NEFZ-Normverbrauch und Plugin-Hybrid-Fahrzeuge

Der Dauertest des Mitsubishi Outlander Plug-In Hybrid gibt uns die Möglichkeit, viel über Sinn und Unsinn eines Plug-In Hybriden zu lernen. Zum „positiven“ Sinn gehört die Nutzung als „Pendler-Fahrzeug“ oder schlicht als Familienkutsche. Der Unsinn war schnell klar. Aber das bereits vor dem Test, denn hier musste der Plug-In Hybrid nicht erst gefahren werden. Wer zu den Vielfahrern gehört, der macht mit Elektro- und Plug-In Fahrzeugen noch keinen Stich. Da sind die Anforderungsprofile einfach zu unterschiedlich.

Mitsubishi Outlander Plug-In Hybrid und der NEFZ-Normverbrauch

Während unseres Tests erreichen uns immer wieder Leser-Emails mit Fragen zu unseren Erfahrungen. Manchmal will man wissen, welche Ausstattung man sich nun gönnen soll und manchmal geht es um die Reichweite und den Verbrauch im Alltag. Eine ähnliche Frage kam diese Woche per Kommentar zu uns. 

Hallo Herr Björn,

ich habe mir im Sommer 2015 einen Outlander Plug-In Hybrid zugelegt. Meine Erfahrungen mit dem Verbrauch des Wagens sind allerdings etwas sehr andere als Ihre. Im Folgenden dokumentiere ich eine EMail, die ich am 15. Dezember an meinen Mitsubishi-Händler geschrieben habe. Bisher habe ich trotz mehrfacher Nachfrage keine Antwort erhalten.
Haben Sie eine Erklärung für diese extrem unterschiedlichen Verbrauchswerte?

—///– Auszug aus einer eMail des Kunden an seinen Händler:

In den letzten Wochen hatte ich einige längere Dienstfahrten und konnte zu ersten Mal systematisch den Energieverbrauch meines „Plug in Hybrid Outlanders“ kontrollieren.

Gesamt
KM-Stand        Getankt KM      L/100 km        KM      L/100 KM
02.12.2014        6914    32,46
03.12.2014      7330    36,20   416     8,70
05.12.2014      7718    32,94   388     8,49
06.12.2014      8045    32,01   327     9,79
08.12.2014      8461    31,69   416     7,62
09.12.2014      8898    36,88   437     8,44
12.12.2014      9065    16,16   167     9,68    2151    8,64

In diesen Zahlen ist der Strom, der regelmäßig über die Steckdose geladen wurde, noch gar nicht enthalten, so dass der effektive Benzin-Verbrauch je 100 KM weit höher liegt.

Bei den gefahrenen Strecken handelt es sich vor allem um Autobahnstrecken, die ich meist mit dem Geschwindigkeitsregler zwischen 120 und 130 Km/h gefahren bis. Natürlich im ECO-Modus.

Mit diesen Werten ist die von Mitsubishi in der Werbung behauptete Reichweite von 800 km in keiner Weise zu erreichen.

Auch von den Verbrauchswerten, über die der Blog: http://autohub.de/im-alltag-erfahrungen-mitsubishi-outlander-plug-in-hybrid-84320/ berichtet, kann ich nur träumen: 4,75 L/100 KM bei Geschwindigkeiten von 130 – 150 Km/h.

Durch diesen überhöhten Benzinverbrauch ist der ökologische Nutzen des Fahrzeugs insgesamt in Frage gestellt. Dieser Nutzen war allerdings der entscheidende Grund, warum ich mich für Ihr Fahrzeug entschieden habe.

–//

Hr. Werkle hat diesen Kommentar in einen der Artikel zum Outlander Plug-In Hybrid geschrieben. Da er dort ebenso öffentlich wäre, erlaube ich mir, nun einen Blog-Post hierzu als Antwort zu verfassen. Denn ich denke, die Frage von Hrn. Werkle ist auch für andere Kunden interessant.

Antriebsstrang Mitsubishi Outlander Plug-In Hybrid
45l Benzintank, 12 kWh Akkupack – Die Frage nach der Nutzung!

Unsinn – NEFZ

Damit Automobil-Hersteller eine Verbrauchsangabe machen können, ist eine genormte Methode notwendig. Soweit so gut. Aber nun entspricht die in der „EU“ gemeinsam nach der Ölkrise 1976 getroffene Messmethode einem „virtuellen“ Autofahrer und umfasst einen genormten Fahrzyklus.

So läuft der Test nach dem „Neuer Europäischer Fahrzyklus (NEFZ)“:

„NEDC“ von unbekannt - unbekannt. Lizenziert unter PD-Schöpfungshöhe über Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:NEDC.jpg#mediaviewer/File:NEDC.jpg

Der genormte Fahrzyklus dauert insgesamt 1180 Sekunden, also knapp 20 Minuten. Der City-Zyklus (städtische Bedingungen) dauert zwei Drittel dieser Zeit und der Überland-Zyklus (außerstädtische Bedingungen) ein Drittel. Die Umgebungstemperatur während der Messung beträgt grundsätzlich zwischen 20 °C und 30 °C und liegt vorher mindestens 6 Stunden lang um das abgestellte Fahrzeug vor. Kaltstartbedingung, Beschleunigungen und Verzögerungen werden erfasst und interpoliert. (Quelle: Wikipedia)

Alleine ein kurzer Blick auf dieses Diagramm zeigt: Wer auf der Autobahn unterwegs ist, der kann mit diesem Normwert nichts, aber auch gar nichts anfangen. Denn eine Nutzung auf der Autobahn wird mit diesem NEFZ-Verfahren gar nicht erst berücksichtigt. Sie sagen jetzt: Ach, dann sind die Herstellerangaben alle weltfremd? Nun: Das kann man wohl sagen! 

Laut Werbung verbraucht der Mitsubishi Outlander Plug-In Hybrid doch nur 1.9 Liter auf 100 km – wie kann ich dann 8.64 Liter auf der Autobahn verbrauchen? Ist der Unterschied nicht viel zu groß?

Wie gesagt: Der Verbrauch auf der Autobahn und der Verbrauch nach NEFZ-Norm haben keinen Zusammenhang. Zumal für die Messung von Plug-In Hybriden noch eine weitere Formel hinzugezogen wird: Die ECE-Norm R101.

Verbrauchsangaben für Elektrohybrid-Fahrzeuge – ECE-Norm R 101

C = Gesamtverbrauch in l/100 km, C_1 = Kraftstoffverbrauch bei voll aufgeladenem Akku, C_2 = Kraftstoffverbrauch bei leerem Akku, D_e = rein elektrische Reichweite, D_{av} = 25 km (angenommene durchschnittliche Strecke zwischen zwei Akkuaufladungen).
C = Gesamtverbrauch in l/100 km,
C_1 = Kraftstoffverbrauch bei voll aufgeladenem Akku,
C_2 = Kraftstoffverbrauch bei leerem Akku,
D_e = rein elektrische Reichweite,
D_{av} = 25 km (angenommene durchschnittliche Strecke zwischen zwei Akkuaufladungen).

Manch einer nennt diesen Messzyklus die „EU-Zauberformel“ und schaut man sich die Fahrstrecke für den reinen Akku-Betrieb an – gerade mal 25 Kilometer – versteht man die Einschränkung von Premium-Automobilherstellern bei der Akku-Reichweite. Hier werden bei Mercedes-Benz und Porsche zum Beispiel kaum mehr als 30 km erreicht.

Der Mitsubishi Plug-In Hybrid kommt auf etwa 41 Kilometer. Weniger als 30 waren es jedoch bislang nie.  Und jetzt kommen wir zum wichtigsten Punkt der gesamten Antwort:

 

Was verbraucht der Mitsubishi Outlander Plug-In Hybrid in der Realität?

Leser Werkle hat recht. Aktuell verbrauchen wir mit dem Outlander Plug-In Hybrid etwa 5.4 Liter auf 100 Kilometer. Allerdings hatten wir auch schon Wochen mit 0.0 Litern auf 100 Kilometern. Oder mit 2.0 Litern. Die Frage ist: Wann beendet man einen Messzyklus? Nach einer Tankfüllung? Nach einer Woche? Nach einem Monat?

Wir setzen den Outlander Plug-In Hybrid vor allem als Familienauto ein. D.h.: Einkaufen, Besorgungen im Umkreis, Pendlerfahrten und ähnliches. Da kommen am Tag selten mehr als 40 Kilometer zusammen. Und als die Temperaturen noch nicht unter 0° waren, konnten solche Touren rein per Akkubetrieb abgewickelt werden.

Nehme ich den Outlander Plug-In Hybrid und fahre damit auf einen Termin, 300 Kilometer entfernt, dann habe ich nach 30-40 Kilometer den Benzinmotor als Antriebsquelle. Und hier kann Mitsubishi genauso wenig zaubern wie jeder andere Hersteller. Mit dem Outlander Plug-In Hybrid bin ich jedoch bislang keine größeren Tages-Etappen gefahren. 300 Kilometer Autobahn reichen, um zu merken: Knapp 9 Liter laufen durch den Benziner, sobald der alleine die Arbeit übernehmen muss. Aber jetzt mal ganz ernsthaft: NEUN Liter Benzin für einen SUV mit fünf Sitzplätzen, mit 2 Tonnen Gewicht, bei Tempo 140-160? Aber hallo!

Natürlich sind das keine 1.9 wie im Prospekt, aber ich frage mich – kann man das ernsthaft erwarten? 

Wie sollte das technologisch möglich sein? Prospekt-Werte sind abgeleitete Normwerte und die Methodik zur Erfassung von diesen Normwerten ist weit ab von einer „Dienstfahrt über die Autobahn“. Hier auf autohub.de erfassen wir deshalb auch „echte“ Verbrauchswerte nach einer ganz eigenen Methode!  Und die Unterschiede. die wir hierbei herausfahren, sind teilweise enorm. Im übrigen hat gerade die „auto, motor und sport“ die gleichen Testnormen eingeführt und nutzt auch eine realistischere Einschätzung der Verbrauchswerte.  Daher nun die Antwort auf die Fragen von Hrn. Werkle:

Meine ehrliche Antwort an Hrn. Werkle:

Lieber Hr. Werkle,

Unterschiede im Verbrauch liegen in der Natur der Sache. Wenn ich mit unserem PHEV-Testwagen über die Autobahn fahre, dann liegt der Verbrauch im gleichen Bereich. Das wundert mich jedoch nicht. Denn sobald die Akkuleistung zur Neige geht, muss der Benzinmotor die Arbeit vollständig übernehmen. Und hier bin ich eher erstaunt vom niedrigen Verbrauch. Keine 9 Liter bei 120 – 130 km/h auf der Autobahn? Ein toller Wert für einen SUV mit Benzinmotor. Sollte die Dienstfahrt über die Autobahn eher zu Ihrem normalen Alltag gehören, dann haben Sie schlicht das falsche Auto gekauft. 800 Kilometer Reichweite? Kein Problem, wenn wir den Outlander so nutzen, wie oben beschrieben. Da sind auch mehr als 2.000 Kilometer mit einer Tankfüllung möglich, wie die Gewinner eines Wettbewerbes bewiesen haben.

Entscheidend ist die Nutzung! Eine extremen Vorteil kann der Outlander Plug-In Hybrid nur dann für sich verbuchen, wenn man seinen Sinn versteht. Und der besteht eben nicht darin, die Langstrecke täglich zu fahren, sondern im Alltag. In der Stadt. Über Land. Als Fahrzeug für Familien. Schaut man sich die durchschnittlichen Verbrauchswerte auf spritmonitor.de an, dann nutzt die Mehrheit der PHEV-Käufer ihren Outlander auch genau so.

Die Frage ist also immer: Innerhalb von welchem Zeitraum betrachtet man einen „Durchschnitts-Verbrauch“? Und wie sieht mein automobiler Alltag aus?

 

 

 

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

4 Comments

  1. Hallo Herr Habegger,

    seit genau drei Wochen bin ich nun (endlich) stolzer Besitzer eines Outlander PHEV in Top-Ausstattung. In dieser Zeit habe ich rund 2700 Km zurückgelegt und kann insoweit zunächst Ihrem Zwischenfazit vom 04.01.2015 weitgehend zustimmen.
    Zu den Wintereigenschaften des Autos kann ich mich nicht äußern, denn im Bereich Berlin/ Brandenburg fand ein solcher bisher nicht statt und auch auf meinem Ausflug nach Leverkusen und an die Holländische Grenze wurde ich diesbezüglich nicht schlauer.
    Dafür konnte ich aber Erkenntnisse zum Benzinverbrauch sammeln. Die Strecke Berlin – Leverkusen bei nahezu Dauerregen und entsprechender „Tagfinsternis“ erbrachte bei wechselnden Geschwindigkeiten zwischen 120 und max. 140 km/h einen Durchschnittsbenzinverbrauch von 10,9 Liter/100 Km. Hierbei sind Heizung, Scheinwerfer Scheibenwischer und Navi im Dauerbetrieb gewesen. Die Strecke war auf diese Weise nicht mit einer Tankfüllung zu bewältigen. Auf dem Rückweg bei Tageslicht und insgesamt besseren Verkehrsverhältnissen kam ich auf 9,0 l/100Km. Bei eher gemütlichen Ausflügen auf den Landstraßen des Bergischen Landes lag der Benzinverbrauch bei 5,2 l/100 Km (eine Elektrotankstelle konnte ich dort nicht nutzen).
    In dem für mich jedoch viel entscheidenderen Mischbetrieb zwischen Wohnort und Arbeitsstelle – hier habe ich täglich insgesamt rund 40 km zurückzulegen – komme ich bei allnächtlichem Stromtanken je nach Temperatur- und sonstiger Wetterlage auf Benzinverbrauchswerte zwischen 3,5 und 6,0 l/100 Km. An den meisten Tagen des Januar konnte ich der Energieflussanzeige entnehmen, dass das Auto nur selten im reinen Elektromodus unterwegs ist. Der Verbrennungsmotor muss in dieser Jahreszeit offenbar fast immer zusätzliche Leistung bereitstellen, obgleich mein Fahrstil inzwischen nicht mehr als sportlich-rasant zu bezeichnen ist. Dieses Ergebnis hat mich ein Wenig enttäuscht; ich bin deshalb auf die Verbrauchsentwicklung bei höheren Temperaturen gespannt.
    Davon abgesehen, bin ich mit Platz, Fahrkomfort, Fahrleistungen und Bedienbarkeit des Autos weitestgehend zufrieden. Insbesondere die Fahrgeräusche – durchaus auch bei Leistungsanforderung – aber vor allem bei „Normaltempo“ sind im besten Sinne des Wortes beruhigend. Zu den ungünstigen Einbauorten von manchen Schaltern kann ich Ihre Anmerkungen nur bestätigen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Rainer Rinner

    1. Hallo Hr. Rinner,

      danke für das Feedback. Der Motorbetrieb bei den kühlen Temperaturen ist vor allem der Heizung zuzuschreiben.
      Wenn man bedenkt, ein Otto-Motor wandelt ca. 50% des Benzinverbrauches in Wärme um :)!
      Die elektrische Wasserheizung des Outlander ist also deutlich kleiner dimensioniert. Sicher könnte man, würde man einen Wärmetauscher wie in einem reinen E-Fahrzeug einbauen, die Heizleistung steigern und auf den Benziner verzichten. Aber der Outlander PHEV stellt eben den cleversten Kompromiss zwischen den Technik-Welten dar.

      Was den Verbrauch angeht, da ist ihrer ja auch noch nicht eingefahren, da wird sich bestimmt noch etwas tun. Zudem – Sie sagten es – man stellt sich ja auch um im Fahrbetrieb. Bei uns führte das auch zu Minderverbräuchen. Ansonsten kann man nur sagen: Der Akku muss sinnvoll und am besten ständig genutzt werden, nur dann geht das Konzept des „ersten“ Plug-In Hybrid SUV vollständig auf!

      Beste Grüße,
      Bjoern Habegger

  2. Hallo Herr Björn,

    habe mit Interesse Ihre bisherigen Berichte zum Outlander Plugin-Hybrid gelesen. Hatte mir selbst im September 2014 ein solches Fahrzeug gekauft. Bin bis heute erst 3200 km in überwiegender Kurzstrecke gefahren. Mein Gesamtdurchschnitt liegt bei 3,9 l/100km. Allerdings dabei eine Langstrecke von 930 km ohne Nachlademöglichkeit. Da lag der Durchscnitt bei 7,5 l/100km (95% Autobahn max.Tempo 130). Durch geschicktes ausnutzen der Rekuperation und „Segeln“ kam ich auf 38% elektrischen Fahranteil. Momentan läuft das Fahrzeug wieder die normalen Kurzstrecken bis 70km und der Tank ist nach 1050km noch zu 3/4 gefüllt, da ich ständig nachladen kann. Die 2000 km, oder mehr? mit einer Tankfüllung sind da durchaus realistisch. Als Fazit möchte ich feststellen, daß dieses Fahrzeug um effektiv zu sein, einen anderen Fahrstil erfordert als ein „normaler Verbrenner“.
    Dies muss man gewiss erst ein wenig üben. Dann kommt auch der Fahrspass nicht zu kurz.
    Ich möchte diese ruhige gleiten nicht mehr missen und bin nach vier Monaten überzeugter von diesem Konzept, als am Anfang.

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