Porsche Panamera Diesel im Fahrbericht

Porsche Panamera Diesel

Sparen für Fortgeschrittene.

Hand aufs Herz. Wenn Ihnen jemand sagt, er hat seinen Porsche gekauft, weil dieser besonders sparsam ist, was würden Sie antworten?

Genau.

Wer schaut bei einem Sportwagen schon auf den Verbrauch?

Und doch – es scheint als hätte man bei Porsche eine ungewöhnliche, aber vorhandene Lücke gefunden. Nicht genug der Tatsache, dass viele “Elfer-Fans” noch immer von der Luftkühlung träumen, nein – bei Porsche hat man mittlerweile auch einen SUV, einen sportlichen Nicht-Elfer für 2 und nun auch eine 4-sitzige GT-Limousine im Angebot.

Um an dieser Stelle dann gleich mit allen Traditionen zu brechen, hat der Panamera nicht nur 4 Sitze und den Motor an der falschen Stelle, sondern im Sommer 2011 auch noch einen Diesel-Motor bekommen.

Fahrbericht Porsche Panamera Diesel vorne seite
Viel Porsche für 4 Mitfahrer.

Wer möchte da nicht aufschreien, bei derart viel Frevelei?

250PS und 550Nm aus einem 3l V6 Diesel. Genug für einen Porsche?

Ohne das Fazit vorweg zu nehmen: Für mich ist der Porsche Panamera Diesel der vernünftigste Porsche, den man für Geld kaufen kann. Doch ging es bei einem Porsche wirklich um Vernunft?

Porsche fahren – war das nicht Leidenschaft, Qualität und erstklassige Fahrleistungen?
Wieviel ist davon übrig bei einer 1.800 kg Schrägheck-Limousine mit 4 Sitzen und nur 250PS?

Leidenschaft
Die rein positive Auslegung der Leidenschaft sind gelebte Emotionen, die beim Fahren in einem Porsche von der Fußspitze über das Popometer bis in die Fingerkuppen kribbeln. Es ist dieses Gefühl einer wunderbaren Fahrmaschine – die beste Verbindung zwischen Mensch und Straße findet in einem Porsche statt.

Und im Porsche Diesel?
Man merkt nichts von der selbstzündenden Variante. So gut wie nichts. Vorglühen? Nein. Heftiges nageln und schütteln? Nicht wirklich.
Alleine ein rauher Motorlauf und Porsche-untypische Laufgeräusche machen noch kurz nach dem Kaltstart aufmerksam auf die untypische Antriebsvariante in einem Porsche.

Sobald die serienmäßige 8-Gang Automatik im zweiten die Wandlerüberbrückung einwirft, merkt man vom Phlegmatismus des urtypischen Diesel-Taxi Antriebsstranges nichts mehr.

Porsche Panamera Fahrbericht Lenkrad Achtgangautomatik
8 Gang Automatik im Knöpfchen-Paradies

Qualität
Wer bei Porsche die Aufpreisliste aufmerksam nach dem Besonderen durchforstet, der kann sich nicht nur stundenlang mit den wunderbarsten Kombinationsmöglichkeiten aus Carbon, Aluminium und Leder aufhalten, sondern findet ganz sicher auch eine völlig individuelle Ausstattung auf höchstem Niveau. Die im Testfahrzeug aus reichhaltigem hell-beigem Leder bestehende Innenausstattung ist über jeden Zweifel erhaben. Doppelte Nähte an jeder Kante und das subtil weich aufgeplusterte Leder sind eine Wohltat für die Sinne.
Von der Variante mit dem hell-beigen Leder auch auf der Oberseite des Armaturenbretts kann ich jedoch nur abraten. Zu sehr spiegelt sich die helle Oberfläche in der Windschutzscheibe und man ist geneigt, die gespiegelte Kurvenform der Lederhaut als Ideallinie zu verwenden.

Was im Stand und vor allem in der Nacht einfach göttlich aussieht, stört beim freien Fahren. Mein Vorschlag zur Güte: Einen Panamera mit hell-beigem Leder für das Wohnzimmer – als Skulptur – und eine Variante mit dunklem Leder für den Alltag … Und wenn beide Varianten mit dem Diesel-Motor ausgerüstet sind, dann sparen Sie gleich doppelt. 😉

Fahrleistungen
Von einem Porsche erwartet man überlegene Fahrleistungen. Kann ein 3l Diesel Motor mit 250PS diese Erwartungen erfüllen?

Von 0 auf Landstraßen-Tempo geht es in 6,8 Sekunden, das reicht gerade noch so, um einen Golf GTI zu distanzieren. Und mit ein wenig Anlauf sind Tempo 242 möglich – auch hier ist der Abstand zu einem Golf GTI gerade noch so gewahrt. Doch – ganz unter uns – wer sich einen Panamera kauft, der vergleicht sich nicht mehr mit einem Golf GTI – egal wie sportlich die Fahrleistungen des Konzernbruders sein mögen.

Porsche Panamera Fahrbericht Diesel
Der kommt nicht ins Schleudern.

Es ist diese überzeugende Vorstellung von Durchzugskraft in allen Lebenslagen und in jedem eingelegtem Gang, mit der man seine ganz persönliche Fahrfreude erlebt. Und es ist diese leicht unter einer Hülle aus aufgepolstertem Leder und mit üppiger Reisefreude verpackte Mischung aus souveräner Kraftentfaltung und einer in der Natur der Familie Porsche liegenden Sportlichkeit, die mit überzeugenden Argumenten den Alltag des Panamera Diesel Fahrers versüßen.

Würde man in dem Verkaufsprospekt des Porsche Panamera mit nur einem Wort in der Beschreibung aller Qualitäten und Fähigkeiten des dieseligen Panamera auskommen müssen, so wäre dies:  Souverän.

Der Schwerpunkt der Testfahrten im ersten Diesel-Porsche im Grand-Touring-Format lag auf der Ermittlung der echten Alltagsverbrauchswerte. Und hier kommt das überzeugendste Argument und etwas, das bisher in der Beschreibung der Porsche-Qualitäten kaum eine Rolle gespielt hat:  Sparsamkeit. Einen schwäbischeren Porsche gab es bis dato nicht. (Im übrigen hatten wir auch während des Porsche RoadTrips einen Panamera Diesel dabei, über diesen hat Jens auf rad-ab.com geschrieben!)

2.717 km konnte ich mit dem Panamera zurück legen und habe mich dabei auf 2 Fahrprofile konzentriert. Zum einen das natürliche Umfeld einer großen Reise-Limousine: die Autobahn, sowohl in betont sparsamer Variante, als auch in einer Form des alltäglichen “Mal schnell von A nach B kommen”. Im zweiten Testprofil ging es um den Alltagsverbrauch im Pendelverkehr über Land und durch die Stadt.

Beim täglichen Stop & Go kommt dem Panamera Diesel seine serienmäßige Start-Stopp Automatik zu gute. Unglaublich, wie perfekt man diese  Funktion integriert hat. War man vor ein paar Jahren noch der Überzeugung, bei einem Automatik-Fahrzeug lässt sich diese Funktion nicht sinnvoll umsetzen, so beweist Porsche hier das Gegenteil. Ohne Ruckeln und ohne Zeitverlust springt der Motor beim Loslassen des Bremspedals wieder an und man schwimmt im Verkehr mit.

Porsche Panamera diesel Cockpit
Arbeitsplatz der Glückseligkeit

Ohne Umwege zu den Fakten:

5,8 und 11,2 – das sind die besonderen Zahlen dieses Fahrberichts über den Porsche Panamera Diesel.

Mehr als 11,2l auf 100km im Schnitt über eine 400km lange Autobahn-Etappe war nicht möglich. Hierbei handelt es sich nicht um 400km Vollgas, sondern um ein sehr realistisches Nutzungsszenario, wie man es auf unseren Autobahnen und Schnellstraßen erlebt. Neben tempolimitierten Bereichen aus Lärmschutzgründen und Baustellen, ist es das Verkehrsaufkommen, das die Durchschnittsgeschwindigkeit reglementiert. Wenn auch der Porsche mit überdurchschnittlichem Überholprestige in Serie geliefert wird – so teilt man sich die Straße doch immer auch mit schwächeren oder größeren Verkehrsteilnehmern.

11,2l Diesel auf 100km sehe ich als das Maximum für den täglichen Verbrauchsschnitt an. Das alleine ist bereits bemerkenswert.

Doch 5,8l Diesel auf 100km klingt schlicht nach einer Sensation.

Die gleiche Strecke wie im “maximal-Test” – die gleichen Bedingungen – doch dieses mal lässt man es bei Tempo 125 als Höchstgeschwindigkeit bewenden und fährt betont defensiv und zurückhaltend. Womöglich wurde die Geschwindigkeit auf Tempo 100 gesenkt – was jedoch im Umfeld von 2-spurigen Autobahnen und dem täglichen Verkehrsaufkommen eher zu zusätzlichen Brems- und Beschleunigungsmanövern führte. Nach 400 km stand der Verbrauch von 5,8l als minimaler Verbrauch in realistischer Test-Umgebung fest.

Bei 80 Liter Tankinhalt sieht man eine Tankstelle somit nur noch alle 1.379km.  Mit dem optional erhältlichen 100l Tank würde man Non-Stop die Strecke Frankfurt am Main nach Bari in Italien schaffen. (Für diese Testfahrt wird noch ein Medienpartner mit WKZ-Budget gesucht!).
Doch wie ist der Verbrauch des Panamera im Alltag, als Pendler?

Morgens 50km auf die Arbeit – abends die gleiche Strecke zurück?

6,3l im Schnitt. Ein fast unglaublicher Wert. Die Teststrecke bestand in diesem Fall aus 85% Landstraße und 15% Stadtverkehr zu Rush-Hour-Zeiten.

Porsche Panamera diesel Pendlerfahrzeug
Sieht so das ideale Pendler-Fahrzeug aus?

Der Testverbrauch auf der Pendler Strecke ist deswegen so bemerkenswert, weil Porsche selbst einen EU-Testverbrauch von 6,5l angibt. Zum ersten mal unterschreitet somit der Alltagsverbrauchs-Test die EU-Norm Angaben des Herstellers.

Im Test-Schnitt über alle gefahrenen Kilometer hat sich der Panamera V6 Diesel 7,9l gegönnt. Dieser Schnitt lässt sich im Alltag sicher auf 7,2 oder sogar und das ist eher ungewöhnlich, auf den EU-Testverbrauch von 6,5l absenken. Wie die grosse Spreizung zwischen dem Minimalverbrauch von 5,8 und dem Maximum von 11,2 zeigt, kommt es sehr auf das tägliche Fahrprofil und somit auf die Bedürfnisse des Fahrers an.

Wie lautet das Fazit?
Würde ich mir einen Porsche Panamera Diesel kaufen?

Porsche Panamera cockpit bei Nacht
Elegant. Sportlich. Sparsam. Der Diesel Panamera.

Nein.

Denn zum einen habe ich keine 110.000€ für eine Premium-Reise-Limousine übrig und zum anderen wird schon bald der 250PS Diesel im Panamera durch den neuen 313PS Bi-Turbo Diesel aus dem Haus der Konzernschwester Audi ersetzt.

Bis dahin lege ich jeden Tag einen Euro zurück…denn mit dem 313PS Diesel wird der Panamera endgültig zum perfekten Grand-Tourismo und über einen Golf GTI im Rückspiegel muss man sich dann auch keine Sorgen mehr machen!

//Update: So wie es im Augenblick aussieht, wird es keinen 313 PS Bi-Turbo Diesel Panamera geben, nach Informationen die ich bekommen habe, ist schlicht kein Platz für das aufwendige Triebwerk unter der flachen Haube des Panamera. 🙁 Vermutlich wird Porsche jedoch einen 285 PS starken Diesel bringen.

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

3 Comments

  1. Porsche macht nach, was alle anderen schon lange, z.T. schon sehr lange, machen. Sie folgen dem Markt. Herzlich willkommen!
    PS sind nicht so relevant – die max. Leistung wird bei Höchstdrehzahl erzielt, ein Bereich, in den normale Autofahrer eigentlich nie kommen. Zumal, wenn sie eine Automatik fahren. Drehmoment und sein Verlauf, das ist es. Wie sagte schon Bob Lutz? "People buy HP, but they drive torque".