News: Genfer Autosalon 2015 – Klotzen statt Kleckern

Dass es auf dem Genfer Autosalon teuer und leistungsstark zugeht, ist nichts Ungewöhnliches. Die 2015er-Ausgabe der wichtigsten europäischen Frühjahrsmesse aber fällt in dieser Hinsicht nicht nur im Vergleich mit den noch durch den Öko- und E-Auto-Trend geprägten Auflagen der Vorjahre aus dem Rahmen. Wer als Hersteller keinen Sport- oder gar Supersportwagen vorstellt, hat zumindest ein SUV im Programm.

Vor allem die Neuheitenliste in der obersten PS-Liga ist gut gefüllt. Zu den Stars der Messe dürfte die Neuauflage des Audi R8 zählen, der wieder mit einem mehr als 500 PS starken V10-Benziner und Allradantrieb antritt. Schwestermarke Porsche schickt mit dem 911 GT3 RS seinen ultimativen Saugmotoren-Renner in den Wettbewerb. In direkter Konkurrenz zu den deutschen Coupés läuft der Ferrari 488 GTB auf, der mit kleinem V8-Motor und Turboaufladung zumindest das Rennen in der Effizienzwertung gewinnen will. Dazu kommen Exoten wie der McLaren P1 GTR als rund 1.000 PS starke rennstreckenoptimierte Version des Supersportwagens P1, der Lotus Evora 400 als bislang stärkstes und schnellstes Modell der britischen Puristenmarke und der Aston-Martin-Top-Sportler Vulcan. Komplettiert wird das Supersportwagenprogramm von dem bereits im Januar in Detroit gezeigten Mittelmotor-Sportler Ford GT und dem Hybrid-Renner Honda NSX.

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Beide Marken hatten ihre sportliche Tradition zuvor jahrelang brach liegen lassen. 2015 soll sie wieder aufleben – auch in zivileren Klassen. So zeigt Ford seinen 235 kW/320 PS starken Über-Focus mit dem Zusatzkürzel RS. Honda legt den Civic R-Type wieder auf, erstmals mit Turbomotor und rund 280 PS. Das Wettrüsten in der Kompaktklasse geht damit fröhlich weiter, wie auch die Messepremiere des Audi RS3 mit knapp 370 PS belegt. Hinzu gesellen sich Kraftpakete im Kombikleid wie der VW Golf Variant R, der Seat Leon ST Cupra, der Skoda Octavia RS 230 und der Subaru Levorg. Und Mercedes lässt den CLA Shooting Brake in der 265 kW/360 PS starken AMG-Version von der Leine.

Ein Spritsparer ist keines der sportlichen Modelle, auch wenn viele die Verbrauchswerte ihrer direkten Vorgänger teils deutlich unterbieten. In der zunehmend wichtigen CO2-Flottenbilanz der Hersteller werden die Autos aber allein schon aufgrund ihrer geringen Verkaufszahlen keinen großen Schaden anrichten. Das gilt allerdings nicht für die zweite große Neuheitenklasse: die SUV. Die modischen Modelle werden den Herstellern weiterhin aus den Händen gerissen.

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Audi und Volvo setzen bei ihren Oberklasse-Crossovern Q7 E-Tron und XC90 deshalb auf Plug-in-Hybridantriebe, die mittlere Strecken auch elektrisch und damit ohne direkte Kohlendioxidemissionen zurücklegen können. In den kleineren SUV-Klassen muss man sich aus Kostengründen hingegen auf das Feilen an Details begnügen. Mit neuen Motoren und Spartechniken kommen dann auch kompakte Modelle wie der Nissan-Qashqai-Ableger Renault Kadjar, der ix35-Nachfolger Hyundai Tucson und der Ssangyong Tivoli auf annehmbare Normverbräuche. Noch etwas einfacher dürften es die kleinen SUV haben: In Genf feiern in dieser Boom-Klasse der Mazda CX-3 und der Honda HR-V Premiere.

Doch es gibt auch Neuheiten jenseits von PS-Inflation und SUV-Boom. Und ausgerechnet einer der Hauptvertreter beider Trends – BMW – gibt sich diesmal fast bescheiden. Die Münchner zeigen mit dem 2er Gran Tourer ihr erstes Großfamilienmodell, einen bis zu siebensitzigen Van der gehobenen Kompaktklasse. Allerdings muss der Kunde auf starke Motoren genauso wenig verzichten wie auf Allradantrieb. Wer es bodenständiger mag, findet im VW Touran einen passenden Kandidaten, der dank neuer Plattform mehr Platz bei weniger Gewicht bieten dürfte, ansonsten aber seinen bekannten Tugenden treu bleibt. Soll es noch ein wenig preisgünstiger sein, hat VW dazu die Neuauflage des Hochdachkombis Caddy mitgebracht.

Apropos günstig: Zu den wenigen dezidiert vernünftigen Autos in Genf zählt auch der Opel Karl. Der Kleinstwagen ist so etwas wie der preiswerte Bruder des City-Flitzers Adam, bietet deutlich mehr Platz und ist im Ausgleich etwas weniger hübsch, ohne ein Mauerblümchen zu sein. Im funkelnden Scheinwerferlicht des Genfer Salons reicht das in diesem Jahr aber trotzdem höchstens für eine Nebenrolle.

Autor: Holger Holzer/SP-X

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SP-X Redaktion
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