Nissan 370Z und die schwere Bürde der Ahnen

Es gibt Autos deren objektive Beurteilung nicht leicht fällt. Der Nissan 370Z ist so ein Fall. Denn als Geschichtsbeauftragter der Testfahrer kann ich den Japaner nur im Zusammenhang mit seinen Vorgängern beurteilen. Gemessen an der Erfolgsspur, die die Vorgänger seit 1969 gezeichnet haben, ist das eine große Bürde für den Nissan 370Z.

Die Erfolgsspur beginnt 1969 als Nissan vom Toyota 2000GT inspiriert einen Sportwagen vorstellt, der sich vom ersten Tag an wesentlich besser als erwartet verkaufte. Besonders in den USA rissen die Kunden den Händlern den Sportwagen förmlich aus den Händen. Bis 1979, als mit dem 280ZX erstmals ein echter Nachfolger vorgestellt wurde, hielt Nissan das Interesse am Z mit einer geschickten Modellpflege hoch.

Schon 1979 begann der Abstieg

Wenn man es nüchtern betrachtet, konnte in den kommenden Generationen keiner der Nachfolger mehr an den Überraschungserfolg des Urvaters 240Z anknüpfen. Die Modelle lebten vom Mythos 240Z und verwalteten den Ruhm. Pünktlich alle fünf Jahre stand fortan ein neues Modell bei den Händlern. Doch trotz stets reichhaltiger Ausstattung nahm die Zahl der Kunden, die sich für den ZX begeistern konnten, in aller Welt stetig ab. Mitte der 1990er-Jahre stellte Nissan den Export der fünften Generation sogar ganz ein, nur in Japan blieb der 300ZX noch bis 2000 im Programm.

Doch die Legende 240Z war auch da noch nicht vergessen. Denn ungefähr zeitgleich entstand im US-Design-Studio von Nissan eine Studie, die sich stark am Urvater orientierte. Das Konzeptfahrzeug erregte 1999 auf der Automobilausstellung in Detroit viel Aufsehen, woraufhin man sich in Japan tatsächlich an die Arbeit machte, um die Z-Serie doch nochmals fortzusetzen. Dabei entstand jedoch mit dem Nissan 350Z ein Auto, das stärker der damaligen Nissan-Designphilosophie als der Tradition der Z-Serie folgte.

Nissan 16 370Z Fahrbericht

Nett, aber eben kein Z

In meinen Augen fehlen dem Design einfach das Lässige der langen Motorhaube und das – beim Original ähnlich einem römischen Streitwagen – kurze Fahrgastabteil. Auch wenn der Entwurf eine eigene Harmonie entwickelt, wirkt der 350Z bulliger als alle seine Vorfahren. Ihn rettet allenfalls, dass das Antriebskonzept traditionell geriet. Denn wie bei den Vorgängern treibt ein Sechszylinder die Hinterräder an.

Typisch Nissan durfte der 350Z fünf Jahre überleben. Dann stellte man mit dem 370Z schon seinen Nachfolger vor. Offensichtlich versuchte man, auf die Kritik am Design der ersten Neuauflage zu reagieren. Bei der Gestaltung der Seitenfenster nahm man offensichtlich eine kräftige Anleihe beim 240Z. Doch bei allem Retrolook der 370Z bleibt am Ende natürlich ein Produkt unserer Zeit. Er ist – trotz seines Heckantriebs – eben mehr ein Audi TT als ein Jaguar E-Type. Am Ende fehlt dem 370Z einfach die Substanz, um als echter GT die Tradition der Z-Serie fortzusetzen.

Sicherlich spielt dabei auch eine Rolle, dass der 370Z im Hause Nissan nicht konkurrenzlos ist. Mit dem GT-R bietet man nämlich zusätzlich einen echten Gran Turismo an. Auch wenn dieser mehr als das Doppelte kostet, ist es kein Wunder, wenn der kleine Bruder da etwas zurücktreten muss. Er darf sich zwar im Glanze des großen Bruders sonnen, diesem aber nicht die Show stehlen. Insofern teilt der 370Z vielleicht das Schicksal des Nissan Silvia. Oftmals selbst ein ordentliches Auto spielte dieses, sogar als es den Namen Nissan 200ZX trug, nur die zweite Geige hinter dem ZX.

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