Mercedes-Benz: Die selbstfahrende S-Klasse

Werden wir in der Zukunft gefahren, anstatt selbst zu fahren? Und wenn ja, wie sieht diese Zukunft aus? Der Erlkönig für die „selbstfahrende Zukunft“ bei Mercedes-Benz, dessen Premiere auf der CES 2015 in Las Vegas stattfindet, versteckt sich hinter diesem Link. 

Der Fahrer denkt, die S-Klasse lenkt

Eine erste Mitfahrt in der selbstfahrenden S-Klasse von Mercedes-Benz

Vorsichtig nähert sich Bertha der Ampelkreuzung. Anders als zu Hause im Schwabeländle  muss Bertha hier in den USA ein wenig weiter in die Kreuzung hineinschauen, um die richtige Ampel zu finden. Das aber funktioniert richtig gut. Eine rote Ampel gesichtet ? Dann redet Bertha mit uns und erzählt von der erkannten Situation. Bertha ist der Name der S-Klasse, die uns gerade über vorgegebene Routen durch die Ortschaft Sunnyvale chauffiert. Wir als Journalisten müssen auf der Rücksitzbank Platz nehmen, während auf den beiden Plätzen vorne die Test- und Entwicklungsingenieure sitzen. Neben rechtlichen Vorgaben ist die Versicherungsfrage bislang  ungeklärt.  Denn noch ist Bertha vor allem eines: ein sündhaft teurer Versuchsträger. Hier im sonnigen Süden Kaliforniens hat sich Mercedes mit einem Research und Development Center niedergelassen. Und hier in Sunnyvale wird die Zukunft des autonomen Fahrens geboren. Das liegt auch an den prominenten Nachbarn, zu denen unter anderem das Internet-Unternehmen Google gehört. Dessen Vorstoß in Richtung „autonomes Fahren“ hat vor einigen Wochen für ordentlichen Wirbel gesorgt.

Chauffeur-Limousine made in Stuttgart

Während die Google-Variante vor allem an ein überdimensionales Playmobil-Auto erinnert, legt Mercedes-Benz beim eigenen Versuchsträger auf ein wenig verbliebene Standesehre Wert. Unter der Haube des S500 pocht das 455 Ps starke Bi-Turbo V8 Herz und auch im Innenraum darf man sich sicher sein, keinen Komfort-Mängeln zu erliegen. Wenngleich „Bertha“ doch noch  ganz deutlich als Versuchsträger zu erkennen ist. Ein großer Monitor baut sich zwischen Fahrer und Beifahrer auf; ein roter Not-Aus-Taster thront prominent auf dem Armaturenbrett. Auf dem Display präsentiert Bertha ihr Wissen. Alles, was die Sensoren erkennen, zeigt das selbstfahrende Fahrzeug hierauf an. Fahrbahnmarkierungen, andere Autos, Signale und Hindernisse. So dargestellt, wie es das Auto versteht.Trotzdem ist hier in den USA, wo man vom Gesetzgeber erstmals die Erlaubnis  bekommen hat, autonome Autos im öffentlichen Straßenverkehr zu erproben, immer ein Beifahrer mit an Bord. Er kontrolliert die Bord-Systeme und kann wie der Fahrer in das Geschehen eingreifen.

Autonomes Fahren in den Städten der USA ist eben nicht ganz so einfach wie die Überlandtour von „Bertha“ in diesem Jahr im Schwabenland. Teilweise sind die Innenstädte mit vier- bis sechs Fahrspuren durchzogen, die Ampeln hängen hinter der Kreuzung und an so genannten 4-Way-Kreuzungen muss man sich unter den Verkehrsteilnehmern auf die Vorfahrt einigen. Doch noch kann Bertha nur reagieren. Und das tut sie sicher, aber immer mit der sinnvollen Extra-Portion an Vorsicht. Bertha fährt uns auf einem speziell kartografierten Rundkurs sicher durch Sunnyvale. Rote Ampeln erkennt sie immer und rollt gefühlvoll an die Kreuzung heran. Die Informationen aus zusätzlichen Radarsystemen für die Umfeld-Erkennung im Nahfeld, aus einer speziellen Kamera in der Windschutzscheibe für US-Ampeln und das gesamte Paket an Sicherheits-Systemen aus der aktuellen S-Klasse werden von Berthas-Rechnerhirn zu einer virtuellen Landschaft zusammengesetzt. Bertha erkennt Radfahrer, Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer mit beeindruckender Sicherheit und agiert entsprechend. Dabei bleibt Bertha immer auf ein wenig Extra-Abstand zu den anderen Autofahrern und fährt eher ruhig und defensiv.

Rechner-Hirn im Kofferraum

Auch wenn es für uns als Mitfahrer nach Magie aussieht, wie sich die S-Klasse alleine durch die Stadt navigiert, bekommt man an Bord von Bertha durchaus mit, was für ein großer Aufwand für die autonome Fahrt noch notwendig ist. Noch surren die Lüfter für die Rechnersysteme lauter als der V8-Turbo und der Kofferraum ist die Heimat von Berthas-Rechnerhirn.

Aber der Weg der Technik  ist eindeutig: Wenn man mir in der Zukunft eine S-Klasse anbietet, die mir Stau- und Stop-und-Go Verkehr vollständig abnimmt  oder für mich früh morgens den täglichen Routineweg zum Flughafen meistert, dann wäre ich der Letzte, der hier vom Untergang des „Automobilen Abendlandes“ schwadronieren würde.

Mehr zu diesem Thema, auf rad-ab.com 

 

 

 

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

7 Comments

  1. Ich hoffe auch, dass es spätestens im Jahr 2020 autonom fahrende Autos geben wird.

    Die Frage wird dann sein, wie können die Autohersteller den potenziellen Käufern vermitteln, dass so selbstfahrendes Auto sicher ist?
    Gerade in Deutschland wird es meiner Meinung nach lange dauern, bis sich Privatleute so ein Auto kaufen werden.

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