Nach Leipziger Urteil des Bundesverwaltungsgerichts — Die Reaktionen auf mögliche Fahrverbote

Nach dem Leipziger Urteil dürfen deutsche Städte künftig selbstständig Fahrverbote für Diesel-Autos aussprechen. Viele deutsche Autohersteller verweigerten auto motor und sport ein Statement und verwiesen stattdessen auf den Verband der Automobilindustrie (VDA). Nur ein Importeur lieferte bislang Antworten.

Die Antworten auf eine Herstellerumfrage von auto motor und sport kamen prompt und lauteten bei Opel und Daimler fast im Wortlaut gleich: „Wir verweisen zu dieser Thematik allein auf das VDA-Statement.“

Der Verband der Automobilindustrie veröffentlichte gleich nach der Urteilsverkündung des Bundesverwaltungsgerichts am Dienstag (27.2.2018) ein dreiseitiges Statement, in dem er seine Sicht auf drohende Fahrverbote schildert. Der VDA kommentiert zum Leipziger Urteil, dass das Bundesverwaltungsgericht „kein ‚Muss‘ für Fahrverbote ausgesprochen“ habe. Sie kämen demnach nur als letztes Mittel in Frage. Matthias Wissmann, Präsident des VDA, verweist auf die klare Aufforderung des Gerichts an die Städte, die Belange der Betroffenen in besonderem Maße zu berücksichtigen: „Das ist eine Absage an generelle Fahrverbote“, beruhigt Wissmann.

Darüber hinaus spricht sich der VDA für eine bundeseinheitliche Regelung in den Städten aus, um „Flickenteppiche zu vermeiden“. Zur zeitlichen Umsetzung sagt er, dass es wohl nicht zu „Hauruck-Maßnahmen“ kommen werde. Außerdem bezieht er sich auf die Differenzierung des Gerichts: „Bis zum 01.09.2019 sind Fahrverbote nur für Euro-4-Diesel zu prüfen, erst danach für Euro-5-Diesel- Zudem wird deutlich, dass Euro-6-Diesel von Fahrverboten nicht betroffen sind.“

Als Maßnahme für die über fünf Millionen betroffenen Euro-5- und Euro-6-Diesel-Pkw empfiehlt der VDA neben Umweltprämien vor allem kostenlose Software-Updates, die zu einer durchschnittlichen NO2-Reduktion von 25 bis 30 Prozent je Fahrzeug führen sollen. Motoren-Experten bezweifeln diese Angabe stark, entsprechende Tests gibt es allerdings noch nicht. Von Hardware-Nachrüstungen rät der VDA dagegen ab, da sie zu durchweg höheren Verbräuchen und CO2-Emissionen führen sollen, begründet der Verband und bezieht sich auf einen Test, den der ADAC vor kurzem zu dem Thema veröffentlicht hat.

Der VDA appelliert an die Städte, sich anstelle von Fahrverboten künftig lieber auf die Digitalisierung von Verkehrsleitsystemen und die Förderung von Elektromobilität zu konzentrieren. Da immer mehr Fahrzeuge mit aktuellen Abgasstandards die Flotten durchdringen, werde „die Luftqualitätsfrage ohnehin gelöst“.

auto motor und sport stellte folgende Fragen an die Autohersteller und erhielt bislang die untenstehenden Antworten (Der Artikel wird fortlaufend aktualisiert):

Wie reagieren Sie auf die Angst Ihrer Kunden, die einen Euro-5-Diesel Ihrer Marke fahren, und die nun damit rechnen müssen, Ihr Auto künftig nicht mehr uneingeschränkt nutzen zu können?

Mazda: „Wir haben einen vergleichsweise kleinen Bestand an Euro 5-Dieseln im Markt, nur ca. 28.000 Fahrzeuge in Deutschland.“

Daimler: verweist auf VDA.

Opel: verweist auf VDA.

Werden Sie für diese Modelle Nachrüstsysteme anbieten? (Wenn ja, wann und wie teuer werden diese sein?)

Mazda: „Eine Hardware-Entwicklung zur Nachrüstung dieser Fahrzeuge mit einem SCR-System ist wegen des vergleichsweise kleinen Dieselbestandes nicht wirtschaftlich umzusetzen. Wir bieten neben der beworbenen Skyactiv Wechselprämie für Diesel bis Euro 4 (Mazda und Fremdfabrikate) auch ein besonderes Inzahlungnahme-Programm für Mazda Diesel mit Euro 5. Dieses wird aber nicht aktiv beworben, sondern von unseren Händlern im Kundenkontakt angeboten.“

Daimler: verweist auf VDA.

Opel: verweist auf VDA.

Mit dem heutigen Urteil werden die Restwerte von Euro-5-Dieseln weiter einbrechen. Was passiert mit entsprechenden Fahrzeugen, die beispielsweise aus Leasing-Verträgen zurückkommen? Bilden Sie dafür Rückstellungen? Planen Sie Unterstützungen für Händler, die übermäßig viele solcher Modell auf dem Hof haben?

Mazda: „Wir haben deshalb nur einen relativ kleinen Euro 5 Dieselbestand, weil wir seit 2012 alle Baureihen mit neu eingeführten Skyactiv-D Diesel von Anfang an mit Euro 6 verkauft haben. Wir waren somit seinerzeit “Euro 6-Pionier„: Wir haben demnach auch kein Euro 5 Diesel Leasing-Rückläufer Thema, weil die Mazda Euro 5 Diesel im Markt alle älter als drei Jahre sind und sich somit in der Regel nicht mehr in bestehenden Leasingverträgen befinden.“

Daimler: verweist auf VDA.

Opel: verweist auf VDA.

Die Nachfrage nach Dieselmodellen auf dem Neuwagenmarkt ist bereits in den letzten zwei Jahren stark zurückgegangen und wird künftig auf dem deutschen Markt weiter nachlassen. Welche weiteren Maßnahmen werden Sie zur C02-Reduktion ergreifen, um dem damit einhergehenden Flottenverbrauch ihrer Marke zu begegnen?

Mazda: „Wir halten den Diesel aber nach wie vor für sehr wichtig im Antriebsmix. Alle Skyactiv-D Diesel erhalten in Laufe des Sommers umfangreiche Modifikationen. So werden wir mit allen Baureihen – mit Ausnahme des Mazda3 – bis zum September die neue Abgasnorm Euro 6d “Temp„ erfüllen, die einen Nachweis der NOX-Emissionseinhaltung auch unter realen Fahrbedingungen mittels RDE-Tests beinhaltet.Beim Verbrauch bzw. CO2 ist und bleibt der Diesel unstrittig sehr gut, auch wenn wir mit dem vorgestellten Skyactiv-X demonstrieren, dass auch ein Benziner extrem effizient sein kann. Aber gerade bei den größeren und somit schwereren Fahrzeugen bietet der Dieselmotor aus unserer Sicht nach wie vor die beste Gesamtperformance und wird mittelfristig gefragt sein. Daher wird es bei Mazda ab 2020 eine komplett neue Dieselmotorengeneration geben.“

Daimler: verweist auf VDA.

Opel: verweist auf VDA.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/nach-leipziger-urteil-zu-fahrverboten-reaktionen-8200884.html

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