MotorOli im Gespräch mit HGP-Boss Gräf

Interview mit HGP Geschäftsführer Martin Gräf:

Viele kennen zwar die Marke HGP, aber im Film seht Ihr auch das Gesicht dazu. Martin Gräf zieht mit seiner Frau Ute seit 1989 die Fäden der legendären Manufaktur.

Nachfolgend ein kurzes Interview, welches mir Martin persönlich gegeben hat (MG= Martin/ MO =Oli).

MO: Danke für Deine Zeit und den Input. Ein wie immer cooles Produkt habt Ihr da gezaubert. Was mich persönlich und sicher auch die Fans interessiert, ist die Frage: Seit wann gibt es HGP überhaupt bzw. wie bist Du auf die Idee gekommen, Dich näher mit Turboladern zu befassen – und was war überhaupt Dein erstes Auto?

MG: Gerne lieber Oli, hat mir auch großen Spass gemacht mit Euch. HGP gibt es seit 1989. Wie so vieles, ist der Grundstein eher zufällig gelegt worden – wobei es ja bekanntlich keine Zufälle gibt – und resultierte damals aus meiner Schrauberleidenschaft heraus. Als gelernter Werkzeugmacher hatte ich schon immer mit Saugmotoren zu tun und habe ständig daran rumgebastelt. Nockenwellen, größere Zylinder usw. Das war alles ein relativ großer Aufwand und hatte wenig Leistungseffekt. Leider sind hin und wieder auch Motoren regelrecht in die Luft geflogen, weil wir natürlich immer mehr Leistung haben wollten und das beim Sauger ja überwiegend über die Drehzahl machbar ist. Turbolader waren damals noch wenig verbreitet.

Ich hatte damals übrigens einen Ford Escort RS 1600 mit um die 115 PS hatte der, glaub ich, und irgendwann ist mir aus einem verunfallten Ford Escort Turbo ein Turbolader mit Krümmer in die Hände gefallen. Da habe ich einfach mal probiert und ein wenig gebastelt. Als Resultat hatte ich dann plötzlich rund 200 PS bei moderater Drehzahl statt Hochdrehzahl mit eher überschaubarer Leistungsausbeute.

200 PS waren damals eine echte Hausnummer und relativ gesehen, viel einfacher realisierbar über den Turbolader. Darauf habe ich mich seitdem konzentriert und den Einbau immer weiter optimiert und perfektioniert. Irgendwann wollten die Leute das auch haben. Der Grundstein von HGP war damit quasi gelegt.

MO: Cool, ein Ford stand also am Anfang. Und welches war dann das erste von HGP veredelte Fahrzeug?

MG: Nun, wir haben zunächst im kleinen Kreis, privat sozusagen, die Motoren umgebaut und da waren einige VW Produkte dabei. Die Motoren haben mir persönlich aus technischer Sicht schon sehr gefallen, daher habe ich mich (überwiegend) auf Volkswagen Produkte konzentriert und irgendwie sind wir dabei geblieben.

Das erste von HGP veredelte Fahrzeug war ein Scirocco 2 16V. Der hatte in der Serie ohne Kat um die 130-140 PS. Nach unserem Turboladerumbau waren es dann ca. 260 PS.

MO: 260 PS in der Zeit damals liegen schon auf Porscheniveau. Kann ich mir gut vorstellen, wie sich die armen Kunden aus Zuffenhausen gefühlt haben, wenn sie die linke Spur für einen Scirocco räumen mussten. Das geht so manchem Porsche Fahrer ja heute noch so – vor allem, wenn der 3,6 Bi-Turbo auftaucht und seine 745 PS von der Leine lässt. Da drängt sich die Frage auf: Welches Auto fährst Du privat?

MG: (lacht) Ja, das mag wohl sein, dass unsere Fahrzeuge oft unterschätzt werden. Wir verzichten ja bewusst auf Spoiler und Verbreiterungen. Understatement ist den allermeisten Kunden das Wichtigste und sieht offen gesagt auch besser aus. Einige unserer Kunden haben selbst noch einen Porsche in der Garage und sind immer wieder beeindruckt von der Leistung unserer Fahrzeuge.

Was ich privat fahre? Natürlich HGP. Ich entwickle permanent weiter und teste meistens selbst, denn nur so bekomme ich das perfekte Gefühl für unsere Produkte. Gerade in der heutigen Zeit der modernen Hochdruckmotoren mit viel Software und der Technik „drumherum“ (Anmerkung: MG meint DSG Abstimmungen, intelligente Allradantriebe und Launchcontrol u.a.) ist das unumgänglich. Daher fahre ich gezwungenermaßen und gerne immer ein anderes Fahrzeug aus unserem Fuhrpark.

Aber das am häufigsten genutzte Fahrzeug, unser „Daily Driver“ mit dem ich Anhänger ziehe oder auch die Kinder in die Schule fahre, ist ein Passat Variant R36. Hier hatten wir eine Einladerversion mit 502 PS verbaut. Dieser Wagen war eine Zeit lang als Dauertester zu Versuchszwecken unterwegs und ist seitdem bei uns geblieben. Der fährt und fährt und fährt, warum auch nicht (lacht). Hat mittlerweile über 250.000 KM auf der Uhr und ein Ende ist nicht absehbar.

MO: Warum ist HGP schon immer eher Manufaktur denn Großunternehmen mit Expansionskurs?

MG: Nun ganz einfach, wir legen Wert auf höchste Qualität und konzentrieren uns auf einen Bereich, statt überall ein bisschen was abzudecken. In diesem Bereich, in dieser Nische, bündeln wir all unsere Erfahrung und bauen stetig darauf auf. Das geht nur, wenn man diesen Fokus beibehält. Von allem ein bisschen und hier und da war nie unser Ding. Lieber eine Sache richtig und gut, als vieles halbherzig und mit wenig Herzblut. Auch ist das nach wie vor wie ein Hobby für mich selbst und ich denke HGP ist nicht mehr HGP, wenn es plötzlich als riesiges Unternehmen mit etlichen Produkterweiterungen geführt werden würde. Das läuft dann schnell aus dem Ruder und wird organisatorisch anstrengend. Mir ist wichtig, dass ich selbst an der Front entwickeln und Ideen vorantreiben kann, als mich mit irgendwelchen Anteilseignern oder sonstigen Dritten abstimmen zu müssen.

MO: Das klingt plausibel und ich könnte mir HGP in der Tat auch nicht anders vorstellen. Was ist neben dem Schrauben eigentlich Deine größte Leidenschaft? Ich sehe bei Dir immer einige Geländemaschinen stehen. Nicht nur die neuesten, sondern auch eine schöne alte Yamaha.

MG: Das stimmt, musst Du unbedingt mal fahren. Ich bin seit meiner Jugend leidenschaftlicher MotoCrosser und das habe ich mir bis heute erhalten. Natürlich lässt man es jetzt etwas ruhiger angehen, denn Knochenbrüche kann ich so gar nicht gebrauchen. Aber Spass habe ich daran genauso wie früher und fahre, seitdem die ersten 4 Takt Enduros aufgekommen sind. Ich habe das aber nie professionell betrieben, sondern immer als Ausgleich nebenbei. In dem Bereich hat sich logischerweise viel getan, doch die alte Yamaha ist mir ans Herz gewachsen und wie neu. Die wird wohl auch nie wegegeben.

MO: Fahre ich gerne mal, logo. Sehen auch überaus cool aus, die Teile. Spontan fällt mir noch was ein, da ich ja selbst betroffen wäre: Warum macht HGP eigentlich kein Dieseltuning?

MG: Dieseltuning machen wir auch. aber nur vereinzelt und auf Anfrage für Fahrzeuge aus dem VW Konzern. In Sachen Software stimmen wir natürlich alles auf das jeweilige Fahrzeug ab. Ist nicht Hauptgeschäft, aber grundsätzlich möglich.

MO: Ich hab mal einen Mazda MX5 mit HGP Turbo gesehen – wie kam es dazu?

MG: Da hab ich sogar noch Lader hier. Wir haben in den 90er Jahren auch mit hochdrehenden Japanern bspw. Honda-Motoren gearbeitet und speziell beim Mazda MX5 ist es relativ einfach, einen Turbolader zu verbauen. Die Motoren eignen sich ideal, da diese für Normal Benzin ausgelegt waren und mit besserem Sprit plus Lader bei Standardverdichtung keinerlei größere Änderungen benötigten. Salopp gesagt: Niederdruck-Lader dran, besseren Sprit tanken und fertig. Die Leistung belief sich dann auf 180-200 PS, aber die Fahrbarkeit des relativ leichten MX5 mit Heckantrieb und ohne Fahrhilfen bedurfte dann schon einer versierteren Hand, speziell bei Nässe. Spass machen die aber allemal, natürlich auch mit Heckantrieb.

Unser Fokus liegt aber, wie oben schon erwähnt, auf den Motoren des Volkswagen Konzerns und da konkret auf dem neuen 2.0 Liter TFSI, der ja in verschiedenen Varianten bei Skoda, Seat, Audi und eben VW zum Einsatz kommt. Da kann man viel abdecken und eine Vielzahl an Kunden bedienen. Die Ära der V6 Motoren ist seitens VW derzeit leider erst mal passé.

MO: HGP bleibt also seiner Linie treu und muss sich den Vorgaben des Konzerns gezwungenermaßen ein wenig unterordnen. Ich denke da wehmütig an die R32 Versionen und speziell an die „Bombe“, den Golf R36 Bi-Turbo, der ja letztes Jahr mit seiner Leistung von 745 PS für extremen Wirbel gesorgt hat. Müssen wir in Zukunft auf sowas verzichten?

MG: (grinst) Na, Du siehst ja, dass wir in der Werkstatt noch einige R36 Motoren liegen haben und vom Golf 6 R gibt es ja auch noch genügend auf dem Markt. Unser Fokus liegt aber in der Tat auf den aktuellen 2 Liter Motoren. (Pause)

Aber es ist sicherlich möglich, dass in Zukunft mal wieder eine – Du hast es Bombe genannt – kommen wird (grinst nochmals).

MO: Dann sagst Du uns aber sofort Bescheid 🙂 Und vielen Dank für das Interview!

MG: Gerne doch.

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