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Panorama: Mit dem Mercedes Vision Urbanetic durch Las Vegas

Wenn der Strip zum Zeitstrahl wird

Der Eifelturm schöner als das Original, die Pyramiden nur einen Steinwurf entfernt vom Markusplatz in Venedig und dazwischen die Wolkenkratzer von New York: In Las Vegas in nichts, wie es scheint. Das gilt auch für den öffentlichen Nahverkehr, für eine Nacht. Denn da hat sich während der CES der visionäre Mercedes Urbanetic auf den legendären Strip verirrt.

Es ist weit nach Mitternacht und selbst auf dem Las-Vegas-Strip wird es langsam ruhig. Die letzten Nachtschwärmer torkeln aus den Casinos und die Spätschicht der Amüsierdamen schleicht müde nach Hause. Nur vor dem Planet Hollywood ist noch die Hölle los, jeder bleibt stehen, starrt auf die Straße und zückt sein Fotohandy. Denn dort steht ein Auto, wie man es selbst in Las Vegas noch nie gesehen hat: Der Mercedes Vision Urbanetic gibt sich die Ehre und startet vier Monate nach seiner Premiere auf der Nutzfahrzeug-IAA in Hannover zur Jungfernfahrt auf dem Las Vegas Boulevard.

Mercedes-Benz Vision URBANETIC auf dem Las Vegas Strip.//Mercedes-Benz Vision URBANETIC on the Las Vegas Strip.

Der elektrisch angetriebene und autonom gesteuerte Robo-Van passt perfekt in die Neon-Nacht von Nevada – und zwar gleich aus zwei Gründen. Zum einen, weil es in der schillernden Zockermetropole immer und überall darum geht, Aufmerksamkeit zu erregen und alle Blicke auf sich zu ziehen. Und das gelingt dem Zäpfchen auf Rädern mit seiner rundgelutschten Form und der schillernden Beleuchtung der silbern schimmernden Karosse besser als all den Stretch-Limousinen und Supersportwagen, die man hier zu Dutzenden an jeder Ecke sieht. Und zum anderen ist der Urbanetic das ideale Transportmittel für die vielen Party-People, die den Strip Abend für Abend auf und ab spazieren und keine Lust auf ein ebenso überteuertes wie schäbiges Taxi haben.

Mercedes-Benz Vision URBANETIC auf dem Las Vegas Strip.//Mercedes-Benz Vision URBANETIC on the Las Vegas Strip.

Stattdessen greifen sie in der Vision der Mercedes-Designer künftig einfach zum Smartphone, geben ihr Ziel ein und nur ein paar Minuten später surrt der Urbanetic heran und öffnet seine große Schiebetür. Dann geht es in eine ebenso helle wie geräumige Kabine, je nach Fahrtdauer nutzt man einen der fünf bequemen Loungeplätze auf rotem Leder oder die etwas weniger bequemen, grau gehaltenen Plätze im Bug, für die dort eine Bank montiert wurde, wo früher mal das Cockpit war. Oder man bleibt einfach in der Mitte stehen und wartet darauf, dass sich die Tür wieder schließt und sich der Sprinter für übermorgen wie von Geisterhand wieder in Bewegung setzt.

Das fühlt sich zwar ein bisschen gespenstisch an, weil man so gar keinen Einfluss mehr nehmen kann auf die Fahrt. Doch erstens ist das im Stadtbus ja ganz genauso. Und zweitens ist der Van so leise und fährt so ruhig und gleichmäßig, dass man sich mit jedem Meter weiter entspannt, durch das Panoramadach staunend auf die Skyline schaut und sich zunehmend auf die umlaufenden Anzeigen konzentriert, die über Sehenswürdigkeiten oder den nächsten Stopp auf der dynamisch ermittelten Route informieren. Dass vorn eben niemand mehr sitzt und die Fuhre fährt oder zumindest den Autopiloten korrigiert, das hat man da schon längst wieder vergessen.

Mercedes-Benz Vision URBANETIC auf dem Las Vegas Strip.//Mercedes-Benz Vision URBANETIC on the Las Vegas Strip.

Schon das ist unheimlich genug. Doch so richtig neu ist diese Idee freilich nicht mehr, Schließlich stehen auf der Elektronik-Messe CES bestimmt ein halbes Dutzend solcher autonomer Shuttle in allen Formen und Formaten und auf den ersten Firmen- und Unigeländen sind sie sogar schon im Einsatz. Doch Mercedes denkt den Gedanken vom Robo-Van noch eine Runde weiter und liebäugelt als erster Hersteller mit einem Wechselaufbau. Binnen weniger Minuten wird so aus einem führerlosen Shuttlebus für bis zu 12 Passagiere ein Amazon-Lieferwagen mit Autopilot. So wollen die Schwaben Effizienz der Flotten steigern, den Stillstand der teuren Fahrzeuge vermeiden und zugleich drastisch die Zahl der Vans und Busse reduzieren, die in den Megacities von morgen die Straßen verstopfen.

Basis dafür ist eine Art Skateboard, das die elektrisch angetriebenen Achsen mit einer in der Bodenplatte integrierten Batterie verbindet und die Technik fürs autonome Fahren samt zweier Sensoren birgt, die sich wie Insektenaugen aus der Karosserie schieben. Darauf kann man wahlweise eine Art riesigen Rimowa-Koffer schnallen, der ein Ladevolumen von zehn Kubikmetern bietet, Platz für zehn Europaletten hat und mit einem automatischen Fördersystem und einer von außen zugänglichen Klappe auch eine mobile Paketausgabe ermöglicht. Oder man bestückt das Skateboard mit einem Bus-Baustein: Gezeichnet wie ein silbernes Fabergé-Ei mit diamantenen Tropfen fürs Fenster, bietet diese Kabine acht für jede Fahrtdauer unterschiedlich bequeme Sitz- und vier Stehplätze sowie ein neues Infotainment-Konzept, das auch das Smartphone der Nutzer einbezieht: Denn wer die passend App geladen hat, dem spielt der Urbanetic mit Augmented-Reality-Technik in Echtzeit personalisierte Infos aufs Display, sobald man das Handy auf einen bestimmten Punkt im Wagen oder draußen vor dem Fenster richtet.

Mercedes-Benz Vision URBANETIC auf dem Las Vegas Strip.//Mercedes-Benz Vision URBANETIC on the Las Vegas Strip.

Welcher Aufbau gerade zum Einsatz kommt und wann und wo die Fahrzeuge unterwegs sind, das ermittelt und plant eine selbstlernende IT-Infrastruktur, die Angebot und Nachfrage in Echtzeit erfasst und die Ressourcen optimal an den Bedarf anpasst. So sollen zugunsten des Verkehrsflusses Leerfahrten und zugunsten der Bilanz des Flottenbetreibers Stillstand vermieden werden. Abgesehen von der Ladezeit und den paar Minuten zum weitgehend automatisierten Wechsel zwischen Kofferaufbau und Robo-Shuttle ist der Urbanetic in der Mercedes-Vision deshalb 24 Stunden im Einsatz.

Das würde auch in Las Vegas perfekt funktionieren. Denn so viel dort am Tag und bis spät in die Nacht los ist, so ruhig wird es dafür in den sehr frühen Morgenstunden. Und dass der Cargo-Aufbau entfernt aussieht wie ein Panzerschrank oder ein Geldkoffer auf Rädern passt auch ziemlich gut. Irgendwie und irgendwann muss das Geld aus den Casinos ja eingesammelt werden.

Benjamin Bessinger/SP-X

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SP-X Redaktion | Autohub
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