Mercedes T80 Rekordwagen von 1939 — Oldtimer-Rennwagen mit 44,5 Litern Hubraum

Rennfahrer Hans Stuck hatte das Ziel, der schnellste Mann der Welt zu werden. Porsche und Daimler zauberten daher zusammen den T80 Rekordwagen mit 3.500 PS für eine Höchstgeschwindigkeit von 650 km/h. Doch er sollte nie zum Einsatz kommen.

Aus der Automobilindustrie kennen wir ja viele ambitionierte Projekte – das geringste Gewicht, die schnellste Beschleunigung, ein SUV-Cabrio zu bauen, das gut aussieht. Nicht alles davon ist geglückt, auf jeden Fall ist aber keines dieser Vorhaben so ambitioniert, wie der Mercedes Rekordwagen T80 von 1939. Warum Rekordwagen? Weil manche Männer schon damals zum großen Teil Spielkinder waren. Im September 1938 fuhr der Amerikaner John Cobb in Bonneville den Geschwindigkeitsweltrekord von mehr als 595,04 km/h. Doch bereits zuvor hatte Rennfahrer Hans Stuck den Plan, der schnellste Mann der Welt zu werden. Und als solcher benötigte er selbstredend ein Fahrzeug, das jegliche Bestmarken zu pulverisieren wusste.

650 km/h mit 3.000 PS

Die Idee: Stuck wollte Ferdinand Porsche mit der Konstruktion eines Autos beauftragen, das mit zwei Daimler-Benz Flugmotoren (DB 600) versehen werden sollte. Um die Realisierung dieses Projektes voranzutreiben, wandte sich Stuck an den damaligen Daimler-Benz-Vorstand Wilhelm Kissel. Und der ließ sich auch überzeugen. Im Spätsommer 1938 waren alle Komponenten des Rekordwagens fertiggestellt. Ursprünglich war eine Höchstgeschwindigkeit von 550 km/h angepeilt. Durch die amerikanische Rekordfahrt wurde dieser Wert hinfällig. Porsche setzte die Zielgeschwindigkeit also im Handumdrehen auf 650 km/h fest und berechnete dafür einen bescheidenen Leistungsbedarf von 3.000 PS.

Das Problem: Einen Serienmotor auf diesem Leistungsniveau gab es noch nicht. Deshalb wurde der Prototyp DB 603 vom Reichluftfahrtministerium ausgeliehen. Ein V12 mit 44,5 Litern Hubraum (ja, richtig gelesen), Direkteinspritzung, Kompressor und Ladeluftkühlung. Output: 3.500 PS bei 3.460 Umdrehungen pro Minute. Der passionierte Sportfahrer stellt sich nun jedoch zu Recht die Frage: Wie bekommt man so viel Leistung auch nur annähernd auf die Straße? Die Konstrukteure bedachten den Rekordwagen dafür mit drei Achsen, von denen die beiden hinteren angetrieben wurden. Gesamtgewicht der wahnwitzigen Kreation: 3.000 Kilo – ohne Fahrer und Benzin.

Ein weiteres Problem: Die politische Lage veranlasste Stuck dazu, sich von seinem Vorhaben zu verabschieden, den Rekord ebenfalls auf dem Salzsee in Bonneville zu fahren. Was also tun? Naheliegend, dass die deutsche Antwort „Autobahn“ lautete. Also wurde ein Teilabschnitt der Autobahn bei Dessau über die gesamte Breite betoniert und so als Fahrbahn für den Rekordversuch präpariert. Diesen hatte die Oberste Nationale Sportbehörde für Anfang 1940 angesetzt. Doch, Sie ahnen es, der zweite Weltkrieg verhinderte ein Austragen der Veranstaltung. So wurde der Motor zurückgegeben und der Wagen eingelagert. Seine Leistungsfähigkeit konnte er daher leider nie unter Beweis stellen. Doch verloren ist der acht Meter lange Koloss nicht. Den T80 können Sie sich bis heute im Mercedes-Benz Museum in Stuttgart live anschauen.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/mercedes-benz-rekordwagen-t80-oldtimer/

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