Range Rover Velar mit neuem 275-PS-Diesel — SUV mit neuem Euro-6d-Temp-Motor

Wer die Modellpalette von Range Rover auf Lücken absucht, findet die größte zwischen Evoque und Range Rover Sport – ein halber Meter klafft zwischen den beiden. Auf den zweiten Blick parken in dieser Lücke aber schon der Land Rover Discovery Sport und auf den dritten der F-Pace der Konzernschwester Jaguar. Was soll da der Velar?

Mit 4,80 Meter fehlen dem Range Rover Velar zum Range Rover Sport nur fünf Zentimeter. Das klingt eher nach Spalt, als nach Lücke. Auch nach unten ist der Abstand zum Jaguar F-Pace (4.73 Meter), mit dem sich der Velar die Alu-Plattform teilt, überschaubar. Die Briten wollen die SUV-Welle wohl in ganzer Breite abreiten – schließlich hat Jaguar Land Rover jetzt SUVs in acht verschiedenen Längen im Programm. Aus Konzernperspektive gibt es längentechnisch keine 48- sondern nur eine 12-Zentimeter-Lücke.

Ein kleiner Range Rover

Beim Erstkontakt steht der neue Velar (so nannte Rover bereits den Range-Rover-Prototyp von 1969) vor uns wie ein kleiner Range Rover. Nur in den inneren unteren Ecken seiner schmalen Frontscheinwerfer (gegen Aufpreis ist Laserlicht verfügbar) trägt er, anders als sämtliche Range-Rover-Modelle, viereckige LED-Einsätze. Ansonsten hat Land-Rover-Chefdesigner Gerry McGovern den Velar sehr clean gestaltet. Sein Motto beim Velar: „Driven by Reduction“ (von Reduktion getrieben). Entsprechend trübt kein überflüssiger Schnickschnack die Optik und die ausgewogenen Proportionen. Bei einer der gezeigten Varianten sind die am Heck nach unten gebogenen Endrohre von der Heckschürze verdeckt. Ein Hinweis auf eine zukünftige rein elektrische Variante, die ohne Abgasstrang auskommen würde?

Dass Land Rover den cW-Wert mit vergleichsweise guten 0.32 angibt, passt ins Bild; die komplett versenkbaren Türgriffe helfen sicher dabei: Der Zeigefinger berührt kurz den Türgriff und sofort fährt der dicke, gut greifbare Öffner aus seinem Versteck.

Innen sensationell schick

Wer im Anschluss die Tür aufmacht und die kleine Aluminium-Einstiegsleiste passiert, sitzt in einem nie dagewesenen noblen Interieur. Da wird sofort klar, was den Velar ausmacht. Innen wird aus den sieben Zentimetern Abstand zum F-Pace ein Lichtjahr.

Sowohl die Gitter der Meridian-Audio-Anlage als auch die Perforation der sportlich straffen Ledersitze zitieren den Union Jack, also die Nationalflagge des Britischen Königreichs. Das Leder auf Armaturenbrett und Sitzen wirkt clean und glatt wie eine hochwertige Fliese und selbst die Kunststoffoberflächen haben eine Diamant-Textur. McGoverns Bemühen um Reduktion erreicht in der völlig glatten Mittelkonsole des Velar ihren Höhepunkt: Aus einem geschwungenen Stück schwarzen Glases schauen zwei metallene Drehringe, vor der Armlehne einer zum Einstellen der Fahrstufen. Er erhebt sich erst bei Inbetriebnahme aus der glänzenden Oberfläche; sie dient weiter oben als Touchscreen, die jeweils erforderlichen Bedienelemente leuchten bei Bedarf auf – dagegen wirkt selbst die Mittelkonsole eines aktuellen Volvo barock überladen.

Natürlich lässt sich der Velar mit allen oberklassigen Annehmlichkeiten ausstatten, die State of the Art sind. So gibt es beispielsweise ein echtes Head-up-Display ohne billig wirkende zusätzliche Plastik-Scheibe, einen autonomen Notfall-Bremsassistenten mit Fußgängererkennung und eine adaptive Geschwindigkeitsregelung mit Stauassistent.

Am oberen Ende der Mittelkonsole sitzt ein 10,2-Zoll-Touchscreen, der beim Einschalten des Wagens lautlos ein Stück nach vorne klappt. Auf dem zentralen Monitor kann der Fahrer etwa überwachen, wie tief sein Wagen schon im Wasser steht. Eher auf der Autobahn als bei der Wasserdurchfahrt sinnvoll: Über das optionale Luftfahrwerk lässt sich die Karosserie des Velar um 40 Millimeter absenken. Auch das sieht man auf dem Monitor. Über den LTE-Hotspot des Velar können bis zu acht Endgeräte ins Internet gehen und selbst die Bedienelemente am Multifunktionslenkrad sind teilweise als Touchpad ausgeführt. Die Sitze des Velar können teilweise mit extrem langlebigen Stoffen des dänischen Spezialisten Kvadrat bezogen werden – der erste Auftritt von Kvadrat in der Autoindustrie.

Platzverhältnisse okay

Die Kopffreiheit passt im Velar auch für große Menschen. Beim Blick nach draußen fallen aber die breiten A-Säulen auf, der Blick nach hinten ist der in einen Tunnel – die Rückfahrkamera ist mehr Notwendigkeit als Vorteil. Die Sitze hinten sind straff gepolstert und die Kniefreiheit im Fond geht für 1,88 Meter große Personen nur gerade noch so in Ordnung – trotz des Radstandes von 2.874 mm (wie beim F-Pace). Die Kopffreiheit hinten ist okay, obwohl das Dach schick nach hinten abfällt. Im hinteren Ende der vorderen Mittelkonsole sitzen zwei 5-Volt-USB-Buchsen und eine 12-Volt-Buchse. Eine Edelstahl-Platte schützt die Ladekante des Kofferraums, die Ladeschwelle ist zirka zehn Zentimeter hoch. Unter dem Kofferraumboden liegt ein vollwertiges Reserverad – das Kofferraumvolumen ist mit 673 Liter ziemlich üppig.

Stark im Gelände

Eigentlich baut Range Rover ja keine SUV, sondern echte Geländewagen. So soll auch der Velar laut Kevin Stride, Vehicle Line Director, die volle Geländefunktionalität eines Range Rovers haben. Die Bodenfreiheit von 251 Millimetern (213 Millimeter bei den Varianten mit Stahlfederwerk) sowie die Wattiefe von 650 Millimeter (600 Millimeter beim Stahlfederwerk) sprechen für die Geländekompetenz der Engländer. Das Terrain-Response-System für die Vorwahl des jeweils besten Geländeprogramms steuert serienmäßig den Allradantrieb. Als Anhängelast verträgt der Velar bis zu 2,5 Tonnen und auf Wunsch übernimmt der Anhängeassistent beim Rückwärtsfahren das Lenken.

Sechs Motorisierungen bis 300 PS

Sechs Motorisierungen, vier Diesel und zwei Benziner, stehen für den neuen Velar zur Verfügung. Alle Antriebe sind an eine Achtstufen-Automatik von ZF gekoppelt und erfüllen die Euro-6d-Temp-Abgasnorm. Der 180-PS-Einstiegsdiesel generiert ein maximales Drehmoment von 430 Newtonmetern, beschleunigt den Wagen in 8,9 Sekunden auf 100 km/h und macht ihn maximal 193 km/h schnell.

Der 240 PS starke Diesel legt ein Drehmoment von bis zu 500 Newtonmetern an die Kurbelwelle. Damit spurtet der Velar in 7,3 Sekunden auf Tempo 100, maximal sind 217 km/h drin. Darüber siedelt sich ein neuer Diesel an, der D275, ein Dreiliter-Twinturbo-Diesel mit 275 PS und maximal 625 Nm. Der Null-auf-Hundert-Sprint gelingt ihm in 7,0 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 218 km/h. Im Vergleich dazu haut der TDV6 700 Newtonmeter auf die Kurbelwelle, Tempo 100 ist hier in 6,5 Sekunden erreicht und erst bei 241 km/h ist Schluss.

Der neue Vierzylinder-Benziner leistet 250 PS und lässt den Velar in 6,7 Sekunden auf Tempo 100 sprinten. Später folgt dann die 300-PS-Version dieses Motors. Die Topversion mit Sechszylinder-Kompressor-Benziner, der 380 PS leistet, wird derzeit nicht angeboten.

Fazit Range Rover Velar – nobel zu gehobenen Preisen

Land Rover hat den großen Range Rover geschrumpft, aber die Optik und das Design feiner geschliffen und einen sensationell schicken Innenraum geschaffen. Das wird dem Modell helfen, in seiner konzerninternen Längennische zu glänzen. Das Platzangebot ist nur vorne üppig, in Reihe zwei nur ausreichend. Der verstellbare Allradantrieb ist bei Range Rover Pflicht und bei sechs Motorisierungen sollte für jeden Interessenten etwas dabei sein.

Der Preis ist hingegen nicht für jedermann: Der neue Range Rover Velar mit Einstiegsbenziner kostet ab 56.400 Euro, wobei Land Rover dank seiner berüchtigten Aufpreisliste von einem durchschnittlichen Verkaufspreis von 90.850 Euro ausgeht. Die Auslieferungen beginnen in Deutschland im Spätsommer 2017.

Zum Vergleich: Ein elf Zentimeter kürzerer, aber innen gar nicht so viel kleinerer Porsche Macan mit 252 PS startet bei 55.669 Euro, ein BMW X6 xDrive30d mit 258 PS bei 67.100 und ein Mercedes GLE 350 d 4Matic Coupé mit ebenfalls 258 PS bei 67.295 Euro. Vergleichbare Motoren und deutlich günstigere Einstiegspreise haben Jaguar F-Pace 20d (180 PS) mit Allrad ab 46.100 Euro und ein BMW X4 xDrive20d (190 PS) mit 48.200 Euro.

Eine Sonderstellung hat das gut ausgestattete First-Edition-Modell des Range Rover Velar mit V6-Benziner oder -Diesel. Es wird ein Jahr lang angeboten – für 108.050 Euro (TDV6) oder 108.750 Euro (Benziner 3.0 S/C) – ein Cayenne GTS ist 7.000 Euro billiger. Da muss der neue Velar so funktionieren, wie es Gerry McGovern formuliert: „Wenn Du ihn siehst, musst Du ihn haben wollen.“

Quelle: http://www.auto-motor-und-sport.de/news/range-rover-velar-vorstellung-2017-daten-preise-infos-marktstart-suv/

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