Nach Tod von Bodo Buschmann — Interview mit Brabus-Chef Constantin Buschmann

Nach dem Tod von Brabus-Chef Bodo Buschmann am 26. April 2018 übernahm sein Sohn, der heute 33-jährige Constantin Buschmann, viel früher als geplant das Ruder des Unternehmens. Im Interview mit auto motor und sport spricht er über die Zukunft von Brabus.


Die Fußstapfen Ihres Vaters sind sehr groß. Haben Sie die Befürchtung, sie nicht ausfüllen zu können?

Buschmann: Sie haben Recht – sie sind riesengroß. Und mit dem Wissen, dass er das Unternehmen über 40 Jahre lang geprägt hat, ist es ratsam, keine spontanen, großen Kurswechsel vorzunehmen. Was aber auch gar nicht schwierig ist, da mein Vater und ich viele Dinge ähnlich sahen. Wir haben schließlich schon rund ein Jahrzehnt zusammengearbeitet. Kopieren kann und werde ich ihn aber natürlich nicht. Das geht ja auch überhaupt nicht. Das Wichtigste ist doch, dass wir stabil in die Zukunft schauen. Wir tragen schließlich nicht nur die Verantwortung für uns selbst, sondern für die Arbeitsplätze all unserer Mitarbeiter.

Entschuldigen Sie bitte die Frage: Wer genau sind „wir“?

Buschmann: Mit „wir“ meine ich uns drei Gesellschafter, sprich meine beiden Schwestern und mich. Allerdings habe ich als einziger die operative Geschäftsführung inne. Ich weiß, es gibt zahllose familiäre Beispiele, wo es in genau solch einer Situation, in der wir uns aktuell befinden, mit der Unternehmensweiterführung aus persönlichen Gründen nicht geklappt hat. Doch bei uns ist das vollkommen anders. Mein Vater hat schon früh der Planung seiner Nachfolgeregelung begonnen. Seit knapp drei Jahren wurde ich im Speziellen auf seine Nachfolge hin vorbereitet. Ich bin demnach, trotz des schweren Schicksalsschlages, in der gefestigten Situation, über 90 Prozent meiner neuen Aufgabe zu kennen. Gleichzeitig habe ich ein über Jahrzehnte gefestigtes Management um mich herum, auf dessen Ratschläge ich keinesfalls verzichten möchte.

Das Geschäftsmodell des Unternehmens Brabus hat sich ja über die Jahre stark verändert. Wo legen Sie nun verstärkt ihren Fokus drauf?

Buschmann: Im Kern ist die Marke Brabus mit der Veredelung der Marken Mercedes-Benz und Smart fest verwurzelt. Daran wird sich auch nichts ändern. Unsere Marke Startech wird sich weiterhin um Premium Marken wie Aston Martin, Bentley, Jaguar, Land Rover, Range Rover oder auch Maserati kümmern. Das hat in den vergangenen Jahren hervorragend funktioniert. Seit ein paar Jahren haben wir uns, nicht zuletzt durch mein Drängen, zudem in die Branche der Business Vans gewagt – ein voller Erfolg. Und unsere starke Verbundenheit zum Yachtsport hat zuletzt die Brabus Shadow 800 hervorgebracht. Eine rund 400.000 Euro kostende Motoryacht mit zwei 400 PS-Außenbordern und einem phantastischen Design. Hier werden wir uns in Zukunft mit unserem Partner Axopar noch weiter entwickeln. Zudem wird unser digitaler Fußabdruck, sprich unsere Homepage, noch in diesem Jahr einen Neustart erfahren.

Glaubt man den Politikern, fahren wir in ein paar Jahren alle Elektroautos. Wo bleibt da Brabus, ein Unternehmen, das vor allem durch leistungsoptimierte Autos mit Verbrennungsmotor in der Öffentlichkeit steht?

Buschmann: Wir beobachten den Markt schon sehr genau und entwickeln uns stets weiter. Dass wir in ein paar Jahren alle E-Autos fahren sehe ich zum Beispiel nicht. Und das nicht, weil ich einfach etwas dagegen hätte. Aber wir sind doch alle noch nicht soweit. Gleichzeitig betrachten wir auch das rein elektrische Auto nicht wirklich als den alleinigen Marktführer in ein paar Jahren. Alternative Antriebe wie das Wasserstoffauto werden aktuell zwar von der Politik unerwähnt gelassen, doch forschen wir in alle Richtungen. Nicht zuletzt zeigen wir ja auch durch unser Engagement bezüglich der Elektrifizierung von Fahrzeugen der Marke smart, dass wir für alle Fälle gerüstet sind. Und wenn ein Kunde in einer S-Klasse mit Hybridantrieb vorfährt, bieten wir ihm einen Kaffee an und fragen gern, wie groß seine Leistungssteigerung sein darf.

Apropos Leistungssteigerung. Dem Sohn eines positiv Autoverrückten muss eine Frage gestellt werden: Was fahren Sie privat am Liebsten und musste Sie ihr Vater überhaupt irgendwann einmal davon überzeugen, sein Nachfolger zu werden oder gab es niemals Zweifel?

Buschmann: Am liebsten fahre ich einen Brabus 850 auf Basis des Mercedes-AMG G 63. Genau wie mein Vater auch, liebe ich Autos und daher liebe ich auch meinen Beruf. Es ist für mich jeden Tag aufs Neue ein Geschenk, hier arbeiten zu dürfen. Seit ich krabbeln kann, bin ich in diesen Hallen zuhause. Was aber nicht heißt, dass es in meiner Jugend auch mal Zeiten gab, in denen ich meine Zukunft überall anders, nur nicht hier gesehen habe. Doch diese Zeiten sind auch vorbeigegangen – ganz ohne Druck meines Vaters! Er sagte immer: „Wenn Du Stehgeiger werden willst, werde Stehgeiger.“ Ich glaube, anders hätte es auch gar nicht funktioniert. Dass meine Lehrjahre härter waren als für viele andere, kann jeder Nachvollziehen, der mal von seinem eigenen Vater trainiert wurde. Übertragen formuliert habe ich viele, viele Extrarunden drehen müssen.

Eine Herzensangelegenheit war ihrem Vater der Verband der Automobil Tuner, dem er lange Jahre vorstand. Der Tod ihres Vaters und der von Angelika Kresch innerhalb weniger Wochen haben dem VDAT nun stark zugesetzt. Ist man schon an Sie herangetreten?

Buschmann: Dafür war aufgrund der schlimmen Ereignisse noch keine Zeit. Sollte jemand anklopfen, werde ich mein Bestes tun.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/tuning/interview-brabus-ceo-constantin-buschmann/

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