Polizei-Tesla in Kalifornien — Model S ersetzt Dodge Charger

Die Polizei am Tesla-Produktionsstandort im kalifornischen Fremont hat sich einen gebrauchten Tesla Model S geleistet und testet die Elektrolimousine jetzt im harten Polizeialltag.

Die Polizei im kalifornischen Fremont hat sich ein Fahrzeug aus lokaler Produktion zugelegt um einen 2007er Dodge Charger zu ersetzen: einen Tesla Model S 85. Die Beamten griffen zu einem gebrauchten Modell aus dem Jahr 2014, gekauft haben sie es im Januar 2018 – für 61.479 Dollar (inklusive aller Steuern und Gebühren), aktuell umgerechnet zirka 53.810 Euro. Im Laufe des vergangenen Jahres hat das Fremont Police Department den Tesla mit polizeitypischem Equipment wie einer Signalanlage fürs Dach, massiven Stoßfängern, einem Kamera- und Computersystem, ballistischen Barrieren (unter anderem Panzerungen für die vorderen Türen) und einem für den Transport von Festgenommenen geeigneten Fond ausgerüstet. Das Ganze hat nochmal 4.447 Dollar (3.892 Euro) gekostet. Ob auch Front und Heck des Model S verstärkt wurden, erwähnt das Police Department nicht – bei den meisten US-Polizeiautos gehört dies zur Standard-Ausrüstung.

Die Polizei in Fremont ist anscheinend bereit, zu investieren – schließlich hätte ein neuer Ford Explorer in Polizeiausführung (Interceptor Utility) nach Polizeiangaben gerade mal 40.000 Dollar (35.011 Euro) gekostet. Hinzu wäre zwar ebenfalls noch ein spezielles Polizei-Upgrade gekommen, aber insgesamt ist der gebrauchte Tesla erstmal teurer, wie das Polizeipräsidium vermeldet.

Alltagsbetrieb und Kosten testen

Jetzt testet die Fremont Police den Model S auf seine Fähigkeiten im Alltagsbetrieb. Ein Polizeifahrzeug muss in der Region pro Tag eine Strecke von 40 bis 70 Meilen (64 bis 113 Kilometer) zurücklegen, häufige Vollbremsungen sowie maximale Beschleunigungsphasen aushalten, schnelle Lenkmanöver bei hohen Geschwindigkeiten ermöglichen und genug Energie für lange Standzeiten mit eingeschalteter Signalanlage speichern können. Die Polizisten prüfen, ob das Elektroauto beim genannten Fahrprofil Vor- oder Nachteile gegenüber Verbrennungsmotor-Modellen bietet.

Außerdem möchten die Polizisten Erfahrungen hinsichtlich der Kosten sammeln. Ein Ford Explorer verbraucht innerhalb von fünf Jahren Sprit im Wert von 32.000 Dollar (28.008 Euro), hinzukommen 15.000 Dollar (13.129 Euro) an Wartungskosten. Die Polizisten sind gespannt darauf, wie teuer im Vergleich dazu der Tesla sein wird. Sie hoffen wegen weniger beweglicher Teile und der Fähigkeit beim Bremsen Energie zurückzugewinnen, auf eine Kostenersparnis. Allerdings gehen sie auch davon aus, dass der Anschaffungspreis eines Elektroautos weiterhin höher sein wird, als der eines vergleichbaren Pkw mit Verbrennungsmotor. In einer ersten Prognose-Rechnung zeigen die Beamten, dass der Tesla pro 100 Meilen (161 Kilometer) 38 Kilowattstunden Strom verbraucht. Bei einem kalifornischen Strompreis von 15 US-Cent (13 Euro-Cent) pro Kilowattstunde wären 5,70 Dollar (4,99 Euro) pro 100 Meilen fällig. Die Verbrauchsbeispielrechnung fällt bei drei Dollar (2,63 Euro) pro Gallone Super (3,8 Liter) mit 36 Dollar (32 Euro) deutlich zu Ungunsten des Ford Explorer aus. Bei der Reichweite nach Herstellerangaben ist der Model S mit 427 Kilometern wiederum deutlich dem Explorer unterlegen, der mit einer Tankfüllung 554 Kilometer weit kommt.

BMW i3 in Kalifornien im Einsatz

Geladen wird der Tesla ausschließlich mit erneuerbarer Energie: Am Standort des Model S existiert bereits eine 872-Kilowatt-Solaranlage mit drei Ladesäulen für die vier bereits vorhandenen Plug-in Hybride vom Typ Fusion Hybrid. Zwischen den Schichten ist jeweils eine Stunde zum Nachladen des Model S vorgesehen.

Die Fremont Police hält die Öffentlichkeit mit ständigen Web-Updates zum ihrem Model S Police Car auf dem Laufenden. Dabei sind elektrische Polizeiautos in Kalifornien grundsätzlich nichts Neues: Bereits im Juni 2016 schloss das Los Angeles Police Department (LAPD) mit BMW einen Vertrag über die Lieferung von 100 Modellen des Typs i3, die allerdings nicht für harte Aufgaben, wie beispielsweise Verfolgungsjagden, gedacht waren. Der Sender CBS Los Angeles fand im Januar 2018 allerdings heraus, dass die i3 kaum genutzt werden – teilweise liege die wöchentliche Laufleistung bei gerade mal sechs Meilen (9,7 Kilometer). Das LAPD scheint hingegen zufrieden zu sein: Aktuell habe sich die Zahl der i3 auf 200 verdoppelt und weitere 100 sollen hinzukommen. Laut CBS hat das LAPD bereits 10,2 Millionen Dollar (8,9 Millionen Euro) in die i3-Flotte sowie die geplante Ladeinfrastruktur mit 26 Ladesäulen gesteckt.

Zwei Model S für Polizei in Luxemburg

Die Fremont Police ist allerdings nicht die erste, die den Tesla Model S in ihre Flotte integriert: Die Luxemburger Polizei (Police Grand-Ducale) testet bereits seit Anfang 2018 zwei der Elektrolimousinen. Pro Exemplar kosteten die Ordnungshüter-Teslas inklusive Polizei-Ausrüstung 120.000 Euro. Außerdem setzen die Luxemburger einen VW e-Golf ein und haben eine Kooperationsvereinbarung im Bereich „Elektromobilität & Polizei“ mit der Polizei Niedersachsen, der Technischen Universität (TU) Braunschweig und dem Niedersächsischen Forschungszentrum für Fahrzeugtechnik (NFF) unterschrieben. Die Eignung von Polizeiautos für den Polizeidienst wird aktuell also sogar wissenschaftlich überprüft.

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/verkehr/tesla-model-s-polizei/

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