Neuer Bus für die Deutsche Fußballnationalmannschaft — Mit 500 PS zum fünften Stern

Mercedes war einmal. MAN ist jetzt. Der neue Bus der Deutschen Fußballnationalmannschaft ist mehr als nur ein 773.500 Euro teures Shuttlefahrzeug. auto motor und sport durfte ihn sich exklusiv vor der Premiere anschauen.

Mit dem Sponsorenwechsel des Deutschen Fußball Bundes, kurz DFB, folgt nun auch der Fahrzeugwechsel: Der Stern von Mercedes ist dem Löwen aus dem Hause MAN gewichen (seit 2012 Teil des Volkswagen Konzerns). Unbekannt ist die Marke im Profifußball nicht. Zahlreiche europäische Spitzenclubs wie der FC Bayern München, Borussia Dortmund oder Paris Saint-Germain fahren mit Bussen von MAN. auto motor und sport hatte wenige Tage vor der Weltpremiere die einmalige Möglichkeit, sich den MAN Lion‘s Coach C von Jogi Löw und seinen Männern mal etwas genauer anzuschauen.

Von außen wirkt der 13,36 Meter lange, ohne Seitenspiegel 2,55 Meter breite und 3,87 Meter hohe Mannschaftsbus, wie ein typischer Reisebus. Lediglich der übergroße Schriftzug „Die Mannschaft“ und das klein gehaltene „Deutschland fährt MAN“ sind zu lesen. In puncto Design ist er äußerst schlicht gehalten. So ist das Heck schwarz und den Übergang zur weißen Front bilden die Farben der Deutschlandflagge. Die Flagge auf der linken Flanke des Busses wirkt auf den ersten Blick falschherum, da in Leserichtung von links nach rechts die Farben in der Reihenfolge Gold, Rot und Schwarz zu sehen sind. MAN hat den DFB mehrmals darauf aufmerksam gemacht. Das finale Resultat einjähriger Planung trägt nun den Stempel des DFB-Marketing.

Knapp 0,5 Liter Diesel auf 100 Kilometer pro Spieler

Im schwarz gehaltenen Heck verbirgt sich ein 12,5 Liter große Sechszylinder mit 500 PS und 2.500 Newtonmetern maximalem Drehmoment. Das von MAN gefertigte Dieselaggregat beschleunigt den knapp 21 Tonnen schweren Bus samt seiner bis zu 38 Insassen bis Tempo 100. Dabei verbraucht er 20 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Für die Euro 6d-Abgasreinigung ist ein 25.000 Euro teures System verantwortlich, das aus einem SCR-Katalysator, einem Partikelfilter und einem 60 Liter fassenden AdBlue-Tank besteht.

Den Einstieg zum 773.500 Euro teuren Mannschaftsbus geben zwei 88 Zentimeter breite Türen vorn und in der Mitte frei. Wie bei vielen aktuellen Neuwagen wird auch beim DFB ein Logo oder Spruchband auf den Boden im Einstiegsbereich projiziert – in diesem Falle „Die Mannschaft“. Das Cockpit unterscheidet sich nicht von dem eines modernen Reisebusses. Der Fahrer sitzt auf einem luftgefederten, komfortablen Sitz, das Lenkrad hat Jumbo-Pizza-Format und die Gangwechsel übernimmt das automatisierte 12-Gang-Getriebe selbst.

36 edle Ledersitze, Karbonoptik und Feng-Shui

Ein Blick auf den Kilometerzähler verrät, dass der neue Bus bereits vor der Auslieferung 1.492,8 Kilometer auf seinen eigenen drei Achsen zurückgelegt hat. Er wurde innerhalb von drei Wochen im türkischen Ankara gefertigt, nach Istanbul gefahren, von dort bis Triest verschifft und abschließend ins MAN Bus Modification Center in Plauen gefahren. Für eine Rundumsicht namens Birdview sorgen sechs Kameras und für die Sicherheit kommen Notbremsassistent, Spurüberwachungssystem, Elektronisches Stabilitätsprogramm, Regen-Licht-Sensor, Aufmerksamkeitsassistent MAN AttentionGuard und ein abstandsgeregelter Tempomat zum Einsatz. Ein ausklappbarer Beifahrersitz ist auch an Bord.

Die anderen 36 Sitzplätze sind zwar nicht besser gefedert, wirken aber edler verarbeitet. Die Mittelbahnen besteht aus Leder, die Seitenflanken aus Kunstleder und in die Rückenlehne ist das Logo des DFB inklusive der aktuell vier Weltmeistersterne eingestickt. Hinzu kommen Armlehnen und Griffe in Karbonoptik. Unter den Sitzen befindet sich je eine 230 Volt-Steckdose inklusive USB-Buchse. Die kommunizierte Nähe zum Feng-Shui lässt sich aufgrund des dunklen Bodens und der nach oben hin immer heller werdenden Materialien durchaus nachvollziehen. Auch dann noch, wenn ganz oben vier 19 Zoll große LCD-Bildschirme aus dem Dachhimmel herausklappen. Auf den beiden Lichtbändern vor den oberen Ablagefächern lassen sich kleine Deutschlandflaggen darstellen, die von vorn nach hinten durchlaufen.

Der Bundestrainer hat die größte Beinfreiheit

Interessanter Weise variieren die Sitzabstände im DFB-Bus. Der Abstand vom Ende der Beinauflage hin zum Beinauflagenende des nächsten Sitzes kann zwischen 84 und 96 Zentimeter betragen. Den meisten Platz hat der Trainerstab in der ersten Reihe. Er kann außerdem in der ersten Reihe die kleinen Tische elektrisch zur gepolsterten Fußablage umklappen. Ähnlich komfortabel geht es in den hinteren beiden der insgesamt vier Vis a Vis-4er-Sitzgruppen zu. Hier können die großen Tische ebenfalls elektrisch abgesenkt und mithilfe einer Polsterauflage zur Liegewiese umfunktioniert werden. Nachteil der letzten Reihe: Die Rückenlehne lässt sich nur minimal nach hinten verstellen. Nach dem Trainerstab haben die Spieler in der Mitte des Busses auf der linken Seite die größte Beinfreiheit.

Wenn es mal nicht ganz so schnell zum Stadion geht und dennoch die Blase drückt, steht eine Komforttoilette unterhalb der Küchenzeile bereit. Bis ca. 1,85 Meter Körpergröße lässt es sich hier aufrecht stehen. Ein Luftgebläse zum Händetrocknen und ein Duftspender für die etwas härteren Fälle stehen ebenfalls zur Verfügung.

Mit 5.000 Watt zum nächsten Spiel

Die Küche, eine Etage weiter oben, besteht aus einer 1,34 Meter breiten Arbeitsfläche mit einem abnehmbaren 32er-Becherhalter, einer Eistonne für isotonische Getränke und zwei Steckdosen sowie einem Becherentsorgungsloch, das in einem Auffangbehälter auf Höhe der Toilette endet. Ein WLAN LTE-Signal und auch die acht Boxen sowie vier Subwoofer der 5.000 Watt starken Musikanlage dürfen natürlich nicht fehlen. Dass der nächste Bus in drei Jahren, sprich nach der nächsten Weltmeisterschaft folgen soll, ist bestimmt kein Zufall.

Quelle: https://www.auto-motor-und-sport.de/neuheiten/dfb-mannschaftsbus-2019/

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