Paul Pietsch Classic 2018 — Die schönsten Oldtimer Deutschlands treffen sich im Schwarzwald

Die Paul Pietsch Classic 2018 geht mit Pauken und Trompeten in die Geschichte der PPC ein – oder besser gesagt mit Blitz und Donner. Doch macht dies gar nichts, waren die beiden Etappen-Tage von nahezu strahlend blauem Himmel geprägt.

Na gut, der eine oder andere spontane Schauer ging auch schon am ersten Tag hernieder. Doch gehört das selbstverständlich zu einer neudeutsch genannten Outdoor Aktivität einfach auch dazu. Nicht zuletzt bietet solch ein durchwachsenes Wetter ja auch perfekte Testbedingungen für die qualitativ hochwertigen Stoffverdecke.

Wenn das Pech zweimal klingelt

Einer Fahrerpaarung konnte das Wetter an diesem zweiten Tag jedoch so ziemlich egal sein: Startnummer 40 fiel der Mechanik zum Opfer. Und das ausgerechnet vier Wochen nach der großen Inspektion. Dass Hans-Ulrich Sachs gemeinsam mit seiner Frau Danielle Sachs in ihrem Porsche 356 B Super 90 von 1962 zwischen der Inspektion und dem technischen Dilemma bereits eine andere Rallye als Gesamtsieger absolvierten, mindert ein wenig das Selbstmitleid. Zumal Danielle Sachs dem ganzen Schlamassel eine sehr interessante und prägende Erfahrung zu verdanken hat: „So durfte ich endlich mal in einem echten Feuerwehrauto mitfahren!“

Das beste Mittel gegen einen Krampf: ein Stein

Doch von Anfang an: Nachdem bereits vor dem Start am ersten Tag die Handbremse am Defekt eines Splintes (ein echtes Cent-Bauteil) den Geist aufgab standen die Vorzeichen noch nicht ganz auf Rot. Mit acht Minuten Verzögerung konnte die Aufholjagt angetreten werden und „die ersten Prüfungen liefen auch ganz gut“, versichert Hans-Ulrich Sachs. Doch dann, „ausgerechnet an einer Steigung wollte der zweite Gang nicht rein und ich blieb stehen“, führt er seinen Havariebericht weiter aus. Die Antwort des Notrufs „In 45 Minuten sind wir da“ trieb erste Schweißperlen auf die Stirn des Unternehmers. „Ich hätte bestimmt schon nach zehn Minuten einen Krampf im Unterschenkel bekommen – die Handbremse ist ja schließlich immer noch defekt.“ Seine Frau macht sich somit sofort auf die Suche nach einem geeigneten Bremsklotz und wurde in einem kleinen Bachlauf fündig. Gemeinsam mit den gerade eingetroffenen Helfern vom KFZ-Gewerbe wuchtete sie die Findlinge hinter die Räder. Es folgte die erwähnte Busfahrt im legendären Mercedes 408 und die Erkenntnis von Hans-Ulrich Sachs: „Was habe ich früher mal auf den ADAC geschimpft (aus bekannten Gründen). Aber: Jetzt hilft er mir ständig aus der Patsche mit meinen Oldies – ein super Team! Und das Wichtigste ist doch eh die Familie.“

Rennfahrer trifft auf Kapitän

Eine weitere Erkenntnis der siebten Auflage der Paul Pietsch Classic lautet: Der Kapitän wird 80 Jahre alt! Wie bitte? Ja genau, der Opel Kapitän hat Geburtstag. Und genau aus diesem Grund rollte eine Flotte aus drei Modellen der 1950er und 1960er Jahre durch den Schwarzwald. Dabei konnte Opel auf prominente Unterstützung zählen: Den 1962er Kapitän zirkelte Le-Mans-Sieger und Opel-Markenbotschafter Jockel Winkelhock durch die Kurven. Als Beifahrerin begleitete ihn Schauspielerin und Grimme-Preis-Trägerin Jeanette Hain. Beide stellten in der 4,83 Meter langen Limousine mit 90 PS starkem 2,6-Liter-Benzinmotor ihr Rallye-Geschick unter Beweis. Dabei konnten sie durch die große Panoramascheibe des Kapitän unvergessliche Ausblicke auf den beiden Etappen von Offenburg über Gengenbach, durch das malerische Elztal und Schiltach sowie am zweiten Rallye-Tag über Baiersbronn und Sasbachwalden genießen.

Mit 58 PS-Sechszylinder durch den Schwarzwald

Als Zweiter im Opel-Bunde absolviert ein 132 PS starker Kapitän von 1969 die Paul Pietsch Classic. Vom sehr seltenen Kapitän B, der von März 1969 bis zum Frühjahr 1970 gebaut wurde, entstanden rund 11.000 Exemplare – von denen nur noch wenige existieren. Ältester automobiler Opel-Teilnehmer bei der Schwarzwald-Rundfahrt ist der Kapitän von 1952 mit 2,5 Litern Hubraum und 58 PS. Er wurde in den Wirtschaftswunderjahren zu einem der meistverkauften Sechszylinderfahrzeugen Deutschlands.

Motorsportstars auf WP-Jagd

Neben Jockel Winkelhock gaben aber noch weitere ehemalige Motorsportstars der Paul Pietsch Classic 2018 die Ehre. So pilotierte Ex-Formel 1-Fahrer Adrian Sutil einen Ferrari 250 GT Serie II von 1962 ums Eck. „Seit der Mille Miglia bin ich vom Rallye-Fieber gepackt“, erklärte er kurz und düste in die Wertungsprüfung. Mit Isolde Holderied startete eine ganz erfahrene Rallye-Dame in einem Toyota AE 86. Und auch Peter Göbel, mehrfacher deutscher Rallye-Meister fuhr um die Platzierungen mit.

Allein die Namen lesen sich sportlich

Freunde von rassigen Sportwagen kamen natürlich auch bei der diesjährigen Paul Pietsch Classic nicht zu kurz. So liest sich schon allein die Startaufstellung wie ein gut recherchiertes Drehbuch zu einem automobilen Blockbuster: Startnummer 92 – De Tomaso Pantera Gr4, Startnummer 93 – Intermeccanica Indra, Startnummer 94 – De Tomaso Pantera und Startnummer 95 – Jensen Interceptor Convertible. Apropos Drehbuch: Mit Astrid Fünderich (SOKO-Stuttgart) und Michael Gaedt (Die kleine Tierschau) war ein Porsche 911 SC von 1979 ebenso äußerst cineastisch besetzt.

Der schweizer Ältestenrat

Den größten Auftritt hatten allerdings drei Schweizer zum selben Zeitpunkt. Pünktlich wie die Eisenbahn (zumindest die Schweizer) rollten drei Hänger in Offenburg vor das Kulturforum. Auf zweien sofort zu sehen: ein De Dion Bouton IS von 1924 – und damit ältester Teilnehmer der PPC 2018 – sowie ein Georges Irat MDS von 1936. Nach wenigen Augenblicken lüftete sich dann aber doch noch das Geheimnis des vor Wind und Wetter geschützten und geladenen Gastes. Zentimeter für Zentimeter rollte ein Delahaye 122 Spezial Brooklands von 1933 aus dem geschlossenen Anhänger.

Mit Humor fährt es sich am besten

Mit einem der jüngsten Fahrzeuge im Feld, einem BMW M3 von 1991, und mit der höchsten Startnummer des Feldes versehen (110) traten zwei sympathische Herren aus Luxemburg an. „Dieses Jahr läuft es bei uns zwar nicht so recht rund, doch genießen wir die in diesem Jahr wieder einmal unglaublich schönen Strecken“, verrät André Wilwert. Sein Mitfahrer Alfred Quetsch ergänzt mit einem Grinsen im Gesicht: „Wissen Sie was echt schön bei der Paul Pietsch Classic ist? Das Essen! Und das Beste: Es wird immer nachgelegt. Wenn sie die höchste Startnummer im Feld haben kann es nämlich schonmal traurig am Büffet ausschauen – hier nicht!“

Freude kann manchmal so einfach sein

Was den Tag, trotz seines kurzen aber kräftigen Wolkenbruchs, zu einem unvergesslich schönen Tag abrundet, kann auf eine kleine Situation heruntergebrochen werden: Eine Mutter tritt gemeinsam mit ihrem gefühlt fünf Jahren alten Sohn an den PPC-Stand im Zielbereich und kauft ein Programmheft. Kaum hält ihr Sohn es in seinen kleinen Händen, stürmt er mit leicht feuchten Augen freudstrahlend zu den automobilen Legenden und begibt sich in seine ganz eigene Rallye-Welt voll von automobilen Dinosauriern. Freudebereiten kann manchmal so einfach sein. Danke an alle Teilnehmer, Glückwunsch an die verdienten Sieger und bis zum nächsten Mal!

Hier finden Sie alle Ergebnisse der Paul Pietsch Classic 2018.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/event/paul-pietsch-classic-2018-oldtimer-rallye-gewinner/

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