Pilotprojekt Mercedes Vans & Drones in Zürich — Van und Drohne bilden die perfekte Lieferkette

Die Nutzfahrzeuge von Mercedes machen sich auf, fortan auch den Luftraum zu erobern. Mit „Vans & Drones“ startet ein Pilotprojekt in Zürich zusammen mit dem Schweizer Online-Marktplatz siroop und Drohnen-Entwickler Matternet aus den USA.

Kennen Sie das: Sie bestellen ein Produkt online, und können es schon beim Abschicken der Bestellung kaum noch erwarten, das neue Teil in den Händen zu halten. Sollten Sie mit dieser Art von Ungeduld bedacht sein, könnte Mercedes künftig Abhilfe schaffen. Die Vision: Ich bestelle eine Ware und mein Paket ist bereits kurze Zeit später bei mir. In diesem Umfang handelt es sich freilich noch um Zukunftsmusik, doch die Transformation in der Transport-Branche wird kommen, da sind sich die Beteiligten einig. „Auf der rein technischen Seite könnten wir schon in zwei Jahren starten, was die regulatorische Ebene betrifft, dauert es allerdings noch länger“, prognostiziert Stefan Maurer, Leiter der Abteilung Future Transportation bei Mercedes-Benz. Gemeinsam mit den Partnern siroop aus der Schweiz und Matternet aus dem Silicon Valley arbeite man an einer ganzheitlichen und skalierbaren Lösung.

Hier ist die Idee: Transportfahrzeuge von Mercedes gehen auf Tour, um Pakete an Endkunden auszuliefern. Habe ich als Kunde jetzt noch spontan eine Bestellung, dann wird diese vom Online-Marktplatz direkt an den Händler übermittelt. Der packt die Ware in ein Paket und übergibt an eine Matternet-Drohne. Per Algorithmus wird errechnet, welcher Van die effizienteste Routen-Änderung ermöglicht, um die priorisierte Sendung zuzustellen. Die Drohne fliegt autonom zu einem Meeting-Point und übergibt dort das Paket an den Fahrer des Mercedes Vans. Dieser wiederum stellt das Päckchen zu und erhält von der Steuerungs-Software eine aktualisierte Route, um sein Tour fortsetzen zu können.

Unwetter und Gegenverkehr im Luftraum

Hier sind die Haken an der Geschichte: Die Drohne M2 von Matternet wiegt selbst zehn Kilo und kann Pakete mit einem Gewicht von bis zu zwei Kilo transportieren. Wer also spontan einen Flachbildfernseher bestellen möchte, kann den Service bis dato nicht in Anspruch nehmen. Dazu kommen Faktoren wie das (Un)Wetter und natürlich der Platz im Luftraum. Den teilt sich die Drohne nämlich unter anderem mit Rettungshelikoptern, deren Einsatzgebiete sich am Ende auch kurzfristig ergeben können.

„Wir testen unsere Drohnen in Klimazonen auf der ganzen Welt. Die Technik für alle Wetterlagen fit zu machen ist ein Prozess, aber wir sind dran“, berichtet Matternet-CEO Andreas Raptopoulos. Die rechtliche Grundlage für den Testlauf in der Schweiz hat das Projektteam bereits abgeklärt. Dort wurde von der Luftaufsichtsbehörde eingehend geprüft, ob die autonomen Flug-Lieferanten ihren Dienst aufnehmen dürfen. Dass eine Matternet M2 abstürzt, ist nicht zu befürchten. Einerseits werden die Drohnen via Kommandozentrale überwacht und können notgelandet werden. Andererseits sorgt ein integrierter Fallschirm bei technischen Defekten für eine sanfte Landung.

Um die Machbarkeit zu demonstrieren, bestellt siroop COO Peter Rohn per Smartphone live von der Bühne aus ein Päckchen Kaffee. Es dauert keine 20 Minuten, bis die bestückte Drohne vor den Augen der anwesenden Journalisten auf dem Dach eines Mercedes Vans landet und der Fahrer die Box mit dem braunen Gold überreicht. Wie viel Vorbereitung in diesem Demonstrations-Ablauf steckt sei nun mal dahingestellt, doch es verdeutlicht auf beeindruckende Weise, wohin die Reise gehen soll. Stand heute fliegen die M2s mit 70 km/h in 80 Metern Höhe vollautonom bis zu 25 Minuten lang. Ist der Akku leer, wird er getauscht, somit werden lange Ladezeiten vermieden. Doch nicht zuletzt dient der aktuelle Probelauf auch auf technischer Ebene dazu, die Hardware kontinuierlich zu verbessern.

Ausprobieren, auswerten, ausbessern

„Build, measure, lern“, zitiert Maurer den iterativen Prozess nach dem auch viele moderne Start-Ups agieren. Ausprobieren, analysieren, lernen – und dann geht es wieder von vorne los. Konkretes Beispiel: Aktuell surrt die Drohne mit einer Lautstärke von 60 bis 70 dB (vergleichbar mit einem Rasenmäher), die Entwickler arbeiten allerdings an leiseren Rotoren, um die Lärmbelästigung möglichst gering zu halten.

In der weiteren Zukunft könnte ein Transporter auch als mobiles Warenhaus fungieren und dem Fluggerät die „letzte Meile“ überlassen. Zunächst gilt es allerdings die Zeitspanne zwischen Bestellung und Zustellung zu schrumpfen, und dem Verbraucher ein tolles Nutzungserlebnis zu bieten. „Am Ende wollen wir natürlich für ein Lächeln auf den Kunden-Gesichtern sorgen“, schmunzelt Peter Rohn. Nehmen wir nur mal an, Sie schmeißen eine Cocktail-Party und haben vergessen Trinkhalme zu besorgen. Hier kann das Vans & Drones-Lieferkonzept einspringen und für das gewünschte Lächeln sorgen. Denn wer trinkt schon gerne seinen Mojito ohne Röhrchen?

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/mercedes-benz-vans-drones-drohne-pilotprojekt-12675150.html

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