit 306 PS und 400 Nm

Mercedes-AMG setzt im A35 den aus dem A 220 und 250 bekannten Zweiliter-Turbobenziner mit dem Werks-Code M 260 in einer neuen Leistungsstufe ein. Er liefert 306 PS und ab 3.000 Umdrehungen ein maximales Drehmoment von 400 Newtonmetern. Den Sprintwert von Null auf Hundert gibt Mercedes-AMG mit 4,7 Sekunden an. Zum Vergleich: Der 310 PS starke Audi S3 Sportback sprintet in 4,6 Sekunden von Null auf Hundert. Dieselbe Übung gelingt dem allradgetriebenen M140i in 4,4 Sekunden. Der elektronische Topspeed-Wächter greift bei allen dreien bei 250 km/h ein.

Den beim BMW aufpreispflichtigen Allradantrieb haben der Audi und der Mercedes serienmäßig unter dem Blech. Der A35 4Matic nutzt ein System mit Lamellenkupplung, das je nach Fahrsituation die Kraft elektromechanisch zwischen den Achsen verteilt. Normalerweise ist er als Fronttriebler unterwegs, bei Bedarf kann er aber stufenlos bis zu 50 Prozent der Motor-Power an die Hinterachse weiterleiten. AMG hat dem Allradsystem verschiedene Modi verpasst: Ist ESP aktiviert, befindet es sich in der Komforteinstellung. Wechselt der Fahrer in die Sport-Handling-Abstimmung oder schaltet den Schleuderschutz aus, switcht der Allradantrieb in eine dynamische Konfiguration mit nach oben verschobenen Grenzbereich.

Fünf Fahrmodi und „AMG Dynamics“ mit zwei Gesichtern

Insgesamt erlaubt der Mercedes-AMG A35 viele elektronische Fahrdynamik-Spielereien. Gleich fünf Fahrprogramme, die das Ansprechverhalten von Motor und Getriebe ändern, sollen eine große Spreizung von komfortabel bis dynamisch gewährleisten. Zu „Comfort“, „Sport“, „Sport+“ und „Individual“ gesellt sich der „Glätte“-Modus, der mit reduzierter Leistung, sanften Gangwechseln und frühem Hochschalten zu einem besonders sicheren Fahrverhalten auf rutschigem Untergrund führen soll. Wer die individuelle Einstellung wählt, kann einzelne Parameter beliebig miteinander kombinieren.

Darüber hinaus spendiert AMG weitere Funktionen zur Schärfung der Fahrdynamik. Eine heißt „AMG Dynamics“ und sie zeigt von sich zwei Gesichter. In den Modi „Glätte“ und „Comfort“ präsentiert sie sich von ihrer stabilisierenden Seite. In den sportlichen Abstimmungen dagegen nutzt sie das ESP, um das Auto mit einem kurzen Bremseingriff am kurveninneren Hinterrad noch zackiger einlenken zu lassen. Die Vorderräder hängen übrigens an McPherson-Federbeinen. Hinten sind Vierlenker-Achsen (drei Quer- und ein Längslenker pro Rad) installiert. Die Dämpfer lassen sich vom Cockpit aus dreistufig verstellen.

Doppelkupplungsgetriebe mit Spaß-Funktionen

Eine Besonderheit des „Sport+“-Modus‘: Beim Herunterschalten vollzieht das Getriebe automatisch Zwischengasstöße. Die Schaltarbeit erledigt – wie in der A-Klasse üblich – eine Doppelkupplungs-Box mit sieben Fahrstufen und AMG-Feinschliff. Sie schaltet automatisch, erlaubt aber auch manuelle Gangwechsel über Lenkradpaddel. Außerdem verfügt es über eine Race-Start-Funktion: Eine Art Launch-Control, die Drehzahl und Kraftübertragung für eine maximale Beschleunigung aus dem Stand optimiert.

Gebremst wird mit innen belüfteten und gelochten Scheiben, die in ihren Dimensionen (350 Millimeter Durchmesser vorne, 330 Millimeter hinten) denen des derzeitigen A45 AMG entsprechen. Die elektromechanische Lenkung ist variabel übersetzt und arbeitet geschwindigkeitsabhängig. In der Abgasanlage sitzen automatisch gesteuerte Abgasklappen, allerdings komponiert die Elektronik den Motor- und Auspuff-Sound je nach gewähltem Fahrprogramm um.

AMG-Insignien und 18-Zoll-Räder

Die Designer haben viele Register gezogen, um den A35 4Matic als vollwertiges Mitglied der AMG-Familie kenntlich zu machen. Dazu gehören der Kühlergrill mit Doppellamelle und AMG-Schriftzug sowie die Frontstoßstange mit mehreren Spoilerchen ebenso wie die Seitenschwellerverkleidungen und einige Elemente am Heck: eine Abrisskante und eine Schürze mit Diffusoreinsatz, der auf beiden Seiten von runden Endrohrblenden begrenzt wird. Serienmäßig sollt der A35 auf 18-Zoll-Leichtmetallrädern im Doppelspeichendesign. Die 19-Zöller des Fotofahrzeugs sind ebenso aufpreispflichtig wie der Dachflügel, der zum optionalen Aerodynamikpaket gehört.

Selbstverständlich übernimmt die zahme AMG-Version das MBUX-Infotainmentsystem aus den schwächeren A-Klasse-Varianten, das nicht nur mit seiner lernfähigen Sprachsteuerung Maßstäbe in der Kompaktklasse setzt. Zentrale Elemente des Systems sind die Displays hinter dem Lenkrad und über den mittleren Lüftungsdüsen, die dank eines gemeinsamen Deckglases zu einem breiten Monitor verschmelzen. Die darauf präsentierten Anzeigen erscheinen volldigital, was es AMG erlaubt, drei Anzeigestile zu implementieren. Besonders spektakulär soll der Supersportmodus sein. Dabei gruppieren sich um einen runden, zentral positionierten Drehzahlmesser verschiedene Zusatzinformationen wie Motordaten oder Querkräfte. Auch der rechte Touchscreen präsentiert sich im speziellen AMG-Look. Das unten abgeflachte Sportlenkrad verfügt – typisch Mercedes – über zwei Scroll-Buttons, mit denen durch die Anzeigen des Kombiinstruments und Multimediasystems navigiert werden kann.

Playstation-Feeling im Mercedes-AMG A35

Optional enthält MBUX „AMG Track Pace“, ein System, das permanent mehr als 80 Fahrdaten erfasst sowie Sektor- oder Rundenzeiten anzeigt. Das Rennstrecken-Gimmick ist optisch so aufbereitet, dass die Anzeigen in Grün oder Rot aufleuchten und der Fahrer so im Augenwinkel wahrnimmt, ob er schneller oder langsamer ist als zuvor. Mit den Daten kann er im Nachhinein analysieren, ob es noch Verbesserungspotenzial gibt.

Einige Rennstrecken wie der Nürburgring oder Spa-Francorchamps sind schon hinterlegt, aber auch neue Strecken können aufgezeichnet werden. Verfügt der A35 über ein Head-Up-Display, kann er sich darin zudem die Ideallinie auf seinen gespeicherten Rennstrecken anzeigen lassen – Playstation-Racer dürften sich über dieses Feature besonders freuen.

Marktstart und Preise

Erstmals enthüllt wird der Mercedes-AMG A35 auf dem Pariser Autosalon, der vom 2. bis 14. Oktober stattfindet. Der Verkauf startet fast gleichzeitig, im Januar 2019 rollen die ersten Autos zu den Händlern. Zu den Preisen macht Mercedes noch keine Angaben, allerdings dürfte es unterhalb der 50.000-Euro-Marke losgehen. Auch hier wieder der Vergleich zu den Konkurrenten: Der Audi S3 Sportback mit Sieben-Gang-S-Tronic kostet 45.050 Euro, der fünftürige BMW M140i xDrive ist mindestens 50.150 Euro teuer. Fest steht, dass es zur Markteinführung eine Edition-1-Version mit interessanten Farbcode geben wird: Blau mit goldenen Akzenten. In Paris wird sich dann zeigen, ob Fans des Renault Clio Williams oder Subaru WRX STi nun ein neues Lieblingsmodell gefunden haben.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/mercedes-amg-a35-4matic-kompaktsportler-mit-306-ps/

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