PSA – Wie schlimm ist es wirklich?

Der französische Automobil-Hersteller PSA (Peugeot und Citroen) scheint noch tiefer in der Patsche zu sitzen, als man sich das derzeit vorstellen will.

Nach der Hochzeit mit GM, die mehr an eine Zwangs-Ehe unter gescheiterten Existenzen erinnert als an eine Traumhochzeit und PSA etwas mehr als 300 Millionen Euro in die Kasse gespült hat, hat man nun den Firmensitz in Paris verkauft.

Für 245,5 Millionen Euro geht das PSA Hauptquartier an eine Investmentgruppe Haus- und Vermögensverwaltung aus Kanada.

Der PSA-Konzern wird den Firmensitz jedoch nicht Besenrein übergeben, sondern einfach zurück mieten.  Was in der Modernen Finanzwelt üblich scheint, ist ein finanzieller Supergau für Unternehmen.

Das verkaufen von Eigentum an einen „Investor“ mit dem Ziel sich über Wasser zu halten und mit einem kurzfristigen Cash-Flow wieder liquide zu werden, nur um für die Zukunft weitere finanzielle Verpflichtungen erfüllen zu müssen, erinnert ein wenig an den Tod durch ertrinken, nachdem man bei einem Hausbrand die Feuerwehr gerufen, sich dann im Keller versteckt hat und durch Löschwasserfluten ertrinkt.

Ich habe weder BWL studiert, noch bin ich ein Banker – aber eines habe ich bereits verstanden: Wer Schulden hat, muss eine Lösung für seine Misere finden. Der Verkauf von Eigentum, kann eine Möglichkeit sein, der Tausch gegen neue Verpflichtungen jedoch nicht.

Am Ende gewinnt die Bank. Und wenn die Hausbanken eines französischen Konzerns „Non“ zur Umschuldung gesagt haben, dann wissen die etwas, was andere nicht wissen. Der Verkauf von Eigentum ins Ausland dürfte für einen Franzosen nicht die Erste Wahl sein. Wenn die Hausbank bei einem Gebäude im Wert von 240 Millionen Euro als Sicherheit keine Lösung sieht – dann sollte man eventuell nicht in den Keller gehen wenn die Feuerwehr anrückt – sondern sich in Sicherheit bringen.

Ich bin kein Freund von Konzern-Verschmelzungen. Bis heute gibt es nur wenig positiv verlaufene Konzern-Verschmelzungen in der Automobil-Industrie.  Bei Daimler wird man heute noch erschaudern wenn man an die Chrysler-Abenteuer zurück denkt und bei Ford wird man auch froh sein aus dem Abenteuer Mazda nur noch geringe Anteile über zu haben.

Ansonsten war es immer ein Vorgang des „schluckens“, den Geschmack genießen und ausspucken was unverdaulich ist. Am Ende bleibt mindestens ein Konzern als Verlierer auf der Strecke.

Nein – die Synergien zwischen GM und PSA werden PSA nicht zurück in die Gewinnzone führen. Eine weitere Verwässerung der französischen Automobil-Kultur braucht man bei Peugeot und Citroen so dringend wie der Franzose Eiswürfel im Rotwein. Einen weiteren Hausinternen-Mitbewerber im Bereich der „Kompakt-Modelle“ und „Kleinwagen“ braucht auch der GM-Konzern nicht.  Hier wurde Opel bereits in die Rolle des Verteidigers gedrängt. Konkurrenz belebt das Geschäft, aber nur wenn die Produkte eine Identität haben. Und dieses Ziel kann man nicht erkennen. Im Gegenteil.

Was ist das Ziel der PSA-Bosse? Eine langsame schmerzhafte Abwicklung?

Die Beendigung der Zusammenarbeit mit Mitsubishi im Bereich der kompakten SUV und Elektrofahrzeuge dürfte dem PSA Konzern eine weitere direkte Abhängigkeit von GM bescheren. Und ob der Europäische Markt mit den Fahrzeugen aus den USA besser bedient werden kann, das muss sich erst noch zeigen.

Meine persönliche Skepsis bleibt groß. Konzernverflechtungen über Kontinente hinweg, über die Grenzen von Kulturen verwischen nur eines: Die Originalität des Produktes. Austauschbar. Ohne Identität. Ohne Seele.

Das mag bei Smartphones und dem Big Mäc funktionieren – bei Produkten die Emotionen auslösen eher nicht.

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Bjoern
Autos und Motorsport - meine Leidenschaft seit über 20 Jahren. Für mich müssen Autos einfach Spaß machen und wenn ich heute Neuwagen teste, dann habe ich meine eigenen Kriterien die ein Fahrzeug erfüllen muss. Ob mich ein Auto so richtig begeistert hat, könnt ihr hier im Blog herausfinden. Dazu kommen Nachrichten aus der Welt des Automobils und des Motorsports. http://about.me/bhabegger

11 Comments

  1. Citroen und Peugeot haben in den letzten Jahren zuviel Geld mit schlechten Autos verbrannt. Als Citroen-Fan haben die letzten Jahren tiefe Narben in meinem Herz hinterlassen. Es wäre besser gewesen, die Französische Regeierung hätte dafür gesorgt das die 3 Hersteller aus Frankreich zusammengehen und so wieder mit „echt“ Französischen Autos auf den Markt kommen. Stattdessen wird alles nur noch gleich und gleicher. General Motors wird bei Citroen und Peugeot genauso unglücklich handeln wie bei Opel in den letzten 20 Jahren.

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