Model 3 – die Rendite-Rakete? — Verdient Tesla so mehr mit E-Autos als BMW und Daimler?

Tesla gilt als zuverlässige Verlust-Maschine – in beinahe jedem Quartalsbericht weist der amerikanische Elektroautobauer hohe Verluste aus. Jetzt behauptet US-Ingenieur Sandy Munro, dass der Model 3 für Tesla ein hochprofitables Auto sei, mehr Rendite erwirtschaften könnte als BMW mit dem i3 oder Chevrolet mit dem Bolt.

Anfang Februar 2017 äußerste sich Sandy Murno, Chef des von ihm gegründeten Ingenieurbüros Munro & Associates, Inc., sehr skeptisch gegenüber dem gerade von ihm untersuchten Tesla Model 3. So bezeichnete der Ex-Ford-Ingenieur in einem Video des US-Onlinesenders Autoline den versteckten Zugang zur Unterbrechung der Stromversorgung und die fehlenden mechanischen Türöffner im Fond als Sicherheitsmangel. Außerdem störte er sich an den variierenden und teilweise üppigen Spaltmaßen des Tesla genauso wie an den schlecht verarbeiteten Türdichtungen. In einem neuen Video legt Murno jetzt eine 180-Grad-Wende hin.

Begeistert von den elektronischen Bauteilen

Zu Sicherheit und Verarbeitung des Model 3 verliert Munro nun kein Wort mehr. Er hat das Elektroauto in seinem Firmenstandort in Auburn Hills (55 Kilometer nordwestlich von Detroit im US-Bundesstaat Michigan) komplett zerlegt und ist von den einzelnen Komponenten begeistert. So singt Murno ein Loblied auf die tiefe Integration der elektronischen Komponenten. Außerdem ist er von der Batterie überzeugt: Dort seien neue Zellen des Typs 2170 verbaut. Diese Zellen sind 20 Prozent größer als bei der Vorgänger-Batterie und lieferten dank einer neue chemischen Zusammensetzung 50 Prozent mehr Power.

Model-3-Marge soll bei 30 Prozent liegen

Außerdem will Sandy Murno herausgefunden haben, dass Tesla den Model 3 mit einer Gewinnmarge von 30 Prozent bauen kann. Der Grund sei neben der hohen Integration von elektronischen Bauteilen der Einsatz sehr günstiger Komponenten. So würde der Innenspiegel eines Model 3 nur 29,48 Dollar (25,19 Euro) kosten, während die Teile beim BMW i3 mit 93,46 Dollar (79,87 Euro) und beim Chevrolet Bolt mit 164,83 Dollar (141,59 Euro) viel teurer seien. Gleich darauf hält Munro ein Blatt in die Kamera, auf dem ein Vergleich der Innenspiegel-Gewichte zu sehen ist: Das Tesla-Bauteil wiegt 370 Gramm, der Spiegel des BMW 800 Gramm und der des Chevy 910 Gramm. Der Grund für die unterschiedlichen Preise und Gewichte ist, dass der Tesla-Spiegel ohne Rahmen und ohne über Knöpfe bedienbare Funktionen auskommt. Der BMW-Spiegel trägt zwei Knöpfe und der Spiegel des Bolt ist zudem mit einem Display für die Rückfahrkamera versehen. Murno ist seit langem ein Fan davon, Systeme weniger komplex zu machen – seiner Meinung nach erhöht das die Qualität.

Hoher Preis für Produktionserhöhung

Warum Tesla trotz der potentiell hohen Gewinnmarge beim Model 3 tagtäglich Verluste schreibt, dazu äußert sich der Experte nicht. Zuletzt hatte sich Tesla-Boss Elon Musk abgestrampelt, um endlich die seit langem angekündigten 5.000 Model 3 pro Woche zu bauen. In der letzten Juni-Woche hat es endlich geklappt, auch wenn der Preis hoch war: Aus Deutschland wurden über den teuren Luftweg Maschinen eingeflogen, eine dritte Produktionslinie entstand in einem Zelt, Arbeitskräfte wurden von der nun stockenden Model-S-Produktion abgezogen und die kalifornische Behörde für Arbeitsschutz ist Dauergast im Werk im kalifornischen Fremont. Zum Vergleich: VW baute 2017 pro Woche mehr als 18.570 Golf.

Noch sind 420.000 Model-3-Vorbestellungen nicht abgearbeitet. Die 35.000-Dollar-Basisvariante ist nach wie vor nicht verfügbar. Und obwohl jeder, der ein Model 3 vorbestellt hat, bereits 1.000 Dollar Vorschuss gezahlt hat, soll jetzt jeder, der möchte dass sein Auto schneller gebaut wird, nochmals 2.500 Dollar nachschießen.

Investoren wünschen sich mehr Ruhe und Arbeit

Elon Musks Nervenkostüm litt während der Model-3-Produktionsprobleme zusehends. So unterstellte er per Twitter den Medien pauschal Falschberichterstattung. Für die Rettung der kürzlich in einer thailändischen Höhle eingeschlossenen Jugendlichen präsentierte er ein U-Boot, das vor Ort als untauglich eingestuft wurde. Der an der erfolgreichen Rettung beteiligte britische Taucher Vern Unsworth kanzelte Musks U-Boot mit deutlichen Worten als PR-Gag ab. Musk reagierte daraufhin per Twitter mit einer Aussage, die beleidigenden Charakter haben könnte. Inzwischen entschuldigte Musk sich dafür. Seinen Investoren ist Musks Verhalten langsam nicht mehr ganz geheuer: So wünscht sich beispielsweise James Anderson vom Tesla-Chef mehr Ruhe und Konzentration auf die Arbeit. Andersons Fond hält vier Milliarden Dollar (umgerechnet zirka 3,4 Milliarden Euro) in Tesla Aktien.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/tesla-model-3-rendite-elektroauto-gewinn/

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