Der G und sein Tank

Am Anfang gab es den G mit 2 Motoren: 230 G und 240GD. Wenn ich mich recht erinnere hatte der 230 G 102 PS und lief damit nach langem Anlauf  ca 140 km/h. Der 240 GD hatte 72 PS und erreichte nach noch längerem Anlauf 120 km/h. Mein Kollege Helmut Trixner sagte zwar mit Bezug auf den 240 GD Stationswagen lang in schönstem Steirisch: „Gehen’s Herr Moos, des is‘ ka Auto, des is‘ a Stationäraggregat“. Zum Glück waren die LKW damals noch bei weitem nicht so flott unterwegs wie heute, man konnte tatsächlich einigermassen im Verkehr mitschwimmen. Und auf schmierigem Untergrund, z.B einer nassen Wiese und Lehmboden, war er gut zu fahren – man hatte einfach nie zu viel Power an den Rädern.

Ich lieh mir also frohgemut einen 240 GD aus und fuhr damit mit meiner Frau am Wochenende nach Würzburg. Am Sonntag Abend fuhren wir zurück und verliessen bei Mundelsheim die A81 Richtung Fellbach. Kurz vor der Ausfahrt ging die Tankleuchte an. Der 72l-Tank ging zur Neige. Wir hatten noch ca 30 km bis Fellbach und ich war sicher, am Abend locker nach Fellbach zu kommen und am Montag morgens ins Werk Untertürkheim zur Tankstelle. Das war damals der einzige Ort, wo man Werkswagen auf Kostenstelle betanken konnte. Pustekuchen! Auf der Umfahrung von Fellbach-Schmiden blieb er stehen. Tank leer. Es war gegen Mitternacht. Handys waren 1980 noch science fiction. Ein längerer Fussmarsch? Der Himmel war mit uns: wir überlegten gerade, was zu tun sei, als ein roter 230 G hielt. Ein Kollege aus dem Fuhrpark. Und der hatte sogar ein Abschleppseil dabei! Er zog uns nach Hause.

 

Am nächsten Morgen bin ich mit einem Kanister zur nächsten Tankstelle und habe 5 l Diesel geholt. Den habe ich rein gekippt und dann die Bedienungsanleitung rausgeholt, um zu lesen, wie man das Kraftstoffsystem via Handpumpe wieder voll Diesel bekommt, um den Motor starten zu können. Irgendwas habe ich falsch gemacht. Ich pumpte ziemlich lang. Erster Startversuch – nix. Ich pumpte nochmal ziemlich lang. Zweiter Startversuch – wieder nix. Nach einer halben Stunde heftigen Pumpens war das einzige Resultat eine dicke Blase auf meinem Daumen.

Ich gab auf und bin ins Werk. In der PKW-Instandsetzung (so hiess das damals)fand ich einen hilfsbereiten erfahrenen Meister, der mit mir nach Fellbach fuhr. Der konnte das und nach 2 Minuten lief der OM 616 wieder. Ich bedankte mich und meinte, das mir das doch sehr peinlich sei. Er lächelte und meinte „was moinet Sie, was mir scho Direktore kurz vor ‚em Werkstor habet hole misse…“

So lernten wir empirisch, dass beim G die letzten 6 Liter nicht abgesaugt wurden, die Reserve war also nur halb so viel wie sonst. Richtig heiss wurde das, als der 280 GE kam, der auf der Autobahn 160 km/h lief, dabei aber 36 l/100km soff. Ich hatte mal einen Kunden am Telefon. Er wollte mit seinem neuen 280 GE von Stuttgart nach Freiburg und war kurz hinter Baden-Baden liegen geblieben. Sein Kommentar: „Machen sie einen ordentlichen Tank rein, am besten 120 l“. Reichweite war wichtig, der Verbrauch hat ihn nicht so gestört.

Es wurden dann als Sonderausstattung 2 Zusatztanks mit je 15 l in der Nähe der hinteren Radläufe konzipiert. Für die haben wir am Anfang ordentlich Geld verlangt, bis wir sie dann beim 280 GE in die Grundausstattung nehmen durften. Wahrscheinlich war ein hoher Würdenträger des Hauses von einem VIP darauf angesprochen worden…

Richtige Abhilfe kam erst viel später mit der Einführung eines Kunststofftanks. Der konnte im Gegensatz zum Stahltank frei geformt werden und hielt 100 l. Da war ich aber schon lange nicht mehr im G-Vertrieb.

 

 

Hinweis: Das Titelbild stammt von Axel Griesinger - bigblogg.com
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